Stellantis zurück in der Gewinnzone, BYD kämpft — fünf Auto-Aktien im Earnings-Fokus
Die Quartalszahlen der Autobranche zeigen ein geteiltes Bild: Stellantis kehrt in die Gewinnzone zurück, während BYD einen massiven Gewinneinbruch verzeichnet.

Kurz zusammengefasst
- Stellantis meldet Gewinn von 377 Millionen Euro
- BYD-Gewinn bricht um über 55 Prozent ein
- Deutz erhält Kurszielanhebung von Berenberg
- Daimler Truck leidet unter US-Zollpolitik
Stellantis meldet für das erste Quartal 2026 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen — gleichzeitig bricht BYDs Gewinn um mehr als die Hälfte ein. Zwischen Zollhürden in Nordamerika, Preiskämpfen in China und strategischen Neuausrichtungen in Europa zeigt die laufende Berichtssaison ein zweigeteiltes Bild im Autosektor. Fünf Unternehmen, fünf unterschiedliche Wege durch die Krise.
Stellantis: Vom Verlust zum Gewinn — aber die Börse zögert
Der Turnaround ist da, zumindest auf dem Papier. Stellantis drehte im ersten Quartal 2026 von einem Nettoverlust von 387 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 377 Millionen Euro. Die Nettoumsätze stiegen um 6 % auf 38,1 Milliarden Euro, getrieben vor allem vom nordamerikanischen Markt.
In den USA wuchs Stellantis gegen den Branchentrend. Während der Gesamtmarkt um 6 % schrumpfte, legte der Konzern zu und kletterte auf einen Marktanteil von 7,9 %. Besonders die Marke Ram stach heraus — mit einem Absatzplus von rund 20 % gegenüber dem Vorjahr.
In Europa fällt das Bild deutlich nüchterner aus. Das bereinigte operative Ergebnis in der Region „Enlarged Europe“ brach von 292 Millionen auf magere 8 Millionen Euro ein. Preisdruck, ein ungünstiger Modellmix und höhere Verwaltungskosten drückten die Marge auf 0,1 %. Die Zolleffekte blieben insgesamt neutral — Anpassungen glichen die Kosten weitgehend aus.
Die Börse reagierte dennoch verhalten. Die Aktie notierte am 30. April bei 6,23 Euro, ein spürbarer Rückgang vom Vortagesschluss bei 6,63 Euro. Der Gewinn verfehlte die Analystenerwartungen, was die positive Absatzentwicklung in den Hintergrund drängte. Stellantis bestätigte die Jahresprognose und erwartet Verbesserungen bei Umsatz, Marge und industriellem Free Cashflow. Am 21. Mai steht ein Investorentag in Auburn Hills an — dort dürften weitere strategische Details folgen.
BYD: Gewinneinbruch trotz Exportrekord
BYDs Quartalszahlen lesen sich wie ein Bruch. Der Nettogewinn fiel im ersten Quartal um 55,4 % auf 4,1 Milliarden Yuan — der stärkste Rückgang seit 2020. Der Umsatz sank um knapp 12 % auf 150,2 Milliarden Yuan, der NEV-Absatz brach auf 700.463 Einheiten ein.
Die Ursachen liegen tief im chinesischen Markt. Peking hat die Kaufsteuer-Erleichterungen für Elektrofahrzeuge halbiert, was Ende 2025 massive Vorzieheffekte auslöste. Der traditionell schwache Jahresauftakt verschärfte die Lage zusätzlich. Wettbewerber wie Xiaomi und Geely zwangen BYD zu Preissenkungen, die im März einen Zweijahreshöchststand erreichten — der vierte Quartalsrückgang beim Gewinn in Folge.
Das Auslandsgeschäft stemmt sich gegen den Trend. Die internationalen Verkäufe kletterten um fast 56 % auf 321.165 Einheiten und machten damit knapp 46 % des gesamten NEV-Absatzes aus. Das Management hob das Exportziel für 2026 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge an.
