The Platform Group Aktie: 55-Prozent-Sturz in 30 Tagen
Trotz Umsatzplus belastet ein Medienbericht über Kreditforderungen die Aktie. Die Hauptversammlung im Juli wird zum Stimmungstest für den Vorstand.

Kurz zusammengefasst
- Aktie erholt sich leicht nach Kursrutsch
- Medienbericht über angebliche Kreditrückforderungen
- Umsatzwachstum von 51 Prozent im ersten Quartal
- AEP-Übernahme: Genehmigung liegt vor
Die Aktie erholt sich heute leicht — plus 3,6 Prozent auf 1,44 Euro. Dieser Anstieg täuscht jedoch nicht darüber hinweg, was dahintersteckt: ein Kursverfall von über 55 Prozent in den vergangenen 30 Tagen und ein handfester Medienstreit, der das Vertrauen der Anleger erschüttert hat.
manager magazin-Bericht trifft ins Mark
Am 12. Juni veröffentlichte das manager magazin einen Bericht unter der Überschrift „Banken wollen ihr Geld von The Platform Group zurück“. Das Unternehmen beauftragte daraufhin die Kanzlei LHR. Diese erklärte, der Bericht enthalte unzutreffende Darstellungen — zu angeblichen Steuerschulden, Bankverbindungen und Kreditverhältnissen. LHR will per gerichtlichem Eilverfahren die Verbreitung beanstandeter Aussagen stoppen. Eine Hauptsacheklage bereiten Unternehmen und Vorstandschef Dr. Dominik Benner parallel vor.
Dass der Kurs trotz starker Quartalszahlen weiter fiel, zeigt die Wucht des Vertrauensschadens. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 51 Prozent auf 243 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte von 15,9 auf 21,8 Millionen Euro. Der Jahresausblick bleibt bestätigt: GMV von 1,7 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA zwischen 70 und 80 Millionen Euro. Die Zahlen konnten den Ausverkauf nicht bremsen.
Am selben Tag, an dem der Artikel erschien, kaufte Benner eigene Aktien zu 1,88 Euro — ein Volumen von rund 19.000 Euro. Die Aktie notiert heute rund 29 Prozent unter seinem Einstiegspreis. Der Markt hat das als Signal nicht gewertet.
AEP-Übernahme: Genehmigung da, Finanzierung offen
Das wichtigste Projekt des Jahres bleibt die geplante Übernahme des Pharmagroßhändlers AEP. Rund eine Milliarde Euro Zusatzumsatz stehen in Aussicht. Die Kartellrechtsgenehmigung liegt vor. Das Closing hat sich bereits mehrfach verzögert — Juni 2026 ist das neue Zieldatum. Die Finanzierungsstruktur aus Eigen- und Fremdkapital prüft das Management noch.
Gelingt der Abschluss, will der Vorstand die Jahresprognose anheben. Das Akquisitionstempo hat er indes bereits gedrosselt: Statt elf Zukäufen pro Jahr plant das Management 2026 nur noch fünf bis sechs. Der Fokus liegt auf Integration und Schuldenabbau. Das Verhältnis von Nettofinanzverbindlichkeiten zu bereinigtem EBITDA soll bis 2030 von aktuell 2,1x auf 1,0x bis 1,4x sinken.
Hauptversammlung am 1. Juli als erster Stresstest
Drei Termine prägen die nächsten Wochen: die Portzamparc BNP Paribas Mid & Small Caps Conference am 25. Juni in Paris, die Hauptversammlung am 1. Juli in Düsseldorf und der Halbjahresabschluss am 20. August.
Die Hauptversammlung wird zum ersten öffentlichen Stresstest für Benner. Er will dort die „Vision 2030″ vorstellen und die neue Segmentstruktur „Pharma & Service Goods“ erläutern. Auf der Agenda stehen außerdem die Schaffung von genehmigtem und bedingtem Kapital sowie die Ermächtigung für Wandel- und Optionsanleihen — Instrumente, die dem Unternehmen Finanzierungsflexibilität sichern sollen. Eine Verkleinerung des Aufsichtsrats soll die Entscheidungswege straffen.
Die Aktie notiert 74 Prozent unter ihrem Februarhoch von 5,60 Euro. Aktionäre werden mehr als strategische Visionen erwarten. Benner muss den Kreditstreit mit belastbaren Fakten aufklären — und konkrete Schritte beim Schuldenabbau liefern.
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