Symrise auf Jahreshoch: Bezahlt wird mit Givaudans Zahlen
Givaudans Duftgeschäft wuchs im dritten Quartal um 31 Prozent; Symrise legte ohne eigene Quartalszahlen ebenfalls zu.

Kurz zusammengefasst
- Givaudan steigerte den Quartalsumsatz organisch um 8,6 Prozent
- Feine Düfte legten um 31 Prozent zu
- Symrise markierte ein Zwölfmonatshoch ohne eigene Zahlen
- AMAG hob das Jahresziel auf 200 bis 220 Millionen Euro
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
die stärkste Aktienstory des Tages kommt aus der Duftstoffindustrie, nicht aus dem Chipsektor. Givaudan hat im dritten Quartal organisch um 8,6 Prozent zugelegt, fast doppelt so stark wie der Markt erwartete. Symrise profitiert im Sog davon und markiert ein 52-Wochen-Hoch, ohne selbst eine Zahl vorgelegt zu haben. Dazu kommt ein Tag, an dem Brüssel gleich drei Milliardendeals freigab und Roche sich für gut eine Milliarde Dollar in China bediente.
Givaudan und Symrise: Die Luxusparfüms tragen das Quartal
Givaudan hat die Erwartungen nicht erfüllt, sondern deklassiert. Der Schweizer Konzern setzte im dritten Quartal 2,092 Milliarden Franken um, auf vergleichbarer Basis ein Plus von 8,6 Prozent.
Der Konsens lag bei 4,7 Prozent, Givaudan hat die Erwartung also fast verdoppelt. Treiber war das Geschäft mit feinen Düften, das um 31 Prozent wuchs. Die Givaudan-Aktie liegt im Verlauf 8,2 Prozent höher bei rund 4.045 Euro und markierte damit ihr 52-Wochen-Hoch.
Symrise notiert im Tagesverlauf 3,6 Prozent fester bei 96,50 Euro und steht ebenfalls auf dem höchsten Stand seit zwölf Monaten. Seit Jahresbeginn hat das Papier aus Holzminden 40 Prozent zugelegt. Das ist der Punkt, den Anleger im Blick behalten sollten: Symrise wird am Dienstag für Zahlen bezahlt, die ein Wettbewerber geliefert hat, und muss diese Erwartung mit dem eigenen Quartal erst noch einlösen. Wer nach dem Sprung einsteigt, kauft die Hoffnung, dass der Nachfrageschub bei Parfüms kein Schweizer Sonderfall ist.
Roche: Eine Milliarde Dollar für einen Abnehm-Kandidaten aus Shanghai
Roche kauft sich Zukunft, und die Quittung kommt später. Der Basler Konzern hat sich die weltweiten Rechte an einem experimentellen Adipositas-Wirkstoff von Rona Therapeutics gesichert.
Der Kandidat setzt auf RNA-Interferenz und zielt auf den Rezeptor ALK7. Rona erhält 100 Millionen Dollar vorab, bis zu 1,06 Milliarden Dollar hängen an Entwicklungs- und Vermarktungszielen, dazu kommen Umsatzbeteiligungen. Das Gesamtvolumen liegt damit bei bis zu 1,16 Milliarden Dollar.
Der Deal ist Teil eines Musters: 2024 kaufte Roche Carmot für 2,7 Milliarden Dollar, im Vorjahr folgte der Lizenzvertrag mit Zealand Pharma über bis zu 5,3 Milliarden Dollar. Im September meldete Roche positive Phase-2-Daten für Enicepatide. Die Basler bauen damit systematisch eine Pipeline gegen Fettleibigkeit auf, während die etablierten Anbieter ihre Marktanteile verteidigen müssen.
Wie viel Roche für Partnerschaften zahlt, zeigt der US-Partner Nurix. Nurix verbuchte im Quartal bis Ende August 673,1 Millionen Dollar Umsatz, davon 653,2 Millionen aus der Roche-Kooperation. Die Kasse von 1,1 Milliarden Dollar enthält 700 Millionen Dollar Vorabzahlung von Roche. Gemeinsam ist eine Phase-3-Studie mit rund 620 Patienten bei chronischer lymphatischer Leukämie gestartet.
Roche trägt 60 Prozent der Entwicklungskosten, in den USA wird Gewinn und Verlust geteilt. Parallel akzeptierte die US-Zulassungsbehörde FDA den Antrag für Vamikibart gegen das Uveitis-Makulaödem, die Entscheidung soll 2027 fallen. Für Anleger heißt das: Roche kauft Wachstum ein, und die Rechnung dafür wird über Jahre fällig, bevor die Produkte Umsatz bringen.
Aus Deutschland passt Formycon ins Bild: Die Aktie des Biosimilar-Entwicklers springt im Verlauf um 11 Prozent, weil eine US-Zulassung für ein Krebsmittel in Aussicht steht. Seit Jahresbeginn liegt Formycon dennoch 17 Prozent im Minus.
Italiens Banken: Die Hauptversammlung, die über Monte dei Paschi entscheidet
Italien konsolidiert, Deutschland schaut zu. Die europäische Bankenkonsolidierung bekommt am 29. Oktober einen Termin. Dann stimmen die Aktionäre von Monte dei Paschi di Siena über die Angebote für Banco BPM und Banca Generali ab.
