Thyssenkrupp Aktie: EBIT steigt auf 183 Millionen Euro

Thyssenkrupp überzeugt mit operativer Verbesserung und angehobener Prognose. Analysten sehen weiteres Potenzial durch die geplante Konzernaufspaltung.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Stahlproduktion mit glühendem Metall in einer Industriehalle. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Kursplus von fast fünf Prozent
  • Operatives Ergebnis steigt um 18 Prozent
  • Jahresprognose nach oben präzisiert
  • Zwei Banken erhöhen Kursziele

Ein Kurssprung von fast fünf Prozent am heutigen Mittwoch klingt nach kurzfristiger Euphorie. Für mich steckt hinter dem Anstieg auf 14,40 Euro aber eine handfeste fundamentale Story, die sich über Wochen aufgebaut hat und nicht einfach verpuffen dürfte.

Die Zahlen sprechen für sich

Wer die Entwicklung seit den Quartalszahlen Mitte August verfolgt, erkennt ein Muster: Thyssenkrupp liefert operativ mehr, als der Markt ihm noch vor Monaten zugetraut hat. Das bereinigte EBIT im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 kletterte um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro, nach 155 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Unterm Strich stand ein Nettogewinn von 34 Millionen Euro – nach einem Verlust von 255 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Das ist kein kosmetischer Fortschritt, sondern eine echte Trendumkehr.

Der Konzern hat daraufhin seine Jahresprognose für das bereinigte EBIT präzisiert: Statt der weiten Spanne von 500 bis 900 Millionen Euro gilt nun ein Korridor von 600 bis 900 Millionen Euro.

Die Untergrenze wurde also spürbar angehoben – für mich ein klares Signal, dass das Management der eigenen Wende zunehmend traut. Hinzu kam ein bilanzieller Sondereffekt von 131 Millionen Euro aus dem Verkauf der HKM-Anteile an den Wettbewerber Salzgitter, der das Quartalsergebnis zusätzlich stützte.

Die Transformation nimmt Gestalt an

Was den aktuellen Kursschub aus meiner Sicht besonders trägt, ist nicht allein die Zahlenlage, sondern die fortschreitende Umgestaltung des Konzerns zur Finanzholding unter dem Programm „ACES 2030″.

Die bevorstehende Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis rückt näher und dürfte den Blick der Anleger auf die einzelnen Konzernteile schärfen – ein Sum-of-the-Parts-Argument, das ich für durchaus überzeugend halte.

Auch die Marine-Sparte TKMS liefert Rückenwind: Deren Chef Oliver Burkhard wies Bedenken zu Kapazitätsengpässen beim hohen Auftragsbestand zurück und sprach von kontrolliertem Wachstum. Das nimmt dem Wachstumsnarrativ etwas von seiner Zerbrechlichkeit.

Am 21. August hob die DZ Bank ihre Einstufung von „Hold“ auf „Buy“ und setzte den fairen Wert von 11,00 auf 16,00 Euro herauf. Analyst Dirk Schlamp begründete den Schritt mit den Werthebeln aus der Verselbstständigung von tk accelis und Steel Europe sowie der Beteiligung an TK Elevator.

Einen Tag zuvor, am 20. August, hatte Bank of America ihr Kursziel von 19,00 auf 22,00 Euro angehoben und die „Buy“-Empfehlung bestätigt. Zwei Häuser, zwei unabhängige Bestätigungen der These, dass in der Aufspaltung noch nicht gehobener Wert steckt.

Wo die Vorsicht ansetzen sollte

Ganz ohne Fragezeichen ist die Story für mich trotzdem nicht. Die Prognose für den Konzernumsatz im laufenden Geschäftsjahr sieht weiterhin einen leichten Rückgang von 1 bis 3 Prozent vor – die operative Verbesserung kommt also nicht aus einem wachsenden Kerngeschäft, sondern aus Effizienz, Portfoliobereinigung und Sondereffekten.

Wer das ignoriert und nur auf die Kursrallye der vergangenen Wochen starrt, unterschätzt die Abhängigkeit der Story von der sauberen Ausführung der Aufspaltung.

Mit einem Zuwachs von 55 Prozent seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits einen erheblichen Teil der positiven Erwartungen vorweggenommen. Das bedeutet: Enttäuscht die Umsetzung von ACES 2030 oder verzögert sich die tk-accelis-Abspaltung, könnte die Korrektur ebenso schnell kommen wie der Anstieg.

Mein Fazit

Für mich überwiegen aktuell die Argumente für die Bullen-These: verbesserte operative Zahlen, eine angehobene Ergebnisprognose und zwei namhafte Analystenhäuser, die ihre Kursziele parallel nach oben korrigiert haben. Die Transformation zur Finanzholding gibt dem Konzern eine Struktur, in der einzelne Sparten endlich eigenständig bewertet werden können.

Entscheidend wird sein, ob das Management die angekündigten Schritte – allen voran die tk-accelis-Abspaltung – tatsächlich sauber umsetzt. Der Jahresbericht Anfang Dezember dürfte zeigen, ob die aktuelle Dynamik trägt oder ob der Markt gerade zu viel vorwegnimmt.

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