Strategy Aktie: Cash statt Bitcoin
Strategy pausiert Bitcoin-Erwerb und stockt Bargeldreserven auf 3 Milliarden Dollar auf. Analysten loben die neue Bilanzdisziplin, während der Aktienkurs fällt.

Kurz zusammengefasst
- Dritter Monat ohne Bitcoin-Zukauf
- Bargeldreserve auf Rekordniveau von 3 Mrd. USD
- Bitcoin-Bestand von 843.775 Coins unverändert
- Analysten bewerten Bilanzdisziplin positiv
Michael Saylors Unternehmen war jahrelang für eine einzige Botschaft bekannt: kaufen, koste es, was es wolle. Jetzt tut Strategy das Gegenteil. Zum dritten Mal in Folge hat das Unternehmen in der vergangenen Woche keinen einzigen Bitcoin erworben — obwohl frisches Kapital in Millionenhöhe zur Verfügung stand.
Der Grund liegt nicht am fehlenden Geld. Strategy sammelte 467 Millionen Dollar durch die Ausgabe neuer Stammaktien ein und steckte die gesamte Summe in die eigene Kasse. Die USD-Reserve kletterte damit um rund 18 Prozent auf einen Rekordwert von 3 Milliarden Dollar. Das reicht nun für mehr als 20 Monate, um die jährlichen Dividenden- und Zinsverpflichtungen von 1,76 Milliarden Dollar zu bedienen.
Der Bitcoin-Bestand bleibt derweil unverändert bei 843.775 Coins. Bei einem aktuellen Kurs von rund 62.600 Dollar gegenüber einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.476 Dollar liegt das Portfolio rechnerisch mit etwa 11 Milliarden Dollar im Minus. Seit dem letzten Bitcoin-Kauf am 22. Juni hat Strategy durch Bitcoin-Verkäufe gerade einmal 215 Millionen Dollar erlöst — weniger als die Hälfte dessen, was die jüngste Aktienplatzierung allein einbrachte.
Bilanzdisziplin statt Bitcoin-Rausch
Am Kapitalmarkt kommt die Zurückhaltung unterschiedlich an. TD Cowen bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 260 Dollar und wertet die Reserve-Aufstockung als frühen Beleg dafür, dass Management sein neu vorgestelltes „Digital Credit Capital Framework“ konsequent umsetzt. Benchmark geht deutlich weiter: Bei ebenfalls „Buy“ nennt Analyst Mark Palmer ein Kursziel von 570 Dollar und beschreibt den Aktienverkauf als gezielten Aufbau eines „Dividenden-Kriegskassa“. Die weit auseinanderliegenden Ziele zeigen, wie unterschiedlich die Wall Street das Geschäftsmodell derzeit bewertet — Einigkeit besteht nur darin, dass die Bilanzdisziplin positiv zu werten sei.
An der Börse hat das die Stimmung bislang kaum beruhigt. Die Stammaktie fiel am Montag um 4 Prozent auf rund 90,80 Dollar, nach einem 28-Monats-Tief von 81,81 Dollar Ende Juni. Die Vorzugsaktie STRC notiert bei 87,04 Dollar und damit weiterhin unter ihrem Nennwert von 100 Dollar, während sie eine Dividende von 12 Prozent auszahlt.
Damit bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Warum kauft Saylor kein Bitcoin, obwohl der Kurs rund die Hälfte des historischen Hochs entfernt notiert und die Kasse prall gefüllt ist? Die Antwort dürfte sich erst in den kommenden SEC-Filings zeigen — sie werden verraten, ob Strategy an seiner neuen Zurückhaltung festhält oder zur alten Kaufstrategie zurückkehrt.
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