Die Analysten von Equita und Kepler Cheuvreux bezweifeln, dass die nötige Zweidrittelmehrheit zustande kommt. Grund ist eine Sperrminorität um die Investoren Delfin und Caltagirone. In Mailand reagierten MPS und UniCredit mit leichten Gewinnen, die beiden Zielgesellschaften gaben etwas nach.
Daneben läuft die Konsolidierung im Telekomsektor: Morgan Stanley nimmt Poste Italiane mit „Overweight“ und Kursziel 29 Euro auf. Poste Italiane hält rund 87 Prozent an Telecom Italia und erwartet Synergien von 700 Millionen Euro. Im Baltikum hat die EU-Kommission am Dienstag die Übernahme der Luminor Holding durch die ungarische OTP Bank genehmigt. Die OTP-Aktie zog daraufhin an.
Für deutsche Depots fällt der Kontrast auf. Die Deutsche Bank notiert im Verlauf bei 30,02 Euro, binnen 30 Tagen hat das Papier 12 Prozent verloren. Das 52-Wochen-Hoch von 35,84 Euro vom 8. September ist damit weit entfernt, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 9,7 Prozent. Während Italiens Institute über Zusammenschlüsse Größe suchen, fehlt dem deutschen Marktführer derzeit ein vergleichbarer Kurstreiber.
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Brüssel winkt ContiTech und Nestlé-Wasser durch, bremst aber bei Möbeln
Die EU-Kommission zeigt sich auffallend deal-freundlich, mit einer Ausnahme. Brüssel hat am Dienstag den Verkauf der Continental-Industriesparte ContiTech an den Finanzinvestor Lone Star ohne Auflagen genehmigt. Der im Juli vereinbarte Unternehmenswert liegt bei 4,0 Milliarden Euro, dazu kommen erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 250 Millionen Euro. Die Continental-Aktie legte darauf moderat zu.
Ebenfalls freigegeben wurde das Gemeinschaftsunternehmen Peranel, in das Nestlé sein Wassergeschäft mit Perrier, San Pellegrino und Henniez einbringt. Platinum Equity hält die Hälfte, die Sparte wird mit 4,9 Milliarden Euro bewertet. Nestlé fließen 2,8 Milliarden Franken zu, der Vollzug ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Die Wassersparte setzte 2025 rund 3,5 Milliarden Franken um, weniger als 4 Prozent des Konzerns.
Gebremst wird dagegen XXXLutz: Die Übernahme von Porta geht in eine vertiefte Prüfung bis mindestens 25. Februar 2027. Brüssel sieht Wettbewerbsbedenken im Discountsegment und bei den Möbelherstellern. Dass die Kommission zugleich per Brief einen „Pakt gegen Gold-Plating“ vorschlägt, also gegen nationales Draufsatteln bei EU-Regeln, zeigt die Richtung: Deals sollen schneller durchgehen, Bürokratie soll sinken.
AMAG: Aluminium als stiller Gewinner des Rohstoffjahres
Wer nur auf Gold schaut, übersieht das bessere Metall. Abseits von Gold und Öl liefert ein österreichischer Aluminiumwert die stärksten Zahlen des Tages. AMAG Austria Metall meldet für das dritte Quartal ein vorläufiges EBITDA von 81,6 Millionen Euro, nach 33,5 Millionen im Vorjahr. Das Jahresziel wurde auf 200 bis 220 Millionen Euro angehoben, zuvor galten 170 bis 190 Millionen.
Montega bestätigt „Kaufen“ und hebt das Kursziel von 34 auf 35 Euro. Für 2026 erwarten die Analysten eine Verdopplung der Dividende von zuletzt 0,75 Euro, was einer Rendite von über 5 Prozent entspräche. Der Aluminiumpreis lag im Quartal bei durchschnittlich 3.228 Dollar je Tonne, 23 Prozent über dem Vorjahr. Die endgültigen Neunmonatszahlen folgen am 29. Oktober.
Bei den Goldminen mahnt Jefferies zur Vorsicht: Für Endeavour Mining erwartet die Bank nur 236.000 Unzen im Quartal, der Konsens liegt bei 259.000, das Kursziel bleibt dennoch 5.700 Pence. Gold selbst notiert knapp unter 4.200 Dollar und damit deutlich unter dem Rekord vom Januar.
Unterm Strich
Die Berichtssaison zeigt früh ihre Spielregel: Wer wie Givaudan den Konsens deutlich schlägt, wird sofort bezahlt, und selbst Wettbewerber wie Symrise profitieren. Der Rahmen bleibt aber eng, denn die deutsche Inflation stieg im September auf 3,3 Prozent, den höchsten Stand seit Dezember 2023, und der IWF erwartet für 2026 nur 3,1 Prozent Weltwachstum.
Wer jetzt kauft, sollte deshalb eigene Zahlen sehen wollen statt geliehener. Nächste Wegmarken sind die Fed-Sitzung am 28. Oktober sowie der 29. Oktober mit der MPS-Hauptversammlung und den AMAG-Zahlen.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
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