Super Micro Computer Aktie: Mehr als 60 Milliarden Aufträge
Super Micro Computer übertrifft Margenerwartungen deutlich, meldet Rekordauftragsbestand und löst Kurssprung aus.

Kurz zusammengefasst
- Kurs legt um fast 20 Prozent zu
- Bruttomarge fast verdoppelt
- Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
- Analysten uneins über Kursziele
Super Micro Computer hat mit vorläufigen Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 für den größten Kurssprung seit Monaten gesorgt. Die Aktie schloss am Mittwoch mit einem Plus von 19,84 Prozent bei 30,56 US-Dollar, nachdem sie im Verlauf des Handels zeitweise noch deutlich stärker zugelegt hatte. Auslöser war eine Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens zum am 30. Juni 2026 beendeten Quartal, die sowohl bei der Marge als auch beim Auftragseingang deutlich über den bisherigen Erwartungen lag.
Bruttomarge fast verdoppelt, Auftragsbestand auf Rekordniveau
Super Micro rechnet für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 nun mit einer GAAP- und Non-GAAP-Bruttomarge von 15 bis 17 Prozent. Bislang hatte das Unternehmen lediglich 8,2 bis 8,4 Prozent in Aussicht gestellt – nahezu eine Verdopplung. Beim Umsatz bewegt sich Super Micro dagegen am unteren Ende der ursprünglichen Spanne von 11,0 bis 12,5 Milliarden US-Dollar und damit unterhalb des Analystenkonsens von rund 11,73 Milliarden US-Dollar. Parallel meldete das Unternehmen neue Aufträge von mehr als 60 Milliarden US-Dollar allein im vierten Quartal sowie einen Rekord-Auftragsbestand. Die vollständigen Ergebnisse will Super Micro am 11. August 2026 vorlegen.
Die Kombination aus schwächerem Umsatz und stark verbesserter Marge sorgte für Diskussionen unter Beobachtern. Goldman Sachs führt den Margensprung nach eigener Einschätzung teilweise auf die Verschiebung eines margenschwächeren Großauftrags zurück – ein Hinweis darauf, dass die Verbesserung nicht ausschließlich struktureller Natur sein könnte. Zudem ist unklar, wie belastbar der gemeldete Auftragsbestand tatsächlich ist, da nicht alle Bestellungen fest gebunden sein müssen.
Analysten zwischen Kurszielen von 38 und 100 Dollar
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen breit gestreut aus. Needham-Analyst Quinn Bolton bestätigte sein Kaufvotum und hob sein Kursziel auf 46 US-Dollar an. Loop Capital nannte ein Kursziel von 100 US-Dollar, Mizuho 52 US-Dollar, während Citi und Barclays mit 38 US-Dollar deutlich zurückhaltender blieben. Rosenblatt siedelte sein Ziel bei 45 US-Dollar an. Der Analystenkonsens läuft derzeit auf ein „Hold“ mit einem mittleren Kursziel von etwa 36 US-Dollar hinaus. Wolfe Research und Raymond James mahnten trotz der starken vorläufigen Zahlen zur Vorsicht und verwiesen auf ungelöste Governance-Fragen sowie eine mögliche Verschiebung bei der Chip-Zuteilung durch Nvidia.
Auch institutionelle Investoren zeigten zuletzt wachsendes Interesse: Zum ersten Quartal 2026 hielten 49 Hedgefonds Positionen in Super Micro, nach 39 im Vorquartal.
Altlasten bleiben ein Thema
Trotz der Kursrallye notiert die Aktie noch immer knapp die Hälfte unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 60,71 US-Dollar, das am 30. Juli 2025 markiert wurde – ein Abstand von 49,66 Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 32,67 US-Dollar liegt der aktuelle Kurs mit einem Abschlag von 6,45 Prozent noch leicht darunter. Die hohe annualisierte Volatilität von gut 100 Prozent auf Sicht von 30 Tagen unterstreicht, wie nervös der Handel um den Titel bleibt.
Ein Grund dafür liegt in ungelösten Altfällen: Der Wirtschaftsprüfer EY war im Oktober 2024 als Prüfer zurückgetreten, im März 2026 kam es zu einer Anklage der US-Justiz im Umfeld eines Mitgründers, zudem laufen unternehmensinterne Überprüfungen von Transaktionen im Zusammenhang mit Exportkontrollfragen. Erst im Juni 2026 hatte Super Micro zudem eine Kapitalerhöhung über 7 Milliarden US-Dollar durchgeführt, um die Produktion hochzufahren.
CEO Charles Liang verwies im Zuge der vorläufigen Zahlen zudem auf ein gemeinsames Rechenzentrumsprojekt im Gigawatt-Maßstab mit SpaceX und xAI, das die langfristige Nachfrage nach KI-Servern zusätzlich untermauern soll. Wie tragfähig die Margenverbesserung tatsächlich ist, dürfte sich erst bei der vollständigen Zahlenvorlage am 11. August zeigen, wenn Super Micro auch Details zur Zusammensetzung des Auftragsbestands offenlegen muss.
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