Thyssenkrupp Aktie: EBIT-Prognose auf 600 Millionen angehoben

Thyssenkrupp hebt EBIT-Prognose an und nähert sich bei Stahlförderung einer Einigung. Aktie erreicht höchsten Stand seit 2018.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Industrieanlage bei Sonnenaufgang zur Symbolisierung von wirtschaftlichem Wachstum (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • EBIT-Prognose auf 600 Millionen Euro angehoben
  • Fortschritte bei Finanzierung des grünen Stahlwerks
  • Aktie erreicht höchsten Stand seit 2018
  • Analysten uneins über weitere Kursentwicklung

Thyssenkrupp hat vor knapp zwei Wochen die Untergrenze seiner Jahresprognose für das bereinigte EBIT angehoben. Statt bislang 500 Millionen Euro rechnet der Konzern nun mit mindestens 600 Millionen Euro, die Obergrenze von 900 Millionen Euro bleibt unverändert. Grundlage war der Quartalsbericht zum dritten Geschäftsquartal 2025/2026, den das Unternehmen am 13. August vorlegte.

Der Umsatz stieg im Berichtsquartal auf 8,8 Milliarden Euro nach 8,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBIT kletterte von 155 Millionen auf 183 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Periodenüberschuss von 34 Millionen Euro stehen. Thyssenkrupp nannte positive Trends in den Bereichen Materials Services, Steel Europe und Marine Systems als Treiber der Entwicklung.

Fortschritte bei der Stahlfinanzierung als zweiter Kurstreiber

Neben den Zahlen selbst sorgte eine zweite Nachricht für Bewegung: Nach Reuters-Angaben steht Thyssenkrupp in fortgeschrittenen Gesprächen mit Brüssel über eine Anpassung des Förderrahmens für das geplante grüne Stahlwerk in Duisburg. Das mit drei Milliarden Euro veranschlagte Projekt soll an veränderte wirtschaftliche Bedingungen angepasst werden. Diese Fortschritte bei der Klärung der Finanzierung nannte Reuters neben der angehobenen Prognose als zentralen Grund für die Kursreaktion.

Für den Konzern insgesamt bleibt das Bild jedoch gemischt: Die präzisierte Jahresprognose sieht weiterhin ein negatives Nettoergebnis zwischen 700 und 400 Millionen Euro vor, der Umsatz soll im Gesamtjahr um ein bis drei Prozent zurückgehen.

Auch beim freien Cashflow vor Übernahmen rechnet Thyssenkrupp mit einem negativen Wert zwischen 600 und 300 Millionen Euro. Die operative Verbesserung im dritten Quartal ändert an dieser grundsätzlichen Ausrichtung wenig, verschiebt aber die Bandbreite nach oben.

Kurs erreicht höchsten Stand seit November 2018

Die Aktie reagierte auf die Nachrichten am 13. August mit einem zeitweisen Kurssprung von bis zu 7,5 Prozent und erreichte laut Reuters den höchsten Stand seit November 2018. Am Freitag legte das Papier um 6,0 Prozent auf 13,44 Euro zu.

Über die vergangenen 30 Tage beträgt das Plus 10 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 44 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,05 Euro, erreicht am 17. August, fehlen der Aktie nur noch 4,4 Prozent.

Auf der Analystenseite bestätigte Jefferies am 13. August die Einstufung Buy mit einem Kursziel von 13,00 Euro nach den Quartalszahlen. JPMorgan hob am 14. August das Kursziel von 12,80 auf 15,00 Euro an, beließ die Einstufung aber bei Neutral.

Die Einschätzungen fallen damit unterschiedlich optimistisch aus: Während Jefferies eine grundsätzlich positive Haltung signalisiert, bleibt JPMorgan trotz höherem Kursziel zurückhaltend bei der Einstufung.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Operative Fortschritte und die absehbare Klärung der Stahlfinanzierung stützen die kurzfristige Kursfantasie, während die Konzernprognose auf Jahressicht weiterhin von roten Zahlen und schrumpfendem Umsatz ausgeht.

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