Terafab, Tata-Deal, Copilot Wave 3 — fünf KI-Aktien zwischen Silizium und Software

ASML und Tesla investieren massiv in Halbleiter, während Microsoft und ServiceNow um die Vorherrschaft bei KI-Plattformen kämpfen.

Dr. Robert Sasse ·

Kurz zusammengefasst

  • Asml stattet Indiens erste Chipfabrik aus
  • ServiceNow baut KI-Partnerschaften aus
  • Microsoft integriert Copilot tiefer in Windows
  • Adobe schließt Semrush-Übernahme ab

Indiens erste Chipfabrik, Teslas 119-Milliarden-Dollar-Wette auf eigene Halbleiter, Microsofts KI-Offensive im Büroalltag: Die Nachrichtenlage im KI-Sektor zeigt, wie rasant sich der Schwerpunkt von reiner Softwareintelligenz hin zur physischen Infrastruktur verschiebt. ASML, ServiceNow, Microsoft, Adobe und Tesla stehen dabei für ganz unterschiedliche Strategien — mit sehr unterschiedlichen Risikoprofilen.

Die Trennlinie verläuft klar. Auf der einen Seite investieren ASML und Tesla Milliarden in Halbleiter-Infrastruktur. Auf der anderen kämpfen ServiceNow und Microsoft um die Vorherrschaft als Orchestrierungsplattform für KI-gestützte Unternehmens-Workflows. Adobe wiederum versucht, mit der frisch abgeschlossenen Semrush-Übernahme eine ganz eigene Nische zu besetzen: KI-getriebene Markensichtbarkeit.

Das Marktumfeld bleibt dabei angespannt. Der S&P 500 schloss am Freitag bei 7.408 Punkten — ein Minus von 1,24 %. Die Nasdaq gab sogar 1,54 % ab, belastet durch steigende Anleiherenditen. Innerhalb des KI-Sektors zeigt sich eine klare Zweiteilung: Infrastrukturwerte mit harter Substanz halten sich besser als reine Softwaretitel.

ASML: Tata-Partnerschaft öffnet indischen Markt

Premierminister Narendra Modi und sein niederländischer Amtskollege Rob Jetten waren Zeugen, als Tata Electronics und ASML vergangene Woche die Zusammenarbeit für Indiens erste Front-End-Chipfabrik im Bundesstaat Gujarat besiegelten. ASML wird die 300-Millimeter-Fabrik in Dholera mit seinem gesamten Lithografie-Portfolio ausstatten und den Aufbau lokaler Fachkräfte unterstützen.

Das geplante Investitionsvolumen liegt bei 11 Milliarden Dollar. Die Fabrik soll Halbleiter für Automobil, Mobilgeräte und KI-Anwendungen fertigen — mit dem Anspruch, globale Kunden zu bedienen. CEO Christophe Fouquet betonte das Ziel langfristiger Partnerschaften in der Region.

Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 untermauern ASMLs Marktstellung: 8,8 Milliarden Euro Umsatz bei einer Bruttomarge von 53 % am oberen Ende der Spanne. 79 Systeme wurden ausgeliefert, darunter 16 EUV- und 2 High-NA-Maschinen. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben.

Die Aktie schloss am Freitag bei 1.295,20 Euro — ein Tagesverlust von gut 5 %, der den breiten Marktdruck widerspiegelt. Seit Jahresanfang steht dennoch ein Plus von rund 31 %. Bernstein, UBS und Barclays halten an ihren Kaufempfehlungen fest.

Indien fehlt allerdings ein ausgereiftes Zuliefernetzwerk, hochentwickelte Packaging-Kapazitäten und Erfahrung in der Volumenfertigung. Die Umsetzung birgt erhebliche Risiken — von Ausbeute-Problemen bis hin zu Prozessinstabilitäten.

ServiceNow: Partnerschaften statt Kursdynamik

Während die Aktie seit Jahresbeginn rund 40 % eingebüßt hat und unterhalb ihrer gleitenden Durchschnitte notiert, baut ServiceNow sein Ökosystem für agentenbasierte KI aggressiv aus. Zwei neue Partnerschaften stechen hervor:

  • Experian-Allianz: Die Experian Ascend Platform wird nativ in die ServiceNow AI Platform integriert. KI-Agenten erhalten so Zugang zu Experians Entscheidungs- und Analysetools — direkt innerhalb bestehender Geschäftsprozesse. Erste Anwendungsfälle umfassen Mitarbeiter-Onboarding, Risikomanagement und Betrugsbekämpfung.
  • Boomi-Erweiterung: Boomi wird Launchpartner des neuen Workflow Data Network Passport Program. Ziel ist eine tiefere Datenaktivierung innerhalb der ServiceNow-Plattform.

Die Quartalszahlen zeigen Wachstum: 3,77 Milliarden Dollar Umsatz im ersten Quartal, ein Plus von 22 % im Jahresvergleich. Beim Analystentag Anfang Mai formulierte das Management ehrgeizige Ziele — 30 Milliarden Dollar Subskriptionsumsatz bis 2030, wobei rund 30 % des jährlichen Vertragsvolumens auf Now Assist entfallen sollen.

