TKMS Aktie: Freier Cashflow bei minus 204 Millionen

TKMS verzeichnet hohen Auftragsbestand, doch der freie Cashflow rutscht auf minus 204 Millionen Euro. Analysten sehen operative Herausforderungen.

Felix Baarz ·
TKMS Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Auftragsbestand erreicht 20,1 Milliarden Euro
  • Freier Cashflow fällt auf minus 204 Millionen
  • Prognose erneut angehoben, Zweifel bleiben
  • Strategiewechsel: Partnerschaft statt Übernahme

Der Auftragsbestand von TKMS ist bis Ende Juni auf 20,1 Milliarden Euro gewachsen, das operative Geschäft brummt – und trotzdem fragt sich der Markt zunehmend, ob die Werft ihren eigenen Boom finanziell verkraftet. Der Grund liegt tiefer als in den vergangenen Quartalszahlen: Der freie Cashflow ist nach neun Monaten auf minus 204 Millionen Euro gefallen, nach plus 631 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Vom Auftragsproblem zum Ausführungsproblem

TKMS begründet den Einbruch mit erwarteten Auszahlungen im Zuge laufender Vertragserfüllungen – Geld, das in Vorleistungen für U-Boote und Fregatten fließt, bevor es als Umsatz verbucht wird. Das ist bei einem Rüstungskonzern mit mehrjährigen Baulosen kein ungewöhnlicher Effekt, verändert aber die Wahrnehmung der Aktie.

Bislang drehte sich die Debatte darum, ob TKMS neue Aufträge an Land zieht. Inzwischen stellt sich die Anschlussfrage, ob das Unternehmen die bereits gewonnenen Aufträge auch profitabel und liquiditätsschonend abarbeiten kann.

Diese Verschiebung zeigt sich auch in der Marge: Trotz gestiegenem Ergebnis ist die bereinigte EBIT-Marge nach Medienberichten von 6,1 auf 5,8 Prozent zurückgegangen. Das bereinigte EBIT selbst legte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro zu, der Umsatz wuchs um 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro. Die Zahlen sind solide – doch sie beantworten die Cashflow-Frage nicht.

Prognose angehoben, Zweifel bleiben

Zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten hat TKMS seine Jahresprognose angehoben. Für das Geschäftsjahr bis Ende September soll der Umsatz nun um 10 bis 12 Prozent wachsen statt der zuvor avisierten 2 bis 5 Prozent, die bereinigte EBIT-Marge wird auf 6,5 Prozent statt 6 Prozent taxiert.

Bernstein Research bezeichnete die Quartalszahlen am vergangenen Donnerstag als „sehr stark“. Seither hat die Aktie kaum reagiert und schloss am Freitag mit 92,60 Euro nur 0,9 Prozent leichter – ein Hinweis darauf, dass die guten Nachrichten bereits eingepreist waren.

Getragen wird das Wachstum vor allem vom U-Boot-Segment sowie steigender Nachfrage nach Überwasserschiffen wie Fregatten. Erst im Juli hatte Kanada TKMS den Zuschlag für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD erteilt, mit einem möglichen Auftragsvolumen von bis zu 70 Milliarden US-Dollar.

Der Bundestag billigte zudem einen Auftrag über bis zu acht Fregatten des Typs MEKO A-200 im Volumen von 12 Milliarden Euro. Solche Größenordnungen erklären, warum Investoren die Werft als Wachstumsstory sehen – und warum der jetzt schwächelnde Cashflow umso genauer beobachtet wird.

Strategische Weichenstellung statt Zukäufe

Vor rund einem Monat zog TKMS die geplante Übernahme des Wettbewerbers German Naval Yards Kiel wegen Uneinigkeit beim Kaufpreis zurück. Statt einer Zukaufsstrategie setzt der Konzern nun auf die vertiefte Partnerschaft mit der spanischen Staatswerft Navantia. Seit dem Rückzug von GNYK hat die Aktie um 13,9 Prozent zugelegt – ein Zeichen, dass der Markt die organische Ausbaustrategie honoriert, statt Übernahmerisiken zu goutieren.

Für Anleger bleibt die Kernfrage bestehen: TKMS hat bewiesen, dass es Aufträge gewinnen kann. Ob die Werft daraus auch nachhaltig Cash generiert, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn die aktuellen Vorleistungen in Umsatz und Zahlungseingänge münden.

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TKMS Aktie

92,60 EUR

– 0,50 EUR -0,54 %
KGV
KUV 2,67
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung
Ø Kursziel 99,71 EUR
ISIN: DE000TKMS001 WKN: TKMS00

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