TKMS Aktie: Bernstein hebt Kursziel auf 125 Euro
TKMS steigert Umsatz und EBIT, erhält neue Marineaufträge und erhöht die Prognose. Cashflow sowie Auftragseingang gingen jedoch zurück.

Kurz zusammengefasst
- Bernstein stuft TKMS auf Outperform hoch
- Kursziel steigt auf 125 Euro
- Auftragsbestand erreicht 20,1 Milliarden Euro
- Freier Cashflow fällt ins Minus
Ein Analystenhaus schlägt einen deutlich anderen Ton an. Bernstein Research hat TKMS Mitte August von „Market-Perform“ auf „Outperform“ hochgestuft und das Kursziel von 76 Euro auf 125 Euro angehoben. Analyst Adrien Rabier begründete den Schritt mit einer Revision seiner EBIT-Schätzung für 2030 um 86 Prozent nach oben.
Die Aktie notiert derzeit bei 90,90 Euro und hat sich damit seit Jahresbeginn um 37 Prozent verteuert. Zum 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, das Mitte August markiert wurde, fehlen dennoch 16 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage legte das Papier um 10 Prozent zu, in der laufenden Woche gab es dagegen leicht nach.
Auftragsbestand von 20 Milliarden Euro als Basis
Der Optimismus der Analysten fußt auf Zahlen, die TKMS Mitte August vorlegte. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 1.890 Millionen Euro, das bereinigte EBIT wuchs um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.
Die bereinigte EBIT-Marge lag bei 5,8 Prozent. Der Auftragsbestand erreichte zum 30. Juni 20,1 Milliarden Euro, das Book-to-Bill-Verhältnis liegt bei rund dem Zweifachen des Umsatzes.
Besonders das Segment Submarines lieferte: Der Umsatz kletterte dort um 18 Prozent auf 1.001 Millionen Euro, das EBIT vervierfachte sich auf 46 Millionen Euro.
Atlas Electronics wuchs sogar um 28 Prozent auf 612 Millionen Euro Umsatz, das Segment-EBIT stieg um 31 Prozent auf 59 Millionen Euro. Surface Vessels blieb mit einem stabilen EBIT von 30 Millionen Euro bei einem Umsatzplus von 11 Prozent der schwächere Bereich.
TKMS erhöhte die Jahresprognose zum zweiten Mal: Das Management erwartet nun ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent, zuvor waren es nur 2 bis 5 Prozent.
Die bereinigte EBIT-Marge soll bis zu 6,5 Prozent erreichen, das absolute bereinigte EBIT bleibt bei 100 bis 150 Millionen Euro. Mittelfristig bekräftigte das Unternehmen sein Ziel eines jährlichen Umsatzwachstums von rund 10 Prozent bei einer EBIT-Marge über 7 Prozent.
Auftragsflut aus mehreren Kontinenten
Die operative Dynamik zeigt sich auch im Vertriebsgeschäft. TKMS wurde in Kanada zum bevorzugten Bieter für bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD gekürt, das Bootsvolumen alleine übersteigt 15 Milliarden Euro, ein Vertragsschluss wird bis Ende 2026 angestrebt.
In Deutschland unterzeichnete das Unternehmen einen Vertrag über vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU mit Option auf vier weitere – nach eigenen Angaben der größte Überwasser-Auftrag der Firmengeschichte. Norwegen bestellte zwei zusätzliche U-Boote der Klasse 212CD nach, womit sich die Gesamtzahl für die norwegische Marine auf sechs erhöht.
Auch international bahnt sich weiteres Geschäft an: In Indien laufen finale Vertragsverhandlungen über sechs U-Boote unter dem Projekt 75(I) gemeinsam mit Mazagon Dock Shipbuilders, Brasilien unterzeichnete eine Absichtserklärung über vier weitere Fregatten der Klasse Tamandaré.
Mit Navantia aus Spanien einigte sich TKMS vor rund einem Monat auf eine Absichtserklärung für einen gemeinsamen Rahmen zu U-Boot-Projekten, seither hat die Aktie um 10,9 Prozent zugelegt.
CEO Oliver Burkhard verwies zudem auf neue Nachfrage aus der Golfregion für Minenräumkapazitäten infolge des Iran-Kriegs. Um die Kapazitäten zu erweitern, investiert TKMS in den Standort Wismar, wo bis 2029 bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze für die hybride Produktion von U-Booten und Fregatten entstehen sollen.
Kehrseite: Cashflow und Auftragseingang rückläufig
Nicht alle Kennzahlen zeigen nach oben. Der freie Cashflow drehte in den ersten neun Monaten auf minus 204 Millionen Euro, im Vorjahr hatte er noch bei plus 631 Millionen Euro gelegen – Investitionen und Kundenvorauszahlungen aus dem 212CD-Programm belasteten.
Der Auftragseingang sank auf 3.617 Millionen Euro von 8.598 Millionen Euro im Vorjahr, was allerdings vor allem an der hohen Vergleichsbasis durch einen großen 212CD-Großauftrag im Vorjahreszeitraum liegt.
Strategisch zog sich TKMS Ende Juli aus dem Übernahmepoker um German Naval Yards Kiel zurück, nachdem im Januar ein nicht bindendes Angebot vorgelegen hatte. Man habe sich mit den Eigentümern nicht auf wirtschaftliche Konditionen einigen können, hieß es zur Begründung – künftig soll der Kapazitätsausbau in Wismar Vorrang vor Zukäufen haben.
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