Thyssenkrupp Aktie: Umbau unter Druck

Thyssenkrupps Transformation steht unter Zeitdruck: Der Verkauf der Stahlsparte läuft parallel zu harten operativen Zielen für Materials Services, während die Aktie auf Fortschritte wartet.

Kurz zusammengefasst:
  • Exklusive Verkaufsgespräche für Stahlsparte mit Jindal
  • Materials Services muss bis März Ergebnisse verbessern
  • Operatives EBIT stieg, doch Konzern schreibt Nettoverlust
  • Aktienkurs notiert deutlich unter 50-Tage-Durchschnitt

Thyssenkrupp taktet seine Transformation so eng wie lange nicht mehr. Parallel laufen exklusive Gespräche über den möglichen Verkauf der Stahlsparte – und bei Materials Services muss bis Ende März spürbar mehr operativ hängen bleiben. Genau dieser Doppel-Druck prägt derzeit auch die Stimmung rund um die Aktie: Fortschritte ja, aber teuer erkauft.

Zwei Baustellen, ein Terminfenster

Im Zentrum stehen zwei Prozesse, die zeitlich unangenehm überlappen. Erstens: Bei Thyssenkrupp Steel Europe läuft die Due Diligence in den exklusiven Gesprächen mit Jindal Steel International. Zweitens: Materials Services soll im laufenden zweiten Geschäftsquartal (endet Ende März) bessere Ergebnisse liefern – denn daran knüpft das Management konkrete Strukturentscheidungen.

Thyssenkrupp

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Warum ist das so wichtig? Materials Services ist nicht irgendein Randgeschäft. Die Einheit kommt laut Konzernangaben auf 11,4 Mrd. Euro Jahresumsatz (GJ 2024/25) und damit auf mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes. Sie ist zugleich der Hebel für mehrere Optionen: Abspaltung, Börsengang oder kompletter Verkauf. Ein IPO wird als Möglichkeit für Herbst 2026 genannt. Zusätzlich steht eine Umwandlung in eine KGaA im Raum, um bei späteren Anteilsverkäufen mehr Kontrolle zu behalten.

Die Botschaft ist klar: Ohne überzeugendere operative Performance wird daraus kein attraktives Paket für Investoren.

Stahl: Fortschritte – und ein Dämpfer beim Wasserstoff

Bei Steel Europe verweist der Konzern auf bereits erreichte Meilensteine: Ein Tarifvertrag zur Stahl-Neuausrichtung wurde im Dezember 2025 abgeschlossen. Im Februar 2026 folgte ein Term Sheet mit Salzgitter zur Zukunft von HKM. Die Übertragung der Thyssenkrupp-HKM-Anteile an Salzgitter ist für den 1. Juni 2026 geplant.

Gleichzeitig zeigt sich, wie steinig der Pfad in Richtung „grüner“ Produktion bleibt. Ein zentrales Ausschreibungsverfahren für die Lieferung von grünem Wasserstoff wurde ausgesetzt, weil die eingereichten Preise laut Unternehmen alle wirtschaftlich vertretbaren Berechnungen überstiegen. Das zwingt Thyssenkrupp, die Strategie zu überdenken und erneut in Verhandlungen mit staatlichen Stellen zu gehen.

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Positiv: Ab 2026 soll BMW CO₂-reduzierten bluemint® recycled Stahl für die Serienproduktion des iX3 beziehen. Genannt werden TÜV-Süd-verifizierte Einsparungen von 0,75 Tonnen CO₂ pro Tonne Warmband.

Zahlenbild: operativ besser, unterm Strich rot

Die Q1-Zahlen 2025/26 bleiben widersprüchlich. Operativ ging es voran: Das bereinigte EBIT stieg um 10% auf 211 Mio. Euro, gestützt durch das APEX-Effizienzprogramm. Gleichzeitig stand ein Nettoverlust von 334 Mio. Euro in den Büchern. Haupttreiber war eine Restrukturierungsbelastung von 401 Mio. Euro bei Steel Europe. Der Umsatz sank um 8% auf 7,2 Mrd. Euro – belastet durch schwächere Nachfrage und Preiseffekte.

Für das Gesamtjahr 2025/26 erwartet Thyssenkrupp ein bereinigtes EBIT von 500 bis 900 Mio. Euro, getragen von laufenden Restrukturierungen und weiteren APEX-Schritten.

Aktie: Schwäche trotz Meilensteinen

An der Börse kommt die eng getaktete Umbaustory derzeit nur begrenzt an. Die Aktie liegt heute bei 9,48 Euro (-0,59%) und hat in den letzten 7 Tagen 9,42% verloren. Auffällig: Der Kurs notiert klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,71 Euro – ein Signal, dass der Markt die nächsten Etappen erst bestätigt sehen will.

Was muss Thyssenkrupp jetzt liefern, damit aus der Umbau-Story wieder Vertrauen wird? Vor allem messbare Fortschritte bei Materials Services bis Quartalsende – und mehr Klarheit, wie es bei Steel Europe nach der laufenden Prüfung mit Jindal weitergeht.

Der nächste harte Termin steht bereits: Am 12. Mai 2026 folgt der Halbjahresbericht. Dann dürften Investoren vor allem den Stand der Jindal-Gespräche, die März-Ergebnisse bei Materials Services und die planmäßige HKM-Übertragung zum 1. Juni 2026 abgleichen.

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