Thyssenkrupp Aktie: Materials Services vor Aufsichtsrats-Entscheidung
Thyssenkrupp-Aktie zeigt nach deutlichem Jahresplus technische Abkühlung. Entscheidende Weichenstellungen in dieser Woche erwartet.

Kurz zusammengefasst
- Aktie mit 17,5 Prozent Jahresplus
- RSI signalisiert abgekühltes Momentum
- Entscheidung über Materials Services steht an
- EU senkt Stahl-Einfuhrquoten drastisch
11,37 Euro standen am Freitag auf dem Ticker – minus 3,28 Prozent an einem Tag. Die Thyssenkrupp-Aktie hat in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt, jetzt setzt Verschnaufpause ein. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf 17,50 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 31,88 Prozent. Doch der jüngste Wochenverlust von 3,03 Prozent signalisiert: Der Aufwärtsimpuls verliert an Kraft.
Technisches Bild: Bullisch, aber abgekühlt
Die gleitenden Durchschnitte sprechen eine klare Sprache. Die Aktie notiert mit 16,78 Prozent Abstand deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt (9,73 Euro), auch zum 200-Tage-Durchschnitt (10,03 Euro) beträgt der Abstand noch 13,27 Prozent. Alle drei SMA-Linien liegen eng beieinander und bilden ein Unterstützungscluster zwischen 9,73 und 10,03 Euro.
Der RSI (14 Tage) liegt bei 58,8 – neutral, leicht erhöht, aber klar unter der Überkauft-Schwelle von 70. Das Momentum hat sich nach der Mai-Rally merklich abgekühlt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 56,05 Prozent zeigt: Thyssenkrupp bleibt ein zyklischer Wert, der auf Nachrichten empfindlich reagiert.
Die erste relevante Unterstützung liegt bei 10,93 Euro (20-Tage-Durchschnitt). Darunter folgt das SMA-Cluster. Das 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro markiert den nächsten großen Widerstand – aktuell 14,19 Prozent entfernt.
Der Juni wird zum Schicksalsmonat
Das Chartbild lässt sich nicht ohne die fundamentalen Weichenstellungen lesen, die diese Woche anstehen.
Der Aufsichtsrat soll über die Zukunft der Materials Services-Sparte entscheiden – einem Bereich mit rund 11,4 Milliarden Euro Jahresumsatz. Optionen: Abspaltung, Börsengang oder vollständiger Verkauf.
Parallel dazu kommt Rückenwind aus Brüssel. Die EU senkt die zollfreien Einfuhrquoten für Stahl auf 18,3 Millionen Tonnen jährlich – knapp 47 Prozent weniger als 2024. Überschreitungen werden künftig mit 50 statt 25 Prozent Zoll belegt. Die formelle Zustimmung des Rates gilt nach abgeschlossenem Trilogverfahren als Formsache.
Hinzu kommt die Marinesparte TKMS: Die 51-Prozent-Beteiligung verzeichnete per Ende März einen Rekord-Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro – langfristige Planbarkeit jenseits des zyklischen Stahlgeschäfts.
Zwischen SMA-Cluster und 52-Wochen-Hoch
Thyssenkrupp befindet sich charttechnisch in einer gesunden Konsolidierung. Der RSI bei 58,8, die Überperformance gegenüber allen Durchschnitten und die hohe Volatilität deuten auf eine Atempause hin. Die entscheidende Marke für die Handelswoche: der Bereich um 10,93 Euro. Hält diese Unterstützung, bleibt die übergeordnete Trendstruktur intakt.
Positive Überraschungen bei der Materials Services-Entscheidung oder beim Stahlzoll-Beschluss könnten den Kurs Richtung 13,24 Euro treiben. Enttäuschungen dagegen würden das SMA-Cluster als Belastungstest fordern.
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