Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) legt nach dem Börsengang im Oktober 2025 den ersten großen strategischen Schritt vor – und der hat es in sich: Mit einem Übernahmevorstoß in Kiel und Spekulationen um einen milliardenschweren U-Boot-Auftrag aus Indien rückt der Konzern klar in die Rolle eines aktiven Gestalters der Marineschiffbau-Landschaft. Entscheidend für den Kursverlauf der nächsten Wochen dürfte sein, wie konkret diese Pläne jetzt werden.
Die Fakten im Überblick
- Unverbindliches Übernahmeangebot für German Naval Yards Kiel (GNYK) abgegeben
- GNYK spezialisiert auf große Marineschiffe (u.a. Fregatten, Korvetten) – strategische Ergänzung für TKMS
- Analystenreaktionen gemischt: von klar positiv bis abwartend
- Medienberichte über möglichen milliardenschweren U-Boot-Großauftrag aus Indien
- Aktie heute bei 85,70 Euro, rund 20 % Plus auf Sicht von sieben Tagen
Übernahmeofferte für German Naval Yards
Am Freitag bestätigte ein Unternehmenssprecher offiziell: TKMS hat ein nicht-bindendes Angebot für die Übernahme von German Naval Yards Kiel vorgelegt. Die Gespräche sollen ergebnisoffen geführt werden, also ohne Vorfestlegung auf einen Abschluss.
German Naval Yards ist auf große Marineschiffe wie Fregatten und Korvetten spezialisiert. Damit würde das Unternehmen das bestehende Portfolio von TKMS, das stark von U-Booten und Marinesystemen geprägt ist, sinnvoll erweitern. Im Markt wird dieser Schritt als wichtiger Baustein hin zu einer stärkeren Bündelung der deutschen Werftenlandschaft gesehen.
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Auftragsbücher von TKMS bereits gut gefüllt sind. Die weltweit gestiegenen Verteidigungsausgaben verschaffen dem Konzern eine solide Basis und damit auch eine komfortable Ausgangsposition in möglichen Verhandlungen um GNYK.
Analysten zwischen Rückenwind und Vorsicht
Die Reaktionen der Analysten zeigen ein differenziertes Bild.
Das Analysehaus mwb research bekräftigte in einer Studie vom 9. Januar seine Kaufempfehlung. Entscheidend ist aus Sicht der Analysten, dass die Option auf GNYK zusätzliche Kurstreiber eröffnet. Die Aussicht auf einen größeren, integrierten Marineschiffbau-Konzern sorgt hier klar für Fantasie.
Bernstein Research ist zurückhaltender. Bereits am 6. Januar wurde die Einstufung von „Underperform“ auf „Market-Perform“ angehoben. Begründung: Nach einem vorherigen Rücksetzer sei die Bewertung nun als fair einzuschätzen. Gleichzeitig senkte Bernstein aber das Kursziel – ein Signal, dass man die Chancen zwar anerkennt, kurzfristig aber keine überzogenen Erwartungen ansetzt.
Diese unterschiedlichen Einschätzungen spiegeln auch die Lage am Markt wider: Die strategische Richtung überzeugt, der konkrete finanzielle Effekt hängt jedoch von Kaufpreis, Integrationskosten und der weiteren Auftragsentwicklung ab.
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Möglicher U-Boot-Auftrag aus Indien
Für zusätzlichen Auftrieb sorgten Medienberichte über einen möglichen milliardenschweren U-Boot-Auftrag aus Indien. Der Zuschlag könnte dem Vernehmen nach zeitnah fallen, möglicherweise im Zusammenhang mit einer anstehenden Kanzlerreise.
Ein solcher Auftrag wäre nicht nur ein wichtiges Signal für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von TKMS, sondern würde auch die langfristige Auslastung der Werften weiter absichern. Gerade im Marineschiffbau sind große, mehrjährige Projekte zentral für Planungssicherheit und Margenstabilität.
Im Zusammenspiel mit der möglichen GNYK-Übernahme entstünde damit eine Konstellation, in der TKMS sowohl strukturell (Konsolidierung) als auch operativ (Großauftrag) deutlich gestärkt aus der aktuellen Phase hervorgehen könnte.
Kursbild und Ausblick
Am Freitag schloss die Aktie bei 83,00 Euro, heute legt sie weiter leicht zu und notiert bei 85,70 Euro. Auf Sieben-Tage-Sicht ergibt sich damit ein Plus von knapp 20 Prozent, auf 30 Tage gesehen rund 24 Prozent. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 68,67 Euro unterstreicht die Dynamik der jüngsten Bewegung.
Mit einem Abstand von knapp 6 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 91,10 Euro ist der Titel zwar bereits kräftig gelaufen, bleibt aber in Reichweite seiner bisherigen Bestmarke. Der RSI von 32,4 signalisiert trotz der Rally keine überkaufte Extremsituation, was technisch eher für eine stabile Ausgangslage spricht.
Kurzfristig wird der weitere Nachrichtenfluss maßgeblich sein:
– Kommt es zu einer verbindlichen Phase der Gespräche mit German Naval Yards?
– Wird der kolportierte U-Boot-Auftrag aus Indien tatsächlich vergeben und in welcher Größenordnung?
Für den Moment steht fest: Mit der GNYK-Offerte und der Aussicht auf ein Indien-Geschäft hat TKMS den Übergang von der reinen Verteidigungsfantasie hin zu klaren, überprüfbaren Schritten vollzogen – die Aktie spiegelt diese neue Klarheit inzwischen deutlich im Kurs wider.
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