Genau diese Expansionsstrategie gerät allerdings in Europa unter Druck. BYD ist das erste chinesische Unternehmen, das im Europäischen Parlament wegen mutmaßlicher Arbeitsrechtsverletzungen thematisiert wurde. Die Vorwürfe betreffen Subunternehmer auf der Baustelle des Werks im ungarischen Szeged — Sieben-Tage-Wochen und Schichten von mehr als zwölf Stunden stehen im Raum. Das Werk ist zentral für BYDs Strategie, die 17-prozentigen EU-Strafzölle auf chinesische E-Autos zu umgehen. Sollten die Vorwürfe regulatorische Konsequenzen nach sich ziehen, könnte das den europäischen Marktzugang empfindlich belasten.
Die Aktie gab am Tag der Zahlen in Hongkong um 2,2 % nach und schloss bei 103,70 HKD. Die Analystenmeinungen gehen auseinander:
- Citigroup bleibt bei „Buy“ mit einem Kursziel von 174 HKD
- Daiwa Securities hält ebenfalls an „Buy“ fest, senkte das Ziel jedoch leicht auf 130 HKD — starke Exporte würden die schwache Inlandsnachfrage teilweise kompensieren
- BNP Paribas stuft die Aktie weiterhin mit „Underperform“ ein und verweist auf operative Unsicherheiten und Wechselkursverluste
Deutz AG: Berenberg erhöht das Kursziel — Transformation überzeugt
Deutz lieferte diese Woche keine Quartalszahlen, dafür aber einen klaren Vertrauensbeweis der Analysten. Berenberg hob das Kursziel von 11,00 auf 11,50 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Lasse Stueben verwies auf eine Roadshow in Skandinavien, die sein Vertrauen in den Transformationskurs des Motorenherstellers gestärkt habe — Kostensenkungen im Kerngeschäft bei gleichzeitiger Expansion in Stromgeneratoren und Verteidigung.
Der breite Analystenkonsens stützt diese Sicht: Zehn von elf Experten empfehlen die Aktie zum Kauf, einer rät zum Halten. Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 11,12 Euro — gemessen am jüngsten Tradegate-Kurs von rund 9,36 Euro ein Aufwärtspotenzial von gut 23 %.
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Seit Jahresbeginn 2026 steuert Deutz fünf eigenständige Geschäftsbereiche. Die Akquisition von Frerk Aggregatebau stärkt die dezentrale Energieversorgung, die Beteiligung am Drohnenspezialisten TYTAN Technologies signalisiert Ernsthaftigkeit im Verteidigungssektor. Bereits im Geschäftsjahr 2025 zahlte sich der Umbau aus: Der Auftragseingang stieg um 13,7 % auf 2,08 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT sprang um rund 46 % auf 112,3 Millionen Euro.
Die nächsten Termine sind dicht getaktet. Am 7. Mai legt Deutz erstmals Quartalszahlen unter der neuen Segmentstruktur vor. Sechs Tage später, auf der Hauptversammlung am 13. Mai, steht eine Dividende von 0,18 Euro je Aktie zur Abstimmung. Für 2026 peilt das Management einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro an, bei einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 %.
Daimler Truck: Nordamerika-Schwäche vor den Quartalszahlen
Der Nutzfahrzeughersteller spürt die Folgen der US-Zollpolitik bereits in den Absatzzahlen. Im ersten Quartal verkaufte Daimler Truck 68.849 Fahrzeuge — ein Minus von 9 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders schmerzhaft: In Nordamerika brachen die Auslieferungen um 25 % ein, Daimler Buses verzeichnete einen Rückgang von 20 %. Mercedes-Benz Trucks legte dagegen um 13 % zu. Ein kleiner Lichtblick kam aus der Elektro-Sparte — der Absatz batterieelektrischer Lkw und Busse wuchs um 26 % auf 742 Einheiten.
