Super Micro Computer Aktie: Schleichende Enttäuschung?

Ein Mitgründer unter Anklage, gefälschte Server als Tarnung, und Hardware im Wert von Milliarden Dollar auf dem Weg nach China — das ist kein Thriller, sondern die jüngste Realität bei Super Micro Computer.
Die US-Anklagebehörde für den südlichen Bezirk von New York hat gestern eine Anklageschrift gegen drei Personen aus dem Umfeld des Unternehmens entsiegelt. Darunter Yih-Shyan „Wally“ Liaw, Mitgründer, Senior Vice President und Mitglied des Vorstands. Der Vorwurf ist schwerwiegend: systematische Umgehung amerikanischer Exportkontrollgesetze, um KI-Server mit Nvidia-Chips der Typen H200 und B200 illegal nach China zu schleusen.
Ein Netzwerk aus Attrappen und Zwischenhändlern
Das mutmaßliche Schema war raffiniert aufgebaut. Eine Tarnfirma in Südostasien fungierte als Zwischenstation und bestellte in großem Umfang Super-Micro-Server. Die Systeme wurden dann nicht beim angegebenen Empfänger belassen, sondern direkt nach China weitergeleitet. Um interne Prüfer und Behörden zu täuschen, sollen die Beteiligten sogar funktionsunfähige Server-Attrappen bereitgestellt haben — quasi als Platzhalter für die echte Hardware, die längst woanders war.
Staatsanwalt Jay Clayton sprach von einem „undurchsichtigen Netz aus Lügen und Verschleierung“, das allein dazu diente, Umsatz zu generieren — auf Kosten der nationalen Sicherheit. Der Gesamtwert der geschmuggelten Ware soll sich auf rund 2,5 Milliarden Dollar belaufen.
Liaw und ein weiterer Angeklagter, der Auftragnehmer Ting-Wei „Willy“ Sun, wurden festgenommen. Der dritte Beschuldigte, Vertriebsmanager Ruei-Tsang „Steven“ Chang aus Taiwan, ist flüchtig.
Aktie bricht ein — das Unternehmen distanziert sich
Super Micro Computer selbst taucht in der Anklageschrift nicht als Beschuldigte auf. Dennoch ist der Imageschaden spürbar. Das Unternehmen hat Liaw und Chang mit sofortiger Wirkung freigestellt und die Zusammenarbeit mit dem betroffenen Auftragnehmer beendet. Offiziell heißt es, das geschilderte Verhalten verstoße gegen interne Compliance-Richtlinien — man kooperiere vollumfänglich mit den Ermittlern.
Die Märkte reagierten unbeeindruckt von dieser Distanzierung. Nachdem die Aktie am 19. März noch bei rund 30,79 Dollar schloss, brach sie im nachbörslichen Handel zeitweise um fast 18 Prozent auf rund 25,29 Dollar ein. Ein heftiger Dämpfer für ein Unternehmen, das ohnehin schon mit einem schwierigen Umfeld kämpft.
Für Super Micro ist es nicht der erste Schatten, der auf die Compliance fällt. Der Fall zeigt, wie real das Risiko für Technologieunternehmen ist, wenn Exportkontrollen im eigenen Haus umgangen werden — und wie teuer das werden kann.
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