Thyssenkrupp: Isbergues-Werk von Juni bis September dicht
Thyssenkrupp schließt ein Werk für Elektroband, während der Aktienkurs steigt. EU-Schutzmaßnahmen kommen zu spät, um die Produktion zu retten.

Kurz zusammengefasst
- Barclays senkt Kursziel auf 9,00 Euro
- Komplettabschaltung des Werks Isbergues ab Juni
- EU-Importregeln treten erst im Juli 2026 in Kraft
- Potenzial durch Verkauf von TK-Elevator-Anteilen
Starke Wochengewinne, ein gesenktes Kursziel und eine EU-Einigung, die zu spät kommt — bei Thyssenkrupp laufen Kurs und Realität gerade in verschiedene Richtungen.
Barclays bleibt skeptisch, Markt reagiert anders
Barclays hat das Kursziel für Thyssenkrupp von 9,50 auf 9,00 Euro gesenkt. Die Einstufung bleibt „Underweight“. Die Bank erwartet zwar eine leichte Verbesserung der Stahlzahlen im ersten Quartal — warnt aber vor geopolitischen Risiken im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf die Nachfrage.
Der Markt sieht das anders. Die Aktie legte in der vergangenen Woche über acht Prozent zu und notiert aktuell bei 8,93 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro ist der Kurs allerdings noch weit entfernt.
Isbergues: Komplettabschaltung ab Juni
Das eigentliche Problem sitzt tiefer. Thyssenkrupp Electrical Steel stellt kornorientiertes Elektroband her — ein Spezialstahl für Transformatoren, Umspannwerke und Windkraftanlagen. In Europa produzieren laut Unternehmensangaben nur noch zwei Hersteller dieses Material.
Genau dieser Markt steht unter massivem Druck. Die Importmengen in die EU haben sich seit 2022 verdreifacht und decken inzwischen mehr als die Hälfte des europäischen Marktvolumens ab. Thyssenkrupp reagiert: Der Standort Isbergues wird von Juni bis September komplett abgeschaltet. Rund 1.200 qualifizierte Arbeitsplätze in Gelsenkirchen und Isbergues stehen unter Druck.
EU-Schutzmaßnahmen kommen zu spät
Mitte April einigten sich EU-Mitgliedstaaten auf schärfere Importregeln. Die zollfreie Einfuhrmenge soll auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr sinken. Importe darüber hinaus sollen mit 50 Prozent Zoll belegt werden. Stahlaktien reagierten positiv.
Das Timing ist das Problem. Neue Regeln treten frühestens zum 1. Juli 2026 in Kraft. Der Produktionsstopp in Isbergues beginnt bereits im Juni. Thyssenkrupp drängt die EU-Kommission auf frühere Safeguards — wirksamen Schutz gibt es bislang nicht.
TK Elevator und der Halbjahresbericht als nächste Wegmarken
Ab dem 22. April tritt Thyssenkrupp in die Ruhephase vor dem Halbjahresbericht ein. Am 12. Mai legt der Konzern Zahlen vor — ein wichtiger Test für den Stand der Restrukturierung.
Parallel wartet ein potenzieller Werthebel. Die Finanzinvestoren Cinven und Advent planen für die zweite Jahreshälfte 2026 den Exit bei TK Elevator. Der Aufzugsbauer könnte mit bis zu 25 Milliarden Euro bewertet werden. Thyssenkrupp hält noch gut 16 Prozent der Anteile. Erlöse daraus könnten in den Schuldenabbau und die Umrüstung auf grüne Stahlproduktion fließen.
Langfristig gilt der Markt für Elektroband als wachstumsstark — Studien zufolge verdreifacht sich der globale Bedarf bis 2050. Ob das reicht, um die kurzfristigen Belastungen zu überbrücken, zeigt sich spätestens am 12. Mai.
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