Tilray Aktie: 915,5 Millionen Rekordumsatz, aber Guidance enttäuscht

Tilray überzeugt mit Rekordumsatz, enttäuscht aber mit Prognose für 2027. Analysten reagieren gespalten, die Aktie steigt dennoch.

Dr. Robert Sasse ·
Tilray Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordumsatz von 915,5 Millionen Dollar
  • Analystenurteile stark gespalten
  • Schwache Prognose für 2027
  • Aktie steigt trotz Verlusten

Selten fallen Analystenurteile zu einer Aktie so weit auseinander wie am Freitag bei Tilray Brands. TD Securities hob seine Einstufung für den Cannabis- und Getränkekonzern auf „Strong Buy“ an – am selben Tag stufte Wall Street Zen den Titel von „Hold“ auf „Sell“ herab. Dazwischen bestätigte Jefferies sein „Buy“, senkte aber das Kursziel auf 19 US-Dollar. Der Analystenkonsens liegt derzeit bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 11,00 US-Dollar.

Auslöser der gegensätzlichen Reaktionen sind die frisch vorgelegten Zahlen zum Geschäftsjahr 2026. Tilray meldete einen Rekordumsatz von über 915,5 Millionen US-Dollar, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bruttogewinn stieg um 8 Prozent auf 260,4 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA legte um 11 Prozent auf 61,1 Millionen US-Dollar zu. Der bereinigte Nettogewinn kletterte sogar um 87 Prozent auf 12,2 Millionen US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 57 Prozent auf 0,11 US-Dollar. Die Nettoverschuldung sank auf unter eine Million US-Dollar, die Cash-Position lag bei rund 235 Millionen US-Dollar.

Getränke und Vertrieb treiben das Wachstum

Im vierten Quartal erreichte Tilray einen Umsatz von 281,7 Millionen US-Dollar, ein Zuwachs von 57,2 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal – deutlich über der Konsensschätzung von 246,30 Millionen US-Dollar. Fast 89 Prozent dieses Wachstums stammten aus dem Getränke- und Vertriebsgeschäft: Die Getränkesparte legte um 61 Prozent zu, der Vertrieb um 15 Prozent, während das Cannabisgeschäft nur um 5 Prozent wuchs. Auf das gesamte Geschäftsjahr gerechnet stieg der Vertriebsumsatz um 21 Prozent auf 327,2 Millionen US-Dollar, die Getränkesparte um 6 Prozent auf 254 Millionen US-Dollar.

Unter dem Strich stand dennoch ein deutlicher Verlust: Das Ergebnis je Aktie im vierten Quartal fiel mit minus 0,43 US-Dollar weit schlechter aus als die erwarteten minus 0,01 US-Dollar, der Nettoverlust für das Geschäftsjahr belief sich auf 105,2 Millionen US-Dollar. CEO Irwin Simon ordnete die Entwicklung strategisch ein: „Das nächste Kapitel für Tilray wird nicht von einem einzigen Produkt, einem einzigen Markt oder einem einzigen regulatorischen Ereignis bestimmt.“ Die im Frühjahr abgeschlossene Übernahme der Brauerei BrewDog für rund 40 Millionen britische Pfund soll das Getränkesegment weiter stärken.

Kursreaktion bleibt verhalten trotz Rekordzahlen

An der Toronto Stock Exchange schloss die Tilray-Aktie am Freitag bei 6,34 kanadischen Dollar, ein Tagesplus von 7,64 Prozent. Die Marktkapitalisierung, umgerechnet auf Euro, beläuft sich derzeit auf 450,15 Millionen Euro – ein Bruchteil dessen, was der Titel auf dem Höhepunkt des Cannabis-Hypes einmal wert war. Der Kurssprung zeigt: Anleger honorieren die Rekordumsätze zumindest kurzfristig, auch wenn die operative Verlustlage unverändert bleibt.

Die Meinungen unter den Analysehäusern gehen entsprechend auseinander. Neben TD Securities‘ Hochstufung und Wall Street Zens Herabstufung reicht die Bandbreite der Kursziele derzeit von 5 bis 20 US-Dollar. TD Cowen senkte sein Ziel auf 5,00 US-Dollar bei fortbestehender Kaufempfehlung, während Roth Capital seine Einstufung auf „Buy“ anhob und ein Kursziel von 10,00 US-Dollar ausgab. Von sieben erfassten Häusern votieren derzeit drei für „Buy“, drei für „Hold“ und eines für „Sell“.

Ausblick belastet die Stimmung

Der eigentliche Dämpfer für die Anleger dürfte aus der Prognose für das kommende Geschäftsjahr stammen. Tilray stellt für 2027 ein bereinigtes EBITDA zwischen 68 und 75 Millionen US-Dollar in Aussicht – spürbar unter der Konsensschätzung von 84 Millionen US-Dollar. Diese Guidance dürfte erklären, warum trotz Rekordumsätzen und deutlich verbesserter Bilanz noch keine breite Kaufwelle einsetzt. Zusätzlich belasten strukturelle Faktoren: Die Zahl der ausstehenden Aktien wuchs um 24 Prozent, die aktienbasierte Vergütung summierte sich im Geschäftsjahr auf 45,9 Millionen US-Dollar, und die Bruttomarge im Getränkegeschäft sank um drei Prozentpunkte. Für die Aktie bleibt damit die Diskrepanz zwischen fundamentaler Verbesserung und skeptischer Marktbewertung das bestimmende Thema.

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KGV 0,00
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 727,16 Mio. CAD
ISIN: US88688T1007 WKN: A2JQSC

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