Tech-Ausverkauf treibt Anleger zurück in Staatsanleihen
Sorgen um die Finanzierung des KI-Ausbaus belasten Technologiewerte, während Staatsanleihen weltweit gefragt sind.
Kurz zusammengefasst
- Rendite zehnjähriger US-Anleihen sinkt
- Kospi verliert acht Prozent
- CoreWeave-Schulden summieren sich auf 48 Milliarden Dollar
- Märkte erwarten Dezember-Zinsschritt mit 70,6 Prozent Wahrscheinlichkeit
Wachsende Zweifel an der Rentabilität der massiven Ausgaben für Künstliche Intelligenz setzen die weltweiten Aktienmärkte unter Druck. Anleger trennen sich von hoch bewerteten Technologie-Titeln und suchen Zuflucht in Staatsanleihen. Damit kehren Kuponpapiere überraschend in ihre klassische Rolle als Depot-Absicherung zurück – ungeachtet anhaltender Zinssorgen und zäher Teuerungsraten.
Dieses Verhalten bricht mit dem Muster der vergangenen Monate. Bislang hatten Inflationsdaten die Kurse von Staatsanleihen verlässlich nach unten gedrückt. Als frische US-Verbraucherpreise über den Erwartungen lagen, stiegen die Renditen am Mittwoch zunächst kurz an. Kurz darauf setzte eine kräftige Gegenbewegung ein. Die Furcht vor einer Wachstumsdelle im Technologiesektor wog für viele Marktteilnehmer schwerer als das Risiko einer straffen Geldpolitik.
An den Rentenmärkten fielen die Renditen entsprechend deutlich. Die Verzinsung der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe sank am Donnerstag auf 5,104 Prozent, nachdem sie am Vorabend noch 5,333 Prozent erreicht hatte. Für fünfjährige US-Papiere ging es auf 4,908 Prozent nach unten.
Auch europäische und japanische Staatsanleihen profitierten von der Flucht in liquide Sicherheit. Währenddessen gerieten Aktienmärkte weltweit unter die Räder. Vor allem die bisherigen Lieblinge des KI-Booms verbuchten empfindliche Verluste.
Besonders hart traf es die asiatischen Handelsplätze. Der südkoreanische Leitindex Kospi büßte acht Prozent ein und löste einen automatischen Handelsstopp aus. In den USA verlor der Halbleiterindex an seinem sechsten Verlusttag in Serie 4,3 Prozent, während der technologielastige Nasdaq Composite um knapp 1,9 Prozent nachgab.
Schuldenberge belasten Kreditmärkte
Auslöser der Verkaufswelle ist die wachsende Skepsis gegenüber der enormen Schuldenlast, mit der viele Technologiekonzerne ihre Infrastruktur hochziehen. Marktbeobachter differenzieren zunehmend zwischen kapitalstarken Schwergewichten mit robustem operativem Mittelzufluss und jenen Firmen, die ihre Expansion vor allem über Kredite finanzieren.
Wie spürbar die Finanzierungsrisiken wiegen, zeigt der Rechenzentren-Betreiber CoreWeave. Das Unternehmen hat Anleihen über 22 Milliarden Dollar und Kredite von 26 Milliarden Dollar aufgenommen. Inzwischen rentieren dessen Verbindlichkeiten bei 15 Prozent, während die Kosten für Ausfallversicherungen im Technologiesektor sprunghaft klettern.
Die US-Notenbank berät am 27. und 28. Oktober über ihren weiteren Kurs. Zwar rechnen die Zinsmärkte für diesen Termin mit unveränderten Sätzen, taxieren die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte im Dezember jedoch auf 70,6 Prozent. Sollte das Zinsniveau länger hoch bleiben, dürften die teuren Finanzierungen die Risikobereitschaft am Aktienmarkt weiter dämpfen.
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