Thyssenkrupp Aktie: Calvion startet am 1. Mai

Thyssenkrupp verselbstständigt mit Calvion die grünen Prozesstechnologien. Der Konzernumbau schreitet voran, während die Stahlsanierung stockt.

Dr. Robert Sasse ·
Thyssenkrupp Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gründung der neuen Einheit Calvion
  • Fokus auf Dekarbonisierungslösungen
  • Umsatzrückgang, aber operatives Plus
  • Stahlverkauf an Jindal gestoppt

Thyssenkrupp trennt den nächsten Baustein aus dem Konzernverbund heraus. Aus den nachhaltigen Prozesstechnologien von Polysius wird Calvion — ein kleines Spezialunternehmen mit klarer Mission: Dekarbonisierung für energieintensive Industrie. Der Schritt passt zum Umbau in Richtung Finanzholding, erhöht aber auch den Druck auf das Management.

Calvion bekommt eigenes Profil

Mit Wirkung zum 1. Mai 2026 hat Thyssenkrupp Polysius seine nachhaltigen Prozesstechnologien in die neu gegründete thyssenkrupp Calvion GmbH überführt. Die Einheit sitzt in Ennigerloh und startet mit rund 40 Mitarbeitenden.

Calvion konzentriert sich auf technische Lösungen für Branchen mit hohem Energiebedarf. Im Mittelpunkt stehen Oxyfuel-Anwendungen für die Zementindustrie, Direct Air Capture, grüner Kalk und Phosphogips-Recycling. Damit bündelt Thyssenkrupp ein Geschäft, das stärker als eigenständiger Engineering-Partner auftreten soll.

Polysius selbst schärft damit sein Profil. Künftig liegt der Schwerpunkt stärker auf Einzelmaschinen, Modernisierungen, Ersatzteilen und Felddienstleistungen. Geführt wird Calvion von Lukas Schoeneck, der zuvor das Green-Solutions-Geschäft bei Polysius verantwortete.

Umbau trifft auf Reibung

Für Thyssenkrupp ist die Ausgliederung mehr als eine organisatorische Maßnahme. Der Konzern zerlegt seine Struktur weiter in klarer abgegrenzte Einheiten. Das soll Transparenz schaffen und einzelne Geschäfte beweglicher machen.

Intern sorgt dieser Kurs für Diskussionen. Vor wichtigen Aufsichtsratssitzungen nimmt die Kritik zu, besonders mit Blick auf Mitbestimmung und Tempo des Konzernumbaus. Kein Wunder, dass jeder neue Strukturzug genauer gelesen wird.

Operativ fiel das jüngste Bild gemischt aus. Im zweiten Geschäftsquartal sank der Umsatz um zwei Prozent auf rund 8,4 Milliarden Euro, während das bereinigte operative Ergebnis auf 198 Millionen Euro stieg und die Erwartungen von 132 Millionen Euro deutlich übertraf.

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Bei der Umsatzprognose wird der Vorstand vorsichtiger. Die Erwartung reicht nun von minus 3 Prozent bis zu Null-Wachstum. Finanzchef Axel Hamann verwies auf geopolitische Unsicherheiten und deren Auswirkungen auf internationale Märkte.

Stahl bleibt der schwere Brocken

Die Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe bleibt nach Konzernangaben Ziel des Umbaus. Die Gespräche mit Jindal Steel International über einen Anteilsverkauf wurden jedoch vorerst gestoppt.

Damit muss das Management die Sanierung der Stahlsparte zunächst aus eigener Kraft stemmen. In den kommenden Jahren sollen bis zu 11.000 der rund 26.000 Stellen gestrichen oder ausgelagert werden. Das drückt nicht nur sozial, sondern auch finanziell.

Am Markt hat sich die Aktie zuletzt dennoch deutlich erholt. Am Freitag schloss sie bei 10,55 Euro, auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 3,94 Prozent, über 30 Tage sind es 13,94 Prozent.

Vom 52-Wochen-Tief bei 7,15 Euro liegt der Kurs inzwischen 47,54 Prozent entfernt. Der RSI von 73,0 signalisiert allerdings, dass die kurzfristige Bewegung bereits heiß gelaufen ist.

Die nächsten Wegmarken sind klar: Calvion muss aus Technologiekompetenz belastbares Geschäft machen, während die Stahlsanierung ohne Jindal-Deal vorankommt. Der Kurs honoriert den Umbau bereits teilweise; nach dem starken Ergebnisquartal liegt die operative Messlatte höher.

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Thyssenkrupp Aktie

10,49 EUR

– 0,06 EUR -0,62 %
KGV 41,62
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,44 %
Marktkapitalisierung 6,74 Mrd. EUR
ISIN: DE0007500001 WKN: 750000

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