TKMS Aktie: Cashflow bricht auf minus 72 Millionen ein

Thyssenkrupp Marine Systems verzeichnet Umsatzwachstum, leidet jedoch unter negativem Cashflow und Branchenschwäche.

Andreas Sommer ·
TKMS Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umsatz steigt auf knapp 1,2 Milliarden Euro
  • Freier Cashflow bricht auf minus 72 Millionen ein
  • Rüstungssektor leidet unter gedrückter Stimmung
  • Milliardenauftrag aus Kanada in Aussicht

Volle Auftragsbücher und steigende Umsätze reichen an der Börse aktuell nicht aus. Bei Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) klaffen operative Realität und Kursentwicklung spürbar auseinander. Die Aktie beendete die vergangene Handelswoche tief im Minus. Der Grund dafür liegt in der Bilanz — und in der eingetrübten Stimmung für den gesamten Rüstungssektor.

Fehlende Anzahlungen belasten

Das operative Geschäft der Kieler Werft wächst. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres kletterte der Umsatz zweistellig auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge verbesserte sich auf 5,1 Prozent.

Dennoch schrumpfte der Konzerngewinn um 41 Prozent auf 27 Millionen Euro. Das Management begründet diesen Rückgang vor allem mit höheren Entwicklungskosten für neue maritime Systeme.

Schwerer wiegt für Investoren der freie Cashflow. Dieser rutschte auf minus 72 Millionen Euro ab. Im Vorjahr stand hier noch ein sattes Plus von rund 750 Millionen Euro. Dieser Einbruch resultiert aus fehlenden Großanzahlungen von Kunden und planmäßigen Mittelabflüssen in laufenden Projekten. Obendrein belastete eine Einmalzahlung von knapp 300 Millionen Euro an Thyssenkrupp im Rahmen der vollzogenen Verselbstständigung.

Sektorsorgen drücken den Kurs

Die Analysten bewerten die Lage unterschiedlich. Die Deutsche Bank hält an ihrer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 110 Euro fest und lobt die ermutigenden Halbjahreszahlen. Bernstein Research senkte das Ziel hingegen auf 76 Euro. Analyst Adrien Rabier verweist auf eine deutlich verschlechterte Anlegerstimmung für Rüstungswerte. Die wachsende Dominanz von Drohnen im Ukraine-Krieg lasse Investoren an klassischer Wehrtechnik zweifeln.

Das spiegelt sich im Chartbild wider. Mit einem Freitagsschlusskurs von 71,40 Euro hat die TKMS-Aktie auf Monatssicht fast 17 Prozent eingebüßt. Der Abstand zum Jahreshoch aus dem Januar ist auf 29 Prozent angewachsen. Ein RSI-Wert im unteren Drittel signalisiert mittlerweile eine stark überverkaufte Situation.

Milliardenauftrag im Visier

Um sich von zyklischen Schwankungen unabhängiger zu machen, baut TKMS das Servicegeschäft aus. Eine neue Vereinbarung zur Modernisierung griechischer U-Boote und ein Wartungsstandort in Singapur sollen verlässliche, wiederkehrende Einnahmen generieren. Der Fokus der Märkte richtet sich indes auf Nordamerika. In Kanada fällt im Frühsommer die Entscheidung über einen U-Boot-Auftrag mit einem Volumen von bis zu 37 Milliarden Euro.

Parallel dazu verhandeln die Kieler über die Übernahme der benachbarten German Naval Yards (GNYK). Hier konkurriert das Unternehmen direkt mit Rheinmetall, das ebenfalls ein unverbindliches Angebot eingereicht hat. Ein Zuschlag für den Düsseldorfer Konzern würde einen finanzstarken Rivalen direkt vor der eigenen Haustür etablieren. Die Entscheidung über diese Werftübernahme ordnet die Marktanteile im deutschen Marineschiffbau in den kommenden Monaten neu.

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