TKMS Aktie: Bernstein hebt Ziel auf 125 Euro
TKMS hebt erneut die Jahresziele an und meldet einen Auftragsbestand von über 20 Milliarden Euro. Die jüngste Kurskorrektur gilt als technische Verschnaufpause nach starkem Lauf.

Kurz zusammengefasst
- Zweite Prognoseanhebung binnen sechs Monaten
- Auftragsbestand erreicht 20,1 Milliarden Euro
- Kanada und Indien als potenzielle Großkunden
- Bernstein erhöht Kursziel auf 125 Euro
TKMS ist längst nicht mehr nur eine Wachstumsstory auf dem Papier – das Unternehmen liefert. Wer angesichts der Kursschwäche der vergangenen Handelstage nervös wird, sollte einen Schritt zurücktreten und sich fragen, was in den letzten Wochen tatsächlich passiert ist. Meine These: Die operative Substanz überwiegt bei weitem die kurzfristige Kursvolatilität.
Das Zahlenwerk spricht eine klare Sprache
Am Donnerstag hatte TKMS seine Prognose zum zweiten Mal binnen sechs Monaten angehoben – Umsatzwachstum für das laufende Geschäftsjahr nun bei 10 bis 12 Prozent, bereinigte EBIT-Marge bis zu 6,5 Prozent. Das ist kein Ausrutscher, sondern die Fortsetzung eines Musters. In den ersten neun Monaten wuchs der Umsatz um 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.
Bemerkenswerter finde ich die Entwicklung im Submarines-Segment: Das bereinigte EBIT vervierfachte sich auf 46 Millionen Euro, weil margenstärkere Neubauprojekte hochlaufen und die Belastungen aus Altprojekten zurückgehen. Auch Atlas Electronics liefert mit einem Umsatzplus von 28 Prozent und einem EBIT-Anstieg von 31 Prozent überzeugend ab.
Der einzige Wermutstropfen: Der Free Cashflow drehte auf minus 204 Millionen Euro, nach plus 631 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das lässt sich mit erwarteten Auszahlungen zur Vertragserfüllung erklären – für mich ist das der Preis eines Unternehmens, das massiv in die Erfüllung eines historisch hohen Auftragsbestands investiert, kein strukturelles Warnsignal.
Der Auftragsbestand ist die eigentliche Geschichte
Mit 20,1 Milliarden Euro Auftragsbestand zum 30. September, und über 25 Milliarden Euro inklusive der vier MEKO-A-200-DEU-Fregatten, steht TKMS auf einem Fundament, das viele Rüstungskonkurrenten neidisch machen dürfte. Der Fregattenvertrag über rund 5 Milliarden Euro wurde im Juli unterzeichnet, nachdem der Haushaltsausschuss im Bundestag Anfang Juli grünes Licht gegeben hatte – mit einer Option auf vier weitere Schiffe.
Noch spannender wird es international: TKMS wurde als bevorzugter Anbieter für ein kanadisches U-Boot-Programm mit bis zu zwölf Einheiten ausgewählt, wenngleich der Vertrag noch nicht unterzeichnet ist.
Parallel laufen finale Verhandlungen mit Indien über sechs U-Boote plus Option auf drei weitere. Beide Deals sind noch nicht in trockenen Tüchern – aber allein die Aussicht darauf zeigt, wie sich TKMS von einem nationalen zu einem global gefragten Anbieter entwickelt.
Ergänzt wird das durch die im Juli vereinbarte zweite Absichtserklärung mit der spanischen Werft Navantia, die bis Jahresende in einen konkreten Kooperationsrahmen für Produktion und Vermarktung münden soll. Wer zusätzliche Produktionskapazitäten sucht, statt sie zu meiden, denkt offensichtlich in großen Dimensionen.
Kurskorrektur als gesunde Verschnaufpause
Der Kurs steht aktuell bei 91,20 Euro, nach einem Rückgang von 1,5 Prozent am heutigen Handelstag und einem Schlusskurs von 92,60 Euro am Freitag. Seit dem Rekordhoch von 108,80 Euro Mitte des Monats hat die Aktie spürbar an Boden verloren, notiert aber noch immer 61 Prozent über ihrem Jahrestief von Ende November.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 38 Prozent zu Buche. Für mich ist die aktuelle Schwäche eher Ausdruck einer überhitzten Kursfindung nach der zweiten Guidance-Anhebung als ein Zeichen fundamentaler Zweifel – der RSI von 51,7 signalisiert schließlich keine Überhitzung mehr, sondern eine neutrale Marktlage.
Auch die Analystenreaktion auf die Zahlen vom Donnerstag war eindeutig: Bernstein hob sein Kursziel von 76 auf 125 Euro an und stufte die Aktie auf „Outperform“ hoch – ein deutliches Signal, dass zumindest ein Teil der Investmentbanken die Bewertung von TKMS trotz des bereits gelaufenen Kursanstiegs für noch nicht ausgereizt hält.
Mein Fazit
Der geopolitische Rückenwind – Deutschlands Verteidigungsbudget soll bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 16 Prozent auf 180 Milliarden Euro steigen – dürfte TKMS noch Jahre tragen.
Die Kombination aus explodierendem Auftragsbestand, verbesserter Marge und internationaler Expansion spricht klar für ein Unternehmen im strukturellen Aufwind. Die jüngste Kursdelle wirkt auf mich wie eine technische Verschnaufpause nach einem fulminanten Lauf – nicht wie das Ende der Geschichte.
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