Texas Instruments und United Rentals auf Rekordjagd — ServiceNow reißt Software-Aktien mit
Starke Quartalszahlen von United Rentals und Texas Instruments treiben Kurse, während ServiceNow den Software-Sektor belastet.

Kurz zusammengefasst
- United Rentals mit Rekordhoch
- Texas Instruments übertrifft Erwartungen
- ServiceNow stürzt ab
- Gemischte Bilanz der Earnings-Saison
Rekordnähe und Schockwellen am selben Tag: Während der S&P 500 am Donnerstag intraday noch ein neues Allzeithoch markierte, schloss er letztlich 0,41 % im Minus. Der Grund für diese Kehrtwende liegt in einer wachsenden Kluft innerhalb des Index. Starke Quartalszahlen aus Industrie und Halbleitern prallten auf einen brutalen Ausverkauf im Enterprise-Software-Segment — und steigende Ölpreise durch stockende US-Iran-Friedensgespräche drückten zusätzlich auf die Stimmung.
Die heutigen Top- und Flop-Performer erzählen die Geschichte dieser Earnings-Saison im Zeitraffer: Wer liefert, wird belohnt. Wer Unsicherheit signalisiert, wird gnadenlos abgestraft.
| Gewinner | Kurs (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|
| United Rentals | 847,60 | +23,6 % |
| Texas Instruments | 241,45 | +19,6 % |
| Molina Healthcare | 149,10 | +14,1 % |
| Verlierer | Kurs (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|
| ServiceNow | 72,60 | -17,4 % |
| Lululemon | 121,20 | -13,2 % |
| Bio-Techne | 44,23 | -11,6 % |
United Rentals: Rechenzentrum-Boom treibt Rekordkurs
Der stärkste Tagesanstieg im gesamten S&P 500 — und das mit einem Unternehmen, das Baumaschinen vermietet. United Rentals sprang um 23,6 % auf 847,60 Euro und erreichte damit ein neues 52-Wochen-Hoch.
Die Zahlen dahinter rechtfertigen die Euphorie: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtumsatz um 7,2 % auf 4,0 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte von 8,86 auf 9,71 US-Dollar — die Wall Street hatte lediglich rund 8,95 US-Dollar erwartet.
Entscheidend war die Nachfragestruktur. Das Management identifizierte Rechenzentrumsbauprojekte als primären Wachstumstreiber, während das Spezialitätensegment mit 14 % Wachstum und 17 organischen Neueröffnungen glänzte. Kommerzielle Projekte und Infrastruktur-Upgrades kompensieren die Schwäche im Wohnungsbau mehr als ausreichend.
Gestärkt durch das Quartal hob United Rentals die Jahresprognose an: Der erwartete Gesamtumsatz liegt nun bei 16,9 bis 17,4 Milliarden US-Dollar. Mehrere Analysehäuser reagierten sofort mit höheren Kurszielen — teilweise über 1.100 US-Dollar. Als Barometer für die gesamte Bau- und Industriekonjunktur sendet das Unternehmen ein unmissverständliches Aufwärtssignal.
Texas Instruments: KI-Hunger beflügelt den Halbleiterriesen
Fast 20 % Kursgewinn an einem einzigen Tag. Texas Instruments lieferte mit seinem Quartalsbericht den Beweis, dass der Halbleiterzyklus an Fahrt gewinnt — und zwar nicht nur im KI-Segment.
Der Umsatz wuchs um 19 % im Jahresvergleich auf 4,8 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von 4,6 Milliarden deutlich. Der verwässerte Gewinn je Aktie legte um 31,3 % zu.
Besonders beeindruckend: Die Breite des Wachstums. Der Industrieumsatz stieg um mehr als 30 %, mit Zuwächsen über alle Sektoren und Regionen hinweg. Im Rechenzentrumsbereich explodierten die Erlöse förmlich — plus rund 90 % gegenüber dem Vorjahr. CEO Haviv Ilan sprach von einer „anhaltenden Beschleunigung in Industrie und Rechenzentren“.
Zusätzlich überraschte Texas Instruments mit einem strategischen Zukauf: Die geplante Übernahme von Silicon Labs soll die globale Führungsposition bei eingebetteter Drahtloskonnektivität ausbauen. Der Ausblick für das zweite Quartal signalisiert mit einem Umsatzziel von 5,0 bis 5,4 Milliarden US-Dollar weiteres Momentum. Mit einem Kurs von 241,45 Euro notiert die Aktie knapp 35 % über ihrem 50-Tage-Durchschnitt — ein Zeichen, wie stark die Neubewertung ausfällt.
Molina Healthcare: Erleichterungsrally nach niedrig gesetzten Erwartungen
Während der Healthcare-Sektor insgesamt leicht nachgab, stach Molina Healthcare mit einem Plus von 14,1 % heraus. Die Aktie profitierte von einem Quartalsbericht, der die gedämpften Erwartungen der Analysten überzeugend übertraf.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,35 US-Dollar — die Konsensschätzungen hatten sich im Bereich von 1,92 bis 2,17 US-Dollar bewegt. Beim Umsatz erreichte Molina 10,8 Milliarden US-Dollar, knapp unter den Erwartungen — ein Detail, das angesichts der Ergebnisqualität kaum ins Gewicht fiel.
