Thyssenkrupp Aktie: HKM-Verkauf an Salzgitter bis 1. Juni

Thyssenkrupp treibt den Konzernumbau voran. Der geplante HKM-Verkauf an Salzgitter wird zum nächsten wichtigen Prüfstein für die neue Strategie.

Redaktion Stock-World ·
Thyssenkrupp Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Bereinigtes EBIT springt auf 198 Millionen Euro
  • HKM-Verkauf an Salzgitter geplant
  • Umsatz sinkt um zwei Prozent
  • TK Elevator-Deal bringt Milliardenzufluss

Thyssenkrupp geht mit Rückenwind in eine Woche, die mehr liefern kann als reine Kursbewegung. Der Konzern treibt den Umbau zur Finanzholding voran. Der geplante Verkauf der HKM-Anteile wird dabei zum nächsten konkreten Prüfstein.

Am Freitag schloss die Aktie bei 10,85 Euro und legte am Tag um 1,36 Prozent zu. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 22,68 Prozent. Die jüngste Erholung ist damit stark, aber sie erhöht auch die Erwartungen an operative Fortschritte.

Ergebnis springt an, Umsatz bleibt schwach

Die Halbjahreszahlen stützen die Umbau-These. Das bereinigte EBIT sprang von 19 auf 198 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem kleineren Anstieg gerechnet.

Beim Umsatz zeigt sich ein anderes Bild. Die Erlöse sanken um zwei Prozent auf knapp 8,4 Milliarden Euro. Das schwierige Umfeld bleibt damit spürbar.

Für 2025/26 senkte Thyssenkrupp den Umsatzausblick. Der Konzern rechnet nun mit einem Rückgang von bis zu drei Prozent oder mit Erlösen auf Vorjahresniveau.

Beim Ergebnis bleibt die Spanne breit. Das Management peilt ein bereinigtes EBIT zwischen 500 und 900 Millionen Euro an. Die Restrukturierung kostet aber weiter Geld.

Unterm Strich erwartet Thyssenkrupp Verluste zwischen 400 und 800 Millionen Euro. Genau hier liegt der Kernkonflikt: operativ gibt es Fortschritte, bilanziell bleibt der Umbau schmerzhaft.

HKM-Verkauf wird zum Wochenereignis

Im Stahlgeschäft steht der nächste Portfolioschritt an. Thyssenkrupp will seine HKM-Anteile an Salzgitter verkaufen. Den Abschluss strebt der Konzern zum 1. Juni an.

Nach den gescheiterten Gesprächen mit Jindal Steel soll der Deal überschüssige Kapazitäten senken. Konzernchef López sieht darin einen wichtigen Schritt, um das Stahlgeschäft wettbewerbsfähiger aufzustellen.

Rückenwind kommt auch aus Brüssel. Mitte Mai 2026 billigte das EU-Parlament strengere Stahlimportregeln. Die zollfreien Importmengen für bestimmte Kategorien sollen auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr sinken.

Das liegt rund 47 Prozent unter den bisherigen Werten. Für Mengen oberhalb der Grenze soll der Strafzoll auf 50 Prozent steigen. Für europäische Stahlhersteller wäre das ein Schutzsignal mit direkter Ergebnisrelevanz.

Automotive wird gestrafft

Auch in der Automotive-Sparte geht der Konzern weiter an die Kostenbasis. Thyssenkrupp will den Presta-Standort in Terre Haute bis spätestens Ende März kommenden Jahres schließen. Rund 230 Mitarbeiter verlieren dort ihren Arbeitsplatz.

Die Produktion von Chassis-Komponenten wandert nach Hamilton in Ohio. Das Ziel: eine schlankere Struktur und bessere Erträge. Am Ende soll die Sparte kapitalmarktfähig werden.

Nordamerika bleibt dennoch wichtig. Die Region erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro. Thyssenkrupp zieht sich also nicht aus dem Markt zurück, sondern bündelt die Fertigung.

TK Elevator bringt Fantasie

Ein weiterer Hebel liegt bei TK Elevator. Kone übernimmt den Aufzughersteller von Cinven und Advent. Die Transaktion bewertet die frühere Thyssenkrupp-Sparte mit 29,4 Milliarden Euro inklusive Schulden.

Der Abschluss soll frühestens im zweiten Quartal 2027 erfolgen. Thyssenkrupp hält noch 16,2 Prozent an TK Elevator. Laut JPMorgan entspricht dieser Anteil rund 3,27 Milliarden Euro.

Die Bank erwartet eine Aufteilung in 800 Millionen Euro Bargeld und Kone-Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Euro. Das wäre ein erheblicher Liquiditätszufluss für den Konzern. Kurzfristig bleibt der Effekt aber abhängig vom Deal-Vollzug.

Auch TKMS stabilisiert das Portfolio. Der Auftragseingang legte dank Großaufträgen im Marineschiffbau um knapp ein Drittel auf 10,6 Milliarden Euro zu. Damit liefert die Sparte einen Gegenpol zu den Baustellen im Stahl- und Autogeschäft.

Bis zum 1. Juni zählt nun vor allem der HKM-Verkauf. Kommt der Abschluss wie geplant, gewinnt der Umbau an Glaubwürdigkeit. Verzögerungen würden die starke Kursreaktion der vergangenen Wochen dagegen empfindlicher machen.

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