Substanz-Rally: Warum Deutsche Bank, BASF und Rheinmetall der Nahost-Eskalation trotzen

Deutsche Bank, BASF, Rheinmetall und Gerresheimer legen starke Quartalszahlen vor und trotzen damit der geopolitischen Unsicherheit.

Eduard Altmann ·
Deutsche Bank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rheinmetall übertrifft operative Erwartungen
  • Deutsche Bank meldet Rekordgewinn und Aktienrückkauf
  • BASF treibt Kostensenkungen und Umbau voran
  • Gerresheimer verkauft US-Tochter für Schuldenabbau

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

über eine Billion Dollar Marktkapitalisierung haben Chip-Werte weltweit in den letzten Tagen verloren, der Iran-Konflikt flammt wieder auf – und der DAX steht trotzdem stabil über 25.500 Punkten. Das ist keine Sorglosigkeit. Es ist Substanz. Vier deutsche Konzerne haben Zahlen vorgelegt, die belegen, wo in diesem nervösen Umfeld tatsächlich Geld verdient wird: Deutsche Bank, BASF, Rheinmetall und Gerresheimer. Gestern noch zeigte sich mit Nemetschek und dem Chipsektor, wie fragil das Vertrauen in Wachstumsversprechen sein kann. Heute liefert der Markt die Gegenprobe – mit Unternehmen, deren Gewinne real sind, nicht nur avisiert.

Rheinmetall: Wenn Rüstung liefert, was Tech nur verspricht

Rheinmetall hat im zweiten Quartal den Umsatz um rund 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro gesteigert. Wichtiger als die Wachstumsrate ist die Ergebnisqualität: Das operative Ergebnis kletterte auf 562 Millionen Euro – fast 20 Prozent über der Markterwartung von knapp 470 Millionen. Der Auftragsbestand liegt bei über 80 Milliarden Euro, allein die neuen Nominierungen summieren sich auf 11,371 Milliarden Euro, darunter Loitering Munition für die Bundeswehr und das Rumänien-Paket.

Die Aktie zog nach den Zahlen deutlich an und notiert bei 1.160 Euro. Zwei Dinge sollten Anleger dennoch im Blick behalten. Erstens: Der operative Free Cashflow war negativ – verschobene Anzahlungen, aufgebaute Vorräte. Bei diesem Wachstumstempo verkraftbar, aber kein Detail zum Übersehen. Zweitens die Relation: Trotz des Kurssprungs liegt die Aktie im Zwölfmonatsvergleich noch rund ein Drittel im Minus und weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro. Wer die Rüstungsstory strukturell für intakt hält, bekommt hier operative Bestätigung statt bloßer Hoffnung. Die vollständigen Halbjahreszahlen folgen am 6. August.

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Deutsche Bank: Rekordgewinn und ein neuer Rückkauf

Das Frankfurter Geldhaus hat die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Vorsteuergewinn kletterte im zweiten Quartal um 11 Prozent auf knapp 2,68 Milliarden Euro, die Erträge stiegen um 9 Prozent auf 8,5 Milliarden. Treiber ist das Investmentbanking: Der Gewinn dort schoss um 59 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Dazu kommt ein neues Aktienrückkaufprogramm über 500 Millionen Euro.

Die Aktie zog auf 31,50 Euro an und nähert sich dem Jahreshoch. Das passt in einen europaweiten Trend: Auch die UBS meldete zuletzt einen Konzerngewinn von 2,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 17 Prozent. Europas Banken sind derzeit die verlässlichste Stütze der Berichtssaison. Für Depotinhaber heißt das: Die Kapitalrückgabe-Politik steht, und ein Management, das eigene Aktien zurückkauft, signalisiert unmissverständlich, dass es den Kurs für unterbewertet hält.

BASF: Der Umbau greift – und die Energiepreise könnten helfen

BASF hat die finalen Quartalszahlen vorgelegt und macht beim Konzernumbau spürbare Fortschritte: Kosten gesenkt, Investitionen reduziert, Anlagenauslastung verbessert. Bis Ende 2026 sollen die jährlichen Kosten um 2,3 Milliarden Euro sinken. Vorstandschef Kamieth betonte, im ersten Halbjahr seien mehr Stellen abgebaut worden als in den beiden Vorjahren zusammen. Im August startet ein weiteres Aktienrückkaufprogramm.