Niedrigere medizinische Kosten als befürchtet waren der Haupttreiber. Ebenso wichtig: Molina bestätigte die bisherige Jahresprognose — während zahlreiche Wettbewerber ihre Ausblicke zuletzt kürzen mussten. Das Management stützt sich auf stabile Kostentrends und eine stärkere Fokussierung auf profitable Segmente, insbesondere Dual-Eligible-Mitglieder nach dem Ausstieg aus Medicare Part D.
Zusätzlicher Rückenwind kommt von regulatorischer Seite: Die CMS-Entscheidung für 2027 fiel mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 2,48 % günstiger aus als befürchtet. Trotz des Kursanstiegs notiert Molina noch immer rund 50 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch — die Erholung hat also einen weiten Weg vor sich.
ServiceNow: Software-Schock mit Breitenwirkung
Am anderen Ende des Spektrums steht ServiceNow mit einem Tagesverlust von 17,4 % — der größte Verlierer im gesamten Index. Und der Ausverkauf blieb nicht isoliert: Salesforce, Oracle und Adobe gaben ebenfalls nach, als hätte ServiceNow eine Ansteckungswelle im Software-Sektor ausgelöst.
Dabei waren die nackten Zahlen gar nicht schlecht. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,97 US-Dollar knapp über der Erwartung von 0,96 US-Dollar. Der Umsatz wuchs um 22 % auf 3,77 Milliarden US-Dollar. Das Problem lag im Detail:
- Gegenwind von rund 75 Basispunkten durch verzögerte Großaufträge im Nahen Osten
- Prognose für die Bruttomarge bei 81,5 % — die Wall Street hatte 82,1 % erwartet
- CFO Gina Mastantuono sprach von „etwas mehr inkrementeller Vorsicht“ wegen geopolitischer Risiken
Die Guidance für das Abonnement-Umsatzwachstum von 21 bis 21,5 % auf währungsbereinigter Basis war solide, aber nicht überragend. Für eine Aktie, die mit einer Premiumbewertung gehandelt wurde, reichte das nicht. Seit Jahresbeginn hat ServiceNow damit mehr als 30 % eingebüßt.
Lululemon: CEO-Ernennung löst Vertrauenskrise aus
Keine Quartalszahlen, kein Gewinnschock — bei Lululemon reichte eine Personalie für einen Kurssturz von 13,2 %. Die Ernennung der ehemaligen Nike-Managerin Heidi O’Neill zur neuen CEO stieß bei Anlegern und aktivistischen Investoren gleichermaßen auf Ablehnung.
BTIG-Analystin Janine Stichter brachte die Skepsis auf den Punkt: O’Neills langjährige Amtszeit bei Nike falle genau in die Phase, in der die Marke jene Probleme entwickelte, die nun auch Lululemon plagen. Analysten von Needham und Evercore ISI verwiesen darauf, dass Elliott Investment Management — mit einer Beteiligung von rund einer Milliarde US-Dollar — die Kandidatin Jane Nielsen bevorzugt hatte.
Da O’Neill das Steuer erst im September übernimmt, rechnen Analysten kaum mit einer baldigen Trendwende. Die Aktie markierte mit 121,20 Euro ein neues 52-Wochen-Tief und liegt damit fast 59 % unter ihrem Jahreshöchststand. Bearishe Stimmen betonen, dass Lululemon eine „Show-me“-Geschichte bleibt, bis Innovation und Margenstabilisierung gegen geschätzte Zollbelastungen von rund 220 Millionen US-Dollar bewiesen sind.
Bio-Techne: Stille Erosion vor den Quartalszahlen
Bio-Techne verlor 11,6 % ohne unmittelbaren Nachrichtenkatalysator — ein Muster, das bei dem Life-Sciences-Zulieferer zuletzt häufiger zu beobachten war. Die Aktie notiert bei 44,23 Euro nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief.
Mehrere Faktoren dürften den Rückgang getrieben haben. Evercore ISI hatte bereits Anfang April das Kursziel von 68 auf 54 US-Dollar gesenkt. Händler verzeichneten Mitte April einen ungewöhnlich starken Anstieg bei Put-Optionen — ein Hinweis auf bearishe Positionierung vor den Q3-Ergebnissen am 6. Mai.
Das fundamentale Bild stützt die Zurückhaltung: In den vergangenen zwei Jahren fehlte organisches Umsatzwachstum. Analysten erwarten für das anstehende Quartal einen leichten EPS-Rückgang von 4 % gegenüber dem Vorjahr. Der Druck, über Akquisitionen zu wachsen, steigt — doch genau das kostet Vertrauen in einer Phase, in der Investoren Profitabilität bevorzugen.
Earnings-Saison zwischen Euphorie und Ernüchterung
Das gespaltene Bild dieses Handelstages ist symptomatisch für die gesamte Berichtssaison. Die S&P-500-Gewinnwachstumserwartungen für 2026 wurden seit Jahresbeginn von 14,9 % auf 17,6 % angehoben — das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum zeichnet sich ab.
Die strukturellen Treiber bleiben intakt: KI-getriebene Investitionen befeuern Halbleiter und Industriewerte, während Unternehmen mit vagen Ausblicken oder geopolitischen Abhängigkeiten unter die Räder geraten. Investoren verlassen den Markt nicht — sie positionieren sich um. Ob der heutige Rücksetzer ein gesunder Reset bleibt oder ob die geopolitischen Risiken rund um den Nahost-Konflikt und steigende Ölpreise stärker durchschlagen, hängt maßgeblich von den kommenden Wochen der Berichtssaison ab.
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