Thyssenkrupp Aktie: EBIT steigt auf 183 Millionen Euro

Thyssenkrupp erhöht die Jahresziele nach starkem Quartal. Stahl- und Marinesparte liefern Rückenwind, während andere Bereiche weiter schwächeln.

Felix Baarz ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Stahlhütte in atmosphärischer Beleuchtung als Symbol für industrielle Stabilität. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Prognoseanhebung um 100 Millionen Euro
  • Stahl- und Marinegeschäft stark
  • Autoteile- und Dekarbonisierungssparten schwach
  • Aktie nähert sich 52-Wochen-Hoch

Thyssenkrupp hat am Donnerstag die Jahresprognose angehoben und damit die operative Wende in mehreren Sparten bestätigt. Die Untergrenze für das bereinigte EBIT steigt um 100 Millionen Euro auf 600 Millionen Euro, die Obergrenze bleibt bei 900 Millionen Euro.

Die Aktie reagiert am Freitag mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 13,83 Euro und nähert sich damit dem 52-Wochen-Hoch von 14,00 Euro, von dem sie nur noch 1,2 Prozent entfernt notiert.

Stahl und Marine treiben das Ergebnis

Die Zahlen für das dritte Quartal 2025/26 zum 30. Juni liefern die Begründung für den optimistischeren Ausblick. Das bereinigte EBIT kletterte um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro, der Umsatz stieg um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Laut dpa-AFX profitierte vor allem der Materialhandel von steigenden Mengen und Preisen.

Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 34 Millionen Euro, nach einem Verlust von 255 Millionen Euro im Vorjahresquartal – begünstigt auch durch einen bilanziellen Effekt von 131 Millionen Euro aus dem Anfang Juli abgeschlossenen Verkauf der HKM-Anteile an Salzgitter.

Innerhalb des Konzerns zeigt sich ein gemischtes Bild. Thyssenkrupp Steel Europe verbesserte sein Segment-EBIT auf 73 Millionen Euro nach 31 Millionen Euro im Vorjahr – ein deutlicher Fortschritt für die Sparte, die im Mai nach dem endgültigen Scheitern der Übernahmeverhandlungen mit Jindal Steel eine Spin-off-Option prüfte.

Für September ist in London ein Capital Markets Day angesetzt, auf dem die künftige Struktur und das Ertragspotenzial der Stahlsparte vorgestellt werden sollen.

Bei der Marinesparte TKMS zeichnet sich laut dpa-AFX ein noch deutlicheres Wachstum ab als bislang erwartet, das Unternehmen hob am Dienstag zuvor bereits seine eigene Prognose an. Diese Stärke stützt zusammen mit der Stahlsparten-Erholung die Kursreaktion der vergangenen Tage maßgeblich.

Schwächere Sparten bremsen die Gesamtbilanz

Nicht alle Bereiche liefern positive Signale. Bei Automotive Technology sank der Umsatz um 3 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT fiel wegen niedrigerer Volumina und erhöhter Spezialfrachten von 61 auf 38 Millionen Euro.

Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Decarbon Technologies aus: Der Umsatz brach wegen zögerlicher Kundenentscheidungen um 19 Prozent auf 694 Millionen Euro ein. Auch Thyssenkrupp Nucera rechnet wegen des Ausstiegs aus dem SOEC-Geschäft mit einem noch höheren Verlust im laufenden Geschäftsjahr, wie dpa-AFX berichtete.

Die Gemengelage zeigt: Der Konzernumbau trägt in den etablierten Kerngeschäften Früchte, während die auf Zukunftstechnologien ausgerichteten Sparten weiter unter Anlaufschwierigkeiten und schwacher Nachfrage leiden.

Vor gut einer Woche hatte die außerordentliche Hauptversammlung mit einer Zustimmung von 99,99 Prozent der Abspaltung von tk accelis zugestimmt, die über eine gesicherte Kreditlinie von 1,7 Milliarden Euro finanziert wird und 2026 im Prime Standard in Frankfurt notiert werden soll. Aktionäre erhalten dabei eine tk accelis-Aktie für 20 Thyssenkrupp-Aktien. Seit der Entscheidung hat das Papier rund 10 Prozent zugelegt.

Bewertung nach starkem Lauf angespannt

Der jüngste Kursanstieg lässt die Aktie technisch überkauft erscheinen: Der 14-Tage-RSI liegt bei 71,7, ein Wert, der üblicherweise auf eine kurzfristig ambitionierte Bewertung hindeutet. Seit Jahresbeginn hat das Papier um 49 Prozent zugelegt.

Anleger dürften nun genau beobachten, ob der im September geplante Kapitalmarkttag für die Stahlsparte weitere konkrete Impulse liefert, nachdem die operative Story bereits einen großen Teil der jüngsten Rally getragen hat.

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