Thomson Reuters Aktie: Supreme Court winkt!?
Thomson Reuters baut KI für Fachinhalte aus, während ein Datenabfluss und die Aktienbewertung für zusätzliche Unsicherheit sorgen.

Kurz zusammengefasst
- ROSS zieht vor den Supreme Court
- KI-Modell kostete 40 Millionen US-Dollar
- Umsatz im zweiten Quartal: 1,95 Milliarden US-Dollar
- Datenabfluss betrifft Gerichte in zwölf US-Bundesstaaten
Der juristische Streit um das Training von KI-Modellen mit Verlagsdaten steuert auf das oberste US-Gericht zu. Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts Third Circuit, wonach die Nutzung von Westlaw-Headnotes durch den Konkurrenten ROSS keine zulässige freie Nutzung („Fair Use“) darstellt, kündigte das unterlegene Unternehmen den Gang vor den Supreme Court an. Für Thomson Reuters steht dabei viel auf dem Spiel: Der Schutz der eigenen Fachinhalte bildet das Fundament der technologischen Zukunftsstrategie.
Eigene Modelle für den Rechts- und Steuerbereich
Um die hauseigenen Bestände wirtschaftlich zu verwerten, setzt der Medien- und Informationskonzern verstärkt auf proprietäre Technologie. Ende August stellte Thomson Reuters das Sprachmodell „Thomson“ vor. Die Entwicklungskosten beliefen sich auf 40 Millionen US-Dollar.
Das Modell wurde gezielt für juristische und steuerliche Facharbeit konzipiert. Als Trainingsgrundlage dienten Inhalte etablierter Informationsdienste wie Westlaw, Practical Law, Checkpoint und Reuters. Bislang flossen weniger als zehn Prozent der verfügbaren Verlagsinhalte in das Training ein. Als erste Anwendung integrierte der Konzern eine Tabellenanalyse in das Produkt CoCounsel Legal.
Stabile Wachstumsraten treffen auf anspruchsvolles Multiple
Operativ untermauern die jüngsten Geschäftszahlen den Ausbau des Geschäfts mit Fachdaten. Im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 1,95 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem währungsbereinigten Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während das organische Plus bei acht Prozent lag.
An den Finanzmärkten sorgt das Bewertungsniveau allerdings für Diskussionen. Börsenkommentator Jim Cramer äußerte sich Ende September zurückhaltend zum Papier. Die Aktie werde mit dem 28-Fachen des Gewinns gehandelt und sei trotz des starken Informationsgeschäfts kein Schnäppchen. Erst ein niedrigeres Bewertungsmultiple und eine höhere Dividendenrendite machten den Titel wieder attraktiver.
Am kanadischen Heimatmarkt beendete die Aktie den Handel am Freitag bei 139,32 CAD. Seit dem Jahresanfang summieren sich die Kursverluste damit auf 23 Prozent.
Datenabfluss bei C-Track sorgt für Unsicherheit
Zusätzlich zur Bewertungsdebatte belasten die Nachwirkungen eines Sicherheitsvorfalls das Umfeld. Thomson Reuters meldete Anfang September einen Datenabfluss im Gerichtsverwaltungssystem C-Track. Ein unbefugter Dritter hatte sich bereits im März Zugriff auf Dateien verschafft, was intern erst Ende Juni entdeckt wurde.
Von dem Vorfall sind Gerichte in mindestens zwölf US-Bundesstaaten, den US Virgin Islands sowie in der kanadischen Provinz Ontario betroffen. Die Untersuchung dauert an, während das genaue Ausmaß noch ermittelt wird. Zu den potenziell kompromittierten Dokumenten gehören neben Sozialversicherungsnummern und Gesundheitsdaten auch vertrauliche sowie gerichtlich versiegelte Akten.
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