Die Aktie gehörte zuletzt zu den DAX-Favoriten und stieg auf 50,75 Euro – im Monatsvergleich ein Plus von rund acht Prozent. Bemerkenswert ist die doppelte Hebelwirkung: Ein energieintensiver Chemiekonzern profitiert strukturell, sobald sich Rohstoffkosten normalisieren. Die aktuelle Ölvolatilität durch den Iran-Konflikt läuft dieser Hoffnung zwar entgegen, doch für die mittelfristige Turnaround-Story zählt vor allem, dass BASF selbst Hand anlegt, statt auf bessere Marktbedingungen zu warten. Genau das honoriert der Markt.

Gerresheimer: Der Schulden-Reset in einem Deal

Die deutlichste Einzelbewegung des Tages liefert Gerresheimer. Der Verpackungs- und Pharmazulieferer verkauft seine US-Tochter Centor sowie das Kunststoff-Primärverpackungsgeschäft für 1,5 Milliarden Euro Unternehmenswert an Apax Partners. Betroffen sind 16 Standorte und 2.400 Mitarbeiter, die Sparten setzten 2025 rund 570 Millionen Euro um. Der Erlös fließt in den Schuldenabbau – ein dringend nötiger Schnitt nach einem Konzernverlust von 319 Millionen Euro im Jahr 2025.

Die Aktie sprang zeitweise um bis zu 20 Prozent und schloss mit einem Plus von rund sieben Prozent bei 28,52 Euro. Künftig konzentriert sich Gerresheimer auf Drug-Delivery-Systeme und injizierbare Arzneimittel – das margenstärkere, wachstumsträchtigere Geschäft. Die entscheidende Frage für Anleger: Ist das der Wendepunkt nach einer Historie voller Belastungen, inklusive der BaFin-Prüfung zu „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen? Der Deal räumt die Bilanz auf. Jetzt muss das fokussierte Kerngeschäft liefern. Der Abschluss für Centor wird bis November 2026 erwartet.

Medios: Wenn die Gesundheitsreform gegen die Story arbeitet

Als Kontrapunkt zur Substanz-Rally steht Medios. Der Spezialpharma-Dienstleister musste eine Gewinnwarnung aussprechen und senkt die Ebitda-Prognose 2026 auf 88 bis 92 Millionen Euro, zuvor waren 94 bis 102 Millionen anvisiert. Grund ist das Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das die Cannabis-Erstattung einschränkt. Immerhin wurde die Umsatzprognose auf bis zu 2,16 Milliarden Euro angehoben.

Die Aktie steht bei 11,22 Euro und markierte zwischenzeitlich mit 10,82 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Bemerkenswert: Die Analysten bleiben trotzdem an Bord. Deutsche Bank Research bestätigt „Buy“ mit Kursziel 18 Euro, Berenberg ebenfalls „Buy“, wenn auch mit leicht gesenktem Ziel von 26 auf 25 Euro. Die Lehre für Anleger: Regulatorische Eingriffe im Gesundheitswesen sind ein politisches Risiko, das sich bei Nischen-Pharmawerten nicht wegdiversifizieren lässt. Wer hier auf die Bewertung setzt, wettet darauf, dass die Sparmaßnahmen den Gegenwind überkompensieren.

Unterm Strich

Der heutige Tag zieht eine klare Trennlinie durch die Berichtssaison: Wo Unternehmen echte Gewinne, Kapitalrückgabe und aufgeräumte Bilanzen liefern – Deutsche Bank, BASF, Rheinmetall, Gerresheimer –, belohnt der Markt sie, Iran-Eskalation und Chip-Nervosität hin oder her. Medios zeigt die Kehrseite: Wo politische Eingriffe das Geschäftsmodell treffen, hilft auch eine angehobene Umsatzprognose nur bedingt. Den nächsten Prüfstein liefert der Abend: Die Fed entscheidet um 20:00 Uhr MEZ über die Zinsen, ein Zinsstopp im Bereich 3,50 bis 3,75 Prozent gilt als wahrscheinlich, während Notenbankchef Warsh mit seiner „No-Guidance“-Linie für zusätzliche Unruhe sorgt. Für Ihr Depot bleibt die Lehre dieses Mittwochs simpel: Substanz schlägt Story – aber nur so lange, wie die Politik das Geschäftsmodell nicht durchkreuzt.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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