Bernstein-Analyst Peter Weed hob sein Kursziel auf 236 Dollar an und hielt an der Outperform-Einstufung fest. Andere Häuser senkten ihre Fair-Value-Schätzungen auf etwa 201 Dollar. Der Konsens bleibt trotzdem ein „Strong Buy“ — basierend auf 34 Kaufempfehlungen bei nur vier Hold-Stimmen.

Microsoft: Copilot erobert den Desktop

Microsoft nutzt die jüngsten Windows-11-Vorschau-Builds, um KI-Funktionen tiefer in den Unternehmensalltag zu verankern. Am 14. Mai landeten die Builds KB5089573 und KB5089570 mit Copilot-Integration in Excel, neuen Gruppenrichtlinien für IT-Administratoren und Patches für zwei Zero-Day-Schwachstellen.

Entscheidend: IT-Abteilungen können künftig über neue Group Policy Objects steuern, welche Anwendungen auf den Neural Processing Unit zugreifen, wie KI-Agenten mit der Taskleiste interagieren und ob Copilot-Integrationen eingeschränkt werden. Microsoft will damit die KI-Funktionen unternehmenstauglich machen, bevor sie in die allgemeine Verfügbarkeit gehen.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Asml?

Die breitere Copilot-Roadmap „Wave 3″ geht noch weiter. Agentenbasierte Fähigkeiten sind direkt in Word, Excel, PowerPoint und Outlook eingebettet. Die neue Funktion „Cowork“ ermöglicht mehrstufige, lang laufende Aufgaben — angetrieben durch Anthropics Claude. „Work IQ“ liefert automatisch relevanten Kontext aus E-Mails, Meetings und Chats, ohne dass Nutzer manuell Referenzen setzen müssen.

Die Aktie schloss am Freitag bei 362,95 Euro, ein Tagesplus von 3,42 %. Im laufenden Geschäftsjahr meldete Microsoft im dritten Quartal einen Umsatz von 82,89 Milliarden Dollar. 55 von 58 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, mit einem durchschnittlichen Kursziel, das rund 41 % Aufwärtspotenzial impliziert. Wedbush bestätigte die Outperform-Einstufung am 13. Mai.

Adobe: Semrush-Integration als Bewährungsprobe

Die definierende Nachricht für Adobe: Am 28. April wurde die Übernahme von Semrush für 12,00 Dollar je Aktie abgeschlossen — ein Gesamtwert von rund 1,9 Milliarden Dollar in bar. Der strategische Kern dieser Akquisition liegt im Wandel der Suche durch KI.

Der KI-gestützte Traffic auf US-Einzelhandelsseiten stieg laut Adobe-Daten bis März 2026 um 269 % im Jahresvergleich. Mit Semrush und seiner globalen Nutzerbasis von 28 Millionen will Adobe das gesamte Spektrum abdecken: klassische Suchmaschinenoptimierung, generative Engine-Optimierung und die Optimierung für agentenbasierte Suchanfragen.

Semrush wird tief in die neue Adobe CX Enterprise Suite integriert — ein agentenbasiertes KI-System, das Content-Lieferkette, Kundeninteraktion und Markensichtbarkeit verbindet. Kernprodukte wie der LLM Optimizer und der Brand Concierge sollen Marken in KI-Chat-Interfaces sichtbar halten.

Die Aktie notiert bei 213,45 Euro und damit fast exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresanfang beträgt der Verlust knapp 25 %. Das KGV von 14 liegt deutlich unter historischen Durchschnittswerten. Der Analystenkonsens lautet „Hold“ bei einem durchschnittlichen Kursziel von 347 Dollar — was vom aktuellen Niveau rund 40 % Aufwärtspotenzial bedeuten würde. Semrushs Unternehmenssegment wuchs vor der Übernahme mit 33 % pro Jahr. Ob Adobe dieses Tempo halten kann, wird über die Bewertung der gesamten Transaktion entscheiden.

Tesla: Terafab zwischen Vision und Realität

Teslas ambitioniertestes Projekt hat jetzt einen Preis: Mindestens 55 Milliarden Dollar für die erste Phase, bis zu 119 Milliarden Dollar für den vollständigen Ausbau. Diese Zahlen stammen aus einer öffentlichen Anhörung in Grimes County, Texas.

Terafab — ein Gemeinschaftsprojekt von Tesla, xAI, SpaceX und Intel — soll als vertikal integrierte Halbleiterfabrik mehr als ein Terawatt KI-Rechenkapazität pro Jahr produzieren. Intel stieg im April als erster externer Partner ein und wird seinen kommenden 14A-Prozess für die Chipfertigung bereitstellen. Teslas KI-Chip der fünften Generation, AI5, gehört zu den ersten geplanten Produkten — kleine Chargen noch in diesem Jahr, Volumenproduktion 2027.

