Telecom Italia Aktie: Squeeze-out in Sicht?
Der Staatskonzern stockte seine Beteiligung auf und übernahm die operative Koordination; jährliche Synergien von rund 700 Millionen Euro werden erwartet.

Kurz zusammengefasst
- Anteil steigt auf 86,95 Prozent
- Rund 160 Millionen Euro investiert
- Operative Koordination am 30. September übernommen
- Jährliche Synergien von 700 Millionen Euro erwartet
Rund 160 Millionen Euro hat Poste Italiane gestern an der Mailänder Börse in Telecom Italia investiert. Der italienische Staatskonzern erwarb zusätzliche Papiere über den Markt und baute seinen Anteil damit auf 86,95 Prozent aus. Zuvor lag die Quote nach der Übernahmeofferte bei 85,82 Prozent.
Mit den jüngsten Zukäufen hält Poste Italiane zum Abwicklungstag 1.857.060.167 Aktien des Telekommunikationskonzerns. Vor dem Beginn der Offerte hatte die Beteiligung noch bei 20,10 Prozent gelegen. Die zusätzlichen Anteile sicherte sich der Konzern zu Einzelpreisen zwischen 6,577 Euro und 6,624 Euro. Damit blieben die Zukäufe unter der Obergrenze von 6,65 Euro aus dem Übernahmeangebot.
Annäherung an Abfindungsgrenzen
An der Börse sorgten die Zukäufe für Bewegung, konnten den jüngsten Abwärtsdruck aber nicht vollständig stoppen. Die Aktie von Telecom Italia schloss am Donnerstag bei 6,57 Euro, was einem Tagesminus von 1,6 Prozent entsprach.
Der rasche Zukauf von etwas mehr als einem Prozentpunkt über den Markt nährt Spekulationen über die weiteren Schritte des Mehrheitseigentümers. Ab einer Beteiligung von 90 Prozent rückt ein Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre in greifbare Nähe. Ein automatischer Börsenrückzug greift bei Erreichen von 95 Prozent des Kapitals. Vonseiten der Führung von Poste Italiane hieß es dazu allerdings, ein Delisting sei derzeit nicht dringlich.
Operative Führung und Einsparpotenzial
Unabhängig von einem möglichen Rückzug von der Börse treibt der Mehrheitsaktionär die Neuordnung des Konzerns zügig voran. Am 30. September übernahm Poste Italiane formell die Leitung und Koordination bei Telecom Italia. Für Aktionäre, die das Übernahmeangebot in der Wiedereröffnungsphase angenommen hatten, steht die Auszahlung für den heutigen Freitag an.
Strategisch zielt der Zusammenschluss vor allem auf erhebliche Kostenvorteile ab. Nach vollständigem Abschluss der Integration werden jährliche Synergien von rund 700 Millionen Euro erwartet. Wie schnell diese Einsparungen realisiert werden können, hängt von der reibungslosen Verzahnung der beiden Großkonzerne in den kommenden Monaten ab.
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