T1 Energy Aktie: Teurer Ausbau, später Start
T1 Energy kauft Solarpatente für 135 Mio. Dollar, meldet aber steigende Baukosten und Verzögerungen bei seiner neuen Fabrik in Texas.

Kurz zusammengefasst
- Patentübernahme für 135 Millionen Dollar
- Nettoverlust im zweiten Quartal 2026
- Baukosten für G2_Austin steigen auf 510 Mio.
- Erste Zellenproduktion erst Anfang 2027
T1 Energy legt am selben Vormittag zwei schwergewichtige Meldungen vor: eine Patentübernahme und die vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Zusammen zeigen sie, wie der texanische Solarhersteller seine Wachstumsstrategie finanziert – während ausgerechnet das wichtigste Bauprojekt teurer und langsamer wird als geplant.
Patentkauf sichert Technologie-Kontrolle
T1 übernimmt grundlegende Patente für TOPCon-Solarzellen und -module vom Singapurer Unternehmen Evervolt. Der Gesamtpreis liegt bei 135 Millionen Dollar. Zwei Millionen Dollar hat T1 bereits gezahlt, um sich das Kaufrecht zu sichern – den Rest zahlt das Unternehmen in vier Tranchen:
- 60 Millionen Dollar binnen drei Handelstagen nach Vertragsabschluss am 28. Juli 2026
- 25 Millionen Dollar am 30. September 2026
- 30 Millionen Dollar am 15. Oktober 2026
- 18 Millionen Dollar am 30. Oktober 2026
Die erste Tranche will T1 durch die Ausgabe eigener Aktien begleichen, mit einem Abschlag von 15 Prozent auf den fünftägigen volumengewichteten Durchschnittskurs. Bei den folgenden Raten kann das Unternehmen zwischen Bargeld und Aktien wählen. CEO Dan Barcelo begründet den Schritt damit, dass T1 künftig keine Lizenzgebühren mehr zahlen muss und die eigene Position als vertikal integrierter US-Solarhersteller stärkt.
Verlust bleibt, Baukosten steigen
Beim operativen Geschäft zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Umsatz dürfte im zweiten Quartal zwischen 245 und 255 Millionen Dollar liegen, bei einem Modulabsatz von rund 835 Megawatt.
Unterm Strich steht ein Nettoverlust aus fortgeführten Geschäftsbereichen von 34 bis 37 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA bewegt sich zwischen minus 11,5 und minus 14,5 Millionen Dollar – darin nicht enthalten sind erwartete Zollrückerstattungen von 24,4 Millionen Dollar nach dem US-Notstandsgesetz IEEPA. Zum Quartalsende verfügte T1 über liquide Mittel von 156,4 Millionen Dollar, davon 79,1 Millionen Dollar frei verfügbar.
Größere Sorgen bereitet der Blick auf G2_Austin, die geplante Solarzellenfabrik in Texas. Die Baukosten für die erste Phase steigen von zuvor 425 Millionen Dollar auf nun 510 Millionen Dollar – ein Puffer von 20 Prozent. Die Stahlarbeiten sind zu 80 Prozent abgeschlossen, doch die ersten Solarzellen sollen jetzt erst im ersten Quartal 2027 vom Band laufen, statt wie ursprünglich geplant noch vor Ende 2026.
Beim bestehenden Werk G1_Dallas läuft es dagegen besser: T1 rechnet für 2026 mit einer Jahresproduktion am oberen Ende der bisherigen Spanne von 3,1 bis 4,2 Gigawatt, gestützt durch neu qualifizierte internationale Zellzulieferer.
Auf der Finanzierungsseite hat T1 im zweiten Quartal die restlichen Steuergutschriften aus dem Jahr 2025 nach Section 45X für 39,1 Millionen Dollar verkauft, zu einem Kurs von 0,93 Dollar je Dollar Nominalwert – ein besserer Preis als bei früheren Verkäufen. Im Juli schloss das Unternehmen zudem die bereits angekündigte Übernahme von KORE Power ab und bündelt Speicher- und Rechenzentrumsgeschäft künftig unter der neuen Marke T1 NRI.
Für die weitere Finanzierung von G2_Austin sucht T1 weiterhin eine umfassende Lösung mit einem erheblichen Fremdkapitalanteil. Bis die vier Kaufraten für die Evervolt-Patente bis Ende Oktober beglichen sind, dürfte sich zeigen, wie stark T1 dabei auf die Ausgabe neuer Aktien setzt.
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