Das langfristige Ziel: eine Million Wafer-Starts pro Monat und zwischen 100 und 200 Milliarden maßgefertigter KI- und Speicherchips jährlich. Bernstein beziffert die tatsächlich nötigen Investitionen für ein Terawatt Rechenkapazität allerdings auf 5 bis 13 Billionen Dollar — weit jenseits des Terafab-Budgets. Chip-Analyst Ben Bajarin stuft das Vorhaben als „15-Jahres-Strategie“ ein.

Die Tesla-Aktie schloss am Freitag bei 363,40 Euro, ein Tagesverlust von gut 5 %. Auf Monatssicht steht ein Plus von rund 10,5 %. Die Analysten sind tief gespalten: Der Konsens pendelt je nach Plattform zwischen „Buy“ und „Hold“, mit 27 % starken Kaufempfehlungen, aber auch 16 % Verkaufsstimmen.

Silizium-Wette gegen Software-Dominanz — der KI-Sektor sortiert sich

Die fünf Titel offenbaren eine Sektorstruktur mit klar getrennten Lagern:

  • Infrastruktur-Offensive: ASML und Tesla setzen auf physische Halbleiter-Assets — ASML als Ausrüster der globalen Chipfabriken, Tesla als Erbauer einer eigenen. Beide Strategien brauchen Jahre und verschlingen Milliarden, spiegeln aber die Überzeugung wider, dass KI langfristig an Silizium scheitern wird, nicht an Software.
  • Plattform-Kampf: ServiceNow und Microsoft ringen um die Rolle der zentralen Steuerungsschicht für KI-Agenten im Unternehmen. ServiceNows Boomi-Partnerschaft zielt auf eine systemübergreifende Kontrollschicht. Microsoft verfolgt dasselbe Ziel über die Produktivitätssuite, die bereits auf Hunderten Millionen Unternehmensrechnern läuft.
  • Marketing-Nische: Adobe besetzt mit der Semrush-Übernahme eine Sonderposition — die Wette, dass KI-getriebene Markensichtbarkeit ein eigenständiger Wachstumsmotor wird.

Für ASML hängt viel davon ab, ob Indien die operativen Hürden der Halbleiterfertigung meistert. ServiceNow muss zeigen, dass die Partnerschaften mit Experian und Boomi in messbares Vertragswachstum münden. Bei Microsoft entscheidet die Konversionsrate zahlender Copilot-Lizenzen über die nächste Kursphase. Adobes Semrush-Integration wird in den kommenden Quartalsberichten unter die Lupe genommen. Und Teslas Terafab? Ein Projekt, dessen Investmentthese weit über den aktuellen Ergebniszyklus hinausreicht — mit allem, was dazugehört: Fantasie, Kapitalrisiko und ein Zeithorizont, der Geduld verlangt.

Asml-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Asml-Analyse vom 17. Mai liefert die Antwort:

Die neusten Asml-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Asml-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Asml: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Asml Aktie

1.295,20 EUR

– 69,80 EUR -5,11 %
KGV 50,51
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,43 %
Marktkapitalisierung 503,59 Mrd. EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

Community Forum zu Asml

Ähnliche Artikel

SolarEdge Aktie: 27,71 Prozent Sprung auf 53 Euro

SolarEdge Aktie: 27,71 Prozent Sprung auf 53 Euro

News ·
SK Hynix Aktie: Nomura hebt Kursziel auf 4 Millionen Won

SK Hynix Aktie: Nomura hebt Kursziel auf 4 Millionen Won

KI & Quantencomputing ·
Erste Bank: 10 Millionen Aktien ab Ende Mai

Erste Bank: 10 Millionen Aktien ab Ende Mai

Banken & Versicherungen ·
Powermax Minerals Aktie: Hopkins-Projekt mit 5.900 Hektar

Powermax Minerals Aktie: Hopkins-Projekt mit 5.900 Hektar

News ·
Siemens Energy Aktie: 154 Milliarden Euro Auftragsbestand

Siemens Energy Aktie: 154 Milliarden Euro Auftragsbestand

News ·

Weitere Artikel zu Asml

Alle Artikel anzeigen
ASML: High-NA-EUV verschoben bis 2029

ASML: High-NA-EUV verschoben bis 2029

News ·
ASML: Goldman setzt Kursziel auf 1.600 Euro

ASML: Goldman setzt Kursziel auf 1.600 Euro

News ·
ASML: 600 Milliarden Dollar KI-Investitionen treiben Nachfrage

ASML: 600 Milliarden Dollar KI-Investitionen treiben Nachfrage

News ·
ASML: MATCH Act droht DUV-Verkaufsverbot nach China

ASML: MATCH Act droht DUV-Verkaufsverbot nach China

Earnings ·
ASML: SK Hynix ordert 7,9 Milliarden Dollar EUV

ASML: SK Hynix ordert 7,9 Milliarden Dollar EUV

Industrie ·