Tesla startet FSD in China, Stellantis kämpft um Vertrauen — Deutz und Steyr liefern

Tesla startet autonomes Fahren in China, Stellantis präsentiert Sanierungsplan. Deutz und Steyr Motors profitieren von Rüstungs- und Energieaufträgen.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Tesla FSD nun in China verfügbar
  • Stellantis mit neuem Strategieplan
  • Deutz meldet Auftragssprung von 41 Prozent
  • Steyr Motors mit Aufträgen bis 2030

Teslas autonomes Fahrsystem erreicht endlich den wichtigsten EV-Markt der Welt. Am selben Tag präsentiert Stellantis seinen Investoren einen Masterplan für die Zeit nach dem Milliardenverlust. Zwei Großereignisse an einem Donnerstag — und drei weitere Auto-Aktien, die ihre eigene Geschichte schreiben.

Tesla: FSD-Start in China als Wettlauf gegen die Zeit

Das „Full Self-Driving“-System ist ab sofort für Tesla-Fahrzeuge in China verfügbar. Die Nachricht kam am Donnerstag über den offiziellen X-Account des Unternehmens — wenige Tage nach Elon Musks Peking-Besuch, der mit einer Staatsvisite von US-Präsident Donald Trump zusammenfiel.

Der Haken: Eine vollständige regulatorische Freigabe, die das System auf alle berechtigten Fahrzeuge im Land ausrollen würde, steht noch aus. Tesla peilt das dritte Quartal 2026 als realistisches Zeitfenster an. Bislang hatten chinesische Kunden lediglich Zugang zu Autopilot und Enhanced Autopilot — deutlich eingeschränkte Vorstufen.

Die Konkurrenz schläft nicht. Xiaomi, Xpeng, Pony.ai und Baidus Apollo Go haben ihre eigenen autonomen Technologien in den vergangenen Jahren aggressiv weiterentwickelt und auf lokale Straßenverhältnisse zugeschnitten. Tesla betritt den Level-3-Markt in China als Nachzügler.

Die Quartalszahlen stützen dennoch die Investorenlaune: Im ersten Quartal 2026 übertraf der Gewinn pro Aktie mit 0,41 Dollar die Erwartungen um fast 14 Prozent. Der Umsatz lag bei 22,39 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge im Automobilsegment verbesserte sich auf 19,2 Prozent, das Energiespeichergeschäft erreichte eine Rekordmarge von 39,5 Prozent.

An der Börse notiert Tesla bei 358,10 Euro — innerhalb der vergangenen Woche ein Minus von 6,4 Prozent. Der Kurs liegt damit rund 14 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Das geplante Investitionsvolumen von über 25 Milliarden Dollar für 2026 zeigt, wohin die Reise gehen soll: Fabrikausbau, KI-Infrastruktur, Robotaxi und Optimus.

Stellantis: Investor Day nach dem Milliarden-Schock

Zeitgleich mit Teslas China-Offensive präsentierte Stellantis heute ab 14 Uhr seinen neuen Strategieplan — vom Hauptquartier in Auburn Hills, Michigan, unter Führung von CEO Antonio Filosa. Nach einem Nettoverlust von 22,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 und der Streichung der Dividende ist das mehr als ein gewöhnliches Strategy-Update. Es ist ein Vertrauenstest.

Die Q1-Zahlen liefern immerhin erste Lichtblicke:

  • Nettoumsatz von 38,1 Milliarden Euro, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr
  • Rückkehr in die Gewinnzone mit einem Nettoergebnis von 0,4 Milliarden Euro
  • Bereinigtes operatives Ergebnis von 1,0 Milliarden Euro bei einer Marge von 2,5 Prozent
  • Volumenwachstum in allen Regionen, angeführt von Nordamerika

Zehn neue Modelle sind für 2026 geplant, dazu sechs Facelifts. Ein wesentlicher Baustein bleibt die Partnerschaft mit dem chinesischen E-Fahrzeughersteller Leapmotor. Das gemeinsam kontrollierte Joint Venture — 51 Prozent Stellantis, 49 Prozent Leapmotor — vertreibt Leapmotor-Fahrzeuge außerhalb Chinas und bildet einen zentralen Pfeiler der Elektrifizierungsstrategie.

Die Börse bleibt skeptisch. Der Kurs fiel heute um 3,73 Prozent auf 6,22 Euro — ein Minus von 36 Prozent seit Jahresbeginn. Die Aktie notiert mehr als 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Filosa muss liefern, und zwar mit konkreten Margen- und Wachstumszielen, nicht nur mit Zuversicht.

Deutz AG: Auftragsexplosion dank Energie und Rüstung

Deutz hat sich leise, aber wirkungsvoll transformiert. Der Motorenhersteller aus Köln startete 2026 mit einem Auftragseingang von 771 Millionen Euro — ein Sprung von 41,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Konzernumsatz legte um 8,4 Prozent auf 530 Millionen Euro zu, das bereinigte EBIT verbesserte sich um 45,7 Prozent auf 37,3 Millionen Euro.

Ein entscheidender Wachstumstreiber: das neue Energiesegment. Durch die Übernahme von Frerk Aggregatebau Anfang Februar hat Deutz ein global skalierbares Portfolio für dezentrale Energieversorgung aufgebaut. Backup-Stromsysteme für Rechenzentren sind ein boomender Markt — und Deutz ist jetzt mittendrin.

Strategisch fährt das Unternehmen zweigleisig. Verbrennungsmotoren werden nicht aufgegeben, sondern optimiert. In Segmenten wie Landwirtschaft, Bau und Schifffahrt ist Elektromobilität schlicht noch nicht wirtschaftlich. Parallel investiert Deutz in Wasserstoffmotoren, synthetische Kraftstoffe und Hybridlösungen.