Die Aktie spiegelt die Unsicherheit wider. Am 30. April notierte sie bei 41,86 Euro, nahezu unverändert zur Vorwoche und leicht im Minus auf Monatssicht. Die 25-prozentigen US-Zölle, die seit November 2025 gelten, dürften den Druck laut CFO Eva Scherer 2026 deutlich verschärfen.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management dennoch operative Verbesserungen. Höhere Volumina und Effizienzgewinne sollen die Zollbelastungen kompensieren, die bereinigte Umsatzrendite wird in einer Spanne von 6 bis 8 % prognostiziert. Am 6. Mai präsentieren Vorstandschefin Karin Rådström und CFO Scherer die Q1-Finanzzahlen — der Markt wird genau beobachten, ob die Nordamerika-Schwäche auch die Margen stärker trifft als erwartet. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 45,79 Euro, zehn Analysten empfehlen den Kauf, drei raten zum Verkauf.
Schaeffler: Margenschlag überrascht, Indien als Wachstumsmotor
Der Automobil- und Industriezulieferer hat im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen. Die EBIT-Marge lag bei 4,7 % — über dem Konsens von 4,3 %. Gleichzeitig erwirtschaftete der Konzern einen positiven freien Cashflow von 155 Millionen Euro und bestätigte die Jahresprognose für Umsatz, Marge und Cashflow.
Besonders die indische Tochtergesellschaft sticht hervor. Der operative Umsatz in Indien stieg um 18,8 % auf 25.070 Millionen Rupien, der Vorsteuergewinn legte um knapp 20 % zu. Die Marge blieb stabil bei 17 %. Zweistelliges Wachstum in den Segmenten Automotive Technologies und Vehicle Lifetime Solutions unterstreicht die Bedeutung des Subkontinents für die Gesamtstrategie.
Für 2026 erwartet Schaeffler einen Konzernumsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden Euro bei einer EBIT-Marge vor Sondereffekten von 3,5 bis 5,5 %. Die E-Mobilitäts-Sparte soll mit einem Umsatz von 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro überproportional wachsen. Langfristig strebt der Konzern an, bis 2035 rund 10 % des Umsatzes in neuen Wachstumsfeldern wie humanoider Robotik und Verteidigung zu erzielen.
Die Aktie hat auf Monatssicht um knapp 15 % zugelegt, nachdem sie über 90 Tage betrachtet gut 30 % verloren hatte. Am 5. Mai steht die Analystenkonferenz zu den Q1-Zahlen an — dort wird sich zeigen, ob der Margenschlag nachhaltig ist.
Berichtssaison legt die Bruchlinien offen
Die zentralen Sektordynamiken auf einen Blick:
- Preiskampf in China: BYDs vierter Gewinnrückgang in Folge illustriert den Margendruck, den Subventionskürzungen und aggressive Wettbewerber auslösen
- US-Zölle treffen Nutzfahrzeuge: Daimler Trucks Nordamerika-Einbruch zeigt, wie schnell Handelspolitik auf Absatzzahlen durchschlägt
- Restrukturierung zahlt sich aus: Stellantis, Deutz und Schaeffler demonstrieren, dass Portfolioumbau und Kostendisziplin selbst im schwierigen Umfeld Ergebnisse liefern
- Diversifikation als Überlebensstrategie: Deutz expandiert in Energie und Verteidigung, Schaeffler setzt auf E-Mobilität und Indien, BYD kompensiert den Heimatmarkt mit Exportwachstum
Die kommenden zwei Wochen werden prägend. Schaefflers Analystenkonferenz am 5. Mai, Daimler Trucks Finanzbericht am 6. Mai und Deutz‘ erstmalige Segmentberichterstattung am 7. Mai liefern in dichter Folge neue Datenpunkte. Für BYD könnte die EU-Arbeitsrechtsaffäre zur größeren Hürde werden als die Zölle, die der Konzern mit dem Ungarn-Werk eigentlich umgehen wollte. Und bei Stellantis richtet sich der Blick auf den Investorentag am 21. Mai — dort muss das Management zeigen, dass die Erholung mehr ist als ein einzelnes gutes Quartal.
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