Stellantis Aktie: Mirafiori stoppt Produktion
Stellantis stoppt die Fertigung in Turin wegen fehlender Motorteile, meldet aber mehr Italien-Zulassungen und ordnet das Management neu.

Kurz zusammengefasst
- Mirafiori pausiert wegen fehlender Motorkomponenten
- Stellantis steigert Italiens Zulassungen um 6,2 Prozent
- Leapmotor-Verkäufe wachsen um 255 Prozent
- Lancia Gamma startet im Oktober
Trotz eines leichten Absatzplus auf dem italienischen Heimatmarkt sieht sich der Automobilkonzern Stellantis mit neuen operativen Hürden konfrontiert. Das Unternehmen stellt von heute bis einschließlich Freitag die Produktion im traditionsreichen Werk Mirafiori in Turin ein.
Während die Konzernleitung technische Gründe für die Unterbrechung anführt, verweisen Arbeitnehmervertreter auf die angespannte Marktlage für bestimmte Modelle. Parallel dazu ordnet der Konzern seine Führungsebene neu und bereitet den Marktstart wichtiger Zukunftshoffnungen vor.
Lieferengpässe erzwingen Pause in Mirafiori
Die dreitägige Produktionspause am Standort Mirafiori ist nach Medienberichten auf einen Mangel an Motorkomponenten zurückzuführen. Konkret fehlen Zylindergehäuse des Zulieferers Teksid, die für die Fertigung von Hybridantrieben benötigt werden.
Die Gewerkschaft Fiom sieht hinter dem offiziell begründeten Teilemangel jedoch tieferliegende Probleme und verweist auf die schwache Nachfrage nach dem Fiat 500. Der Produktionsstopp trifft den Konzern in einer Phase, in der die Aktie mit erheblichen Kursverlusten kämpft. Im heutigen Handel notiert das Papier bei 4,56 Euro, was einem Rückgang von 2,5 Prozent entspricht.
Die Unsicherheit am Markt spiegelt sich auch in der langfristigen Performance wider: Seit Jahresbeginn hat der Titel 52 Prozent an Wert verloren. Bereits vor rund zwei Wochen hatte ein umfangreicher Rückruf von Fahrzeugen die Anleger verunsichert, wenngleich sich der Kurs seither leicht stabilisieren konnte.
Die aktuelle Unterbrechung in Italien verdeutlicht die Fragilität der Lieferketten, während der Konzern gleichzeitig versucht, seine Kapazitäten an die tatsächliche Nachfrage anzupassen.
Absatzplus in Italien trotz Markteintrübung
Ein positiveres Bild zeichneten gestern die offiziellen Zulassungszahlen für den Monat August. In Italien konnte Stellantis 18.845 Neuzulassungen verbuchen, was einem Zuwachs von 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Damit sicherte sich der Konzern einen Marktanteil von 27,2 Prozent.
Besonders deutlich legte die Partnermarke Leapmotor zu, deren Verkäufe um 255 Prozent stiegen. Laut Daten der Branchenvereinigung Unrae wuchs der gesamte italienische Pkw-Markt im August um 3,15 Prozent, wobei Experten auf eine generelle Abkühlung in den vergangenen zwei Monaten hinweisen.
Der Branchenverband mahnt angesichts dieser Entwicklung Reformen bei der Besteuerung von Firmenwagen an, um die Nachfrage nach elektrifizierten Antrieben langfristig zu stützen. Für Stellantis bleibt Italien der wichtigste europäische Ankerpunkt, auch wenn der Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller wie BYD zunimmt, die im August ihren Absatz in Italien fast verdreifachen konnten.
Neue Impulse durch Personalien und Modelloffensive
Flankiert wird die operative Lage von einem weitreichenden Umbau der Führungsebene, der seit gestern wirksam ist. Arnaud Belloni, der zuvor für das Marketing bei Renault verantwortlich war, hat die Position des Chief Marketing Officers übernommen und leitet künftig zudem die Marken Fiat, Abarth und Lancia.
Auch an der Spitze von DS und Jeep Europa gab es zum Monatswechsel personelle Veränderungen. Die neue Führung soll den Fokus verstärkt auf die anstehenden Modellstarts legen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Lancia Gamma Crossover, der im Oktober auf dem Pariser Automobilsalon debütieren wird. Das Modell soll sowohl als Hybrid- als auch als reine Elektroversion mit einer Reichweite von bis zu 740 Kilometern erscheinen.
Gleichzeitig expandiert Stellantis mit Kleinstwagen in neue Märkte: In den USA wird der elektrische Fiat Topolino für 13.995 US-Dollar eingeführt. International stehen zudem wichtige Weichenstellungen an, da die Verhandlungen mit der kanadischen Gewerkschaft Unifor über die Zukunft des seit 2023 stillgelegten Werks in Brampton bis zum 11. September abgeschlossen sein sollen.
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