Thyssenkrupp Aktie: Stahl-Abspaltung als Plan B?

Der Stahlverkauf kommt vorerst nicht infrage; Analysten bestätigen Kaufurteile trotz gesenkter Kursziele und fairer Werte.

Eduard Altmann ·
Industrielle Stahlproduktion bei Dämmerung in einer Gießerei mit atmosphärischer Beleuchtung (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Stahl-Abspaltung wird derzeit vorbereitet
  • Verkauf scheidet nach gescheiterten Partnerschaftsversuchen zunächst aus
  • Uhde erhält Auftrag für eine FEED-Studie
  • Zwei Banken senken ihre Bewertungsmarken

Die Stahlpläne verschieben den Anlagefokus

Thyssenkrupp bereitet die Stahlsparte als nächsten Bereich für eine mögliche Abspaltung vor. Für Anleger rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob der Konzernumbau auch ohne einen Verkauf dieses Geschäfts vorankommen kann.

Vorstandschef Miguel López sagte Reuters am 28. Oktober, ein Verkauf komme angesichts gescheiterter Partnerschaftsversuche zunächst nicht infrage. Die Vorbereitung einer Abspaltung eröffnet einen anderen Weg. Sie ist aber noch keine vollzogene Trennung.

Die Entscheidung für Anleger lautet deshalb nicht einfach, ob weitere Konzernteile eigenständig werden könnten. Entscheidend ist, welche wirtschaftliche Perspektive dieser Weg für Thyssenkrupp bietet. Die Ankündigung allein beantwortet das nicht. Sie macht allerdings deutlich, woran sich weitere Fortschritte beim Umbau messen lassen müssen: an der Konkretisierung des Stahlvorhabens und nicht allein an der Zahl organisatorischer Veränderungen.

Entscheidend wird die Ausgestaltung der Trennung

Der zentrale Faktor ist die Ausgestaltung einer möglichen Stahl-Abspaltung. López hat die Vorbereitung benannt, nicht deren Abschluss. Daraus lässt sich weder eine endgültige Beteiligungsstruktur noch ein wirtschaftlicher Vorteil für die Aktionäre ableiten. Eine Analyse muss daher zwischen strategischer Richtung und belegtem Ergebnis unterscheiden.

Einen Vergleichspunkt liefert die vor gut einer Woche vollzogene Abspaltung von tk accelis. Thyssenkrupp blieb dabei mit 51 % Mehrheitsaktionärin. Dieser Schritt zeigt, dass eine Abspaltung nicht zwangsläufig den vollständigen Rückzug aus einem Geschäft bedeutet. Für die Stahlsparte lässt sich daraus jedoch keine identische Konstruktion ableiten.

Für Anleger zählt folglich weniger das Etikett „Abspaltung“ als die konkrete Struktur. Erst weitere Aussagen dazu würden erlauben, den geplanten Schritt wirtschaftlich genauer einzuordnen. Bis dahin bleibt die Vorbereitung ein strategisches Vorhaben und kein bereits realisierter Wertbeitrag.

Kaufurteile lassen Raum für ein positives Szenario

Das positive Szenario wäre ein nachvollziehbar ausgestalteter Stahlumbau, während andere Konzernbereiche operative Aufträge gewinnen. Einen solchen Auftrag meldete thyssenkrupp Uhde am Donnerstag: CF Industries beauftragte das Unternehmen mit einer FEED-Studie für eine geplante Anlage zur Aufbereitung von Harnstofflösung in Courtright im kanadischen Ontario.

Der Auftrag ist ein konkreter operativer Fortschritt. Er betrifft allerdings eine Studie und darf nicht mit einem Auftrag für den Bau der geplanten Anlage gleichgesetzt werden. Für das positive Szenario zählt er als eigenständige Geschäftsnachricht neben den Strukturthemen, nicht als Beweis für deren Erfolg.

Auch die jüngsten Analystenaktionen enthalten weiterhin eine positive Grundhaltung. Deutsche Bank Research senkte am Donnerstag das Kursziel von 18 auf 17 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Bastian Synagowitz begründete die Anpassung mit der vollzogenen Abspaltung von TK Accelis.

Die Bewertungskorrektur ging damit nicht mit einem Wechsel zu einem negativen Anlageurteil einher. Das stützt eine konstruktive Lesart, ersetzt aber keine weiteren Fortschritte beim Stahlvorhaben.

Gescheiterte Partnerschaftsversuche begrenzen die Optionen

Das ernsthafte Gegenargument liegt in der Ausgangslage der Stahlpläne. Nach López’ Aussage scheidet ein Verkauf angesichts gescheiterter Partnerschaftsversuche zunächst aus. Die Vorbereitung einer Abspaltung folgt damit nicht auf einen erfolgreichen Verkaufsprozess. Anleger sollten sie deshalb nicht automatisch als wirtschaftlich überlegene Lösung betrachten.

Zusätzlich senkte die DZ Bank am Donnerstag den fairen Aktienwert von 16 auf 15 Euro. Die Einstufung blieb bei „Kaufen“. Beide Analystenhäuser verbanden ihre positiven Urteile somit mit niedrigeren Bewertungsmarken.

Das ist keine gemeinsame Begründung für die Anpassungen. Es verdeutlicht aber, warum Kaufurteile allein das Risiko nicht aufheben. Im ungünstigen Szenario bleibt die Stahl-Abspaltung lange vor allem ein Vorbereitungsthema.

Dann müsste die operative Entwicklung stärker tragen, während der erwartete Nutzen weiterer Strukturmaßnahmen noch nicht konkret beurteilt werden kann. Der Uhde-Studienauftrag wäre dafür ein einzelner Baustein, kein umfassender Gegenbeleg.

Weitere Konkretisierung wäre der nächste Prüfstein

Solange die Vorbereitung der Stahl-Abspaltung vorankommt und operative Aufträge hinzukommen, bleibt ein konstruktives Szenario für den Umbau plausibel. Sollte sich die wirtschaftliche Ausgestaltung dagegen als wenig überzeugend erweisen, müsste die positive Lesart neu bewertet werden. Die bloße Aussicht auf eine weitere Abspaltung reicht dafür nicht als Absicherung.

Der nächste strategische Katalysator wären konkrete Angaben zur vorbereiteten Stahl-Abspaltung. Operativ bleibt die beauftragte FEED-Studie ein klar abgegrenztes Projekt, dessen weitere Entwicklung Anleger verfolgen können.

Entscheidend ist dabei die Trennung der Ebenen: Ein Studienauftrag belegt Geschäftstätigkeit, eine Abspaltung verändert die Konzernstruktur. Ob daraus ein überzeugenderes Gesamtbild entsteht, muss sich an den jeweiligen Ergebnissen zeigen.

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