Thyssenkrupp Aktie: Licht und Schatten

Thyssenkrupp meldet einen neuen Nachhaltigkeitsvertrag mit Henkel, während gleichzeitig massive Importe die Elektroband-Sparte lahmlegen und den Aktienkurs auf ein Jahrestief drücken.

Redaktion Stock-World ·
Thyssenkrupp Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Neuer Liefervertrag für CO₂-reduzierten Verpackungsstahl mit Henkel
  • Importflut führt zu Produktionsstopps und bedroht 1.200 Arbeitsplätze
  • Aktienkurs notiert auf neuem 52-Wochen-Tief bei 7,10 Euro
  • Unternehmen fordert Handelsschutzmaßnahmen von der EU

Thyssenkrupp sendet dieser Tage zwei gegensätzliche Signale: Auf der einen Seite ein Nachhaltigkeitserfolg im Verpackungsstahlsegment, auf der anderen eine sich zuspitzende Importkrise, die Produktionsstandorte lahmlegt und Tausende Jobs bedroht. Der Aktienkurs spiegelt vor allem Letzteres wider — gestern schloss die Aktie auf ihrem 52-Wochen-Tief von 7,10 Euro.

Henkel setzt auf CO₂-reduzierten Stahl aus Andernach

Thyssenkrupp Rasselstein, der einzige deutsche Weißblechhersteller, hat mit Henkel einen neuen Liefervertrag für seinen bluemint®-Verpackungsstahl abgeschlossen. Henkels europäische Weißblechdosen für Kleb- und Dichtstoffe der Marke Tangit werden künftig aus diesem Material gefertigt — und stoßen dabei 62 Prozent weniger CO₂ aus als konventionelles Weißblech. Möglich wird das durch den Einsatz von aufbereitetem Stahlschrott im Hochofenprozess. TÜV SÜD und DNV haben die Emissionswerte extern zertifiziert.

Das ist ein vorzeigbares Ergebnis. Allerdings reicht ein Nachhaltigkeitsprojekt allein nicht aus, um die strukturellen Probleme an anderer Stelle zu überdecken.

Importflut trifft Elektroband-Sparte

Die Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Electrical Steel kämpft mit massivem Importdruck. Seit 2022 haben sich die Einfuhren von kornorientiertem Elektroband in die EU verdreifacht — der Importanteil am europäischen Marktvolumen liegt mittlerweile bei über 50 Prozent. Die Folge: weitreichende Produktionskürzungen.

Nachdem der Standort Isbergues bereits seit Januar nur mit halber Kapazität läuft, wird er von Juni bis September vollständig geschlossen. Rund 600 Beschäftigte dort sollen staatliche Unterstützung aus Frankreich erhalten. Insgesamt sind etwa 1.200 Arbeitsplätze von der Entwicklung betroffen.

Das Produkt selbst ist strategisch bedeutsam: Kornorientiertes Elektroband steckt in Transformatoren für Umspannwerke und Windkraftanlagen — ohne es läuft die Energiewende nicht. In Europa gibt es laut Unternehmensangaben nur noch zwei Hersteller. Thyssenkrupp fordert deshalb wirksamen Handelsschutz und befindet sich nach eigenen Angaben im Dialog mit der EU-Kommission.

Aktie auf neuem Tief

Die operative Lage drückt auf den Kurs. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 27 Prozent verloren und notiert weit unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 10,02 Euro. Zusätzlichen Gegenwind liefert der breitere Stahlmarkt: Die Nachfrage aus dem Automobilsektor schwächelt, deutsche Autoexporte nach China sind seit 2022 um mehr als 54 Prozent eingebrochen.

Kurzfristig hängt viel davon ab, ob die EU-Kommission mit konkreten Handelsschutzmaßnahmen reagiert. Ohne politische Flankierung dürfte der Druck auf die Elektroband-Sparte — und damit auf die Gesamtrechnung des Konzerns — anhalten.

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Thyssenkrupp Aktie

14,87 EUR

– 0,46 EUR -2,97 %
KGV 33,03
KUV 0,30
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,96 %
Marktkapitalisierung 9,25 Mrd. EUR
Ø Kursziel 16,38 EUR
ISIN: DE0007500001 WKN: 750000

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