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Die Analysten honorieren den Kurs: DZ Bank hob den fairen Wert auf 11,60 Euro an, Berenberg erhöhte das Kursziel sogar auf 13,00 Euro — beide mit Kaufempfehlung. Bei einem aktuellen Kurs von 9,71 Euro sieht der Konsens also deutliches Aufwärtspotenzial. Für das Gesamtjahr erwartet Deutz einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent.

Steyr Motors: Rüstungsaufträge sichern die Zukunft bis 2030

Steyr Motors hat gestern seine Q1-Zahlen vorgelegt — und die eigentliche Stärke liegt nicht im Umsatz, sondern im Auftragsbestand. Der Erlös stieg marginal von 11,5 auf 11,7 Millionen Euro. Geopolitische Spannungen rund um den Iran-Konflikt verschoben größere Aufträge aus Indien und dem Nahen Osten in spätere Quartale. Die Projekte selbst bleiben intakt.

Der Auftragsbestand von 308 Millionen Euro — davon rund 200 Millionen rechtsverbindlich — gibt dem Unternehmen eine außergewöhnliche Umsatzvisibilität bis Ende 2030. Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt für unbemannte Systeme (USVs), wo sich Steyr Motors zunehmend als Technologielieferant positioniert.

Strategisch kommt die Übernahme der dänischen BUKH Group hinzu, die ab dem zweiten Quartal 2026 konsolidiert wird. Sie eröffnet Zugang zu Ausschreibungen und margenstarkem Aftermarket-Geschäft im internationalen Verteidigungs- und Spezialbootmarkt — und erweist sich bereits jetzt als profitabler als erwartet.

Ab der zweiten Jahreshälfte sollen europäische Rüstungsprogramme mit Ausschreibungsvolumina von fast 2.000 Fahrzeugen über mehrere Länder zusätzlichen Schub liefern. Das neu entwickelte M12 Power Unit wird derzeit von europäischen Streitkräften und einem Drohnenhersteller getestet. Die Aktie notiert bei 38,50 Euro und legte heute um 5,6 Prozent zu — ein Zeichen, dass der Markt den Auftragsbestand zunehmend einpreist.

Daimler Truck: Brutales Q1, aber volle Auftragsbücher

Das erste Quartal war für Daimler Truck schmerzhaft. In Nordamerika fielen die Auslieferungen auf 29.432 Fahrzeuge — der niedrigste Stand seit 2010. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf umgerechnet 10,74 Milliarden Dollar, der Nettogewinn brach um 80 Prozent ein. Hauptursache: die zollbedingte Auftragsschwäche aus 2025, als die Trump-Administration neue Handelshemmnisse einführte.

Die Erholungssignale sind allerdings eindeutig. Weltweit stiegen die Bestellungen um 50 Prozent auf 114.043 Lkw und Busse. Allein bei der nordamerikanischen Sparte DTNA legten die Aufträge um 86 Prozent zu. Die Produktion für das zweite Quartal ist vollständig ausgebucht. Der Marktanteil lag bei 37,7 Prozent — Daimler bleibt klarer Marktführer.

Bei einem Kurs von 40,03 Euro liegt die Aktie rund 10 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten beträgt 45,79 Euro, zehn von dreizehn empfehlen den Kauf. Das laufende Aktienrückkaufprogramm signalisiert zusätzliches Management-Vertrauen in die eigene Bewertung.

Fünf Strategien, ein Sektor — und sehr unterschiedliche Risiken

Die fünf Aktien zeigen, wie fragmentiert die Automobilbranche 2026 geworden ist:

  • Tesla setzt auf Autonomie als nächsten Wachstumssprung — muss aber in China gegen etablierte lokale Wettbewerber bestehen
  • Stellantis versucht nach dem teuersten Abschreibungsjahr seiner Geschichte, institutionelles Vertrauen zurückzugewinnen
  • Deutz und Steyr Motors profitieren davon, dass die Energiewende langsamer verläuft als geplant — Verbrennungsmotoren, Rüstung und dezentrale Energieversorgung füllen die Auftragsbücher
  • Daimler Truck steckt im klassischen Zyklusspiel: ein katastrophales Q1, aber steigende Auftragseingänge, die auf eine kräftige Erholung im zweiten Halbjahr deuten

Der gemeinsame Nenner ist Anpassungsfähigkeit. Ob autonomes Fahren, europäische Verteidigungsbudgets, Rechenzentrum-Infrastruktur oder die Gratwanderung zwischen Elektro- und Verbrennerantrieb — jedes dieser Unternehmen wettet auf eine andere Version der automobilen Zukunft.

Entscheidende Wochen für die Branche

Die nächsten 60 Tage werden richtungsweisend. Für Tesla entscheidet sich, ob Pekings Regulierer im dritten Quartal tatsächlich die volle FSD-Freigabe erteilen — ein Schritt, der Millionen potenzieller Fahrzeuge auf einen Schlag aktivieren würde. Bei Stellantis muss der heute präsentierte Strategieplan genug Substanz enthalten, um den freien Fall der Aktie zu stoppen.

Deutz und Steyr Motors stehen vor einem operativ starken zweiten Halbjahr. Verschobene Aufträge, neu konsolidierte Übernahmen und europäische Rüstungsprogramme sollten die Dynamik beschleunigen. Bei Daimler Truck hängt alles davon ab, ob der Auftragsschub sich in echte Gewinnsteigerungen übersetzt — oder ob erneute Zollrisiken die Erholung abwürgen.

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Sektor Industrieunternehmen
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ISIN: DE0006305006 WKN: 630500

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