Trump schließt Iran-Angriff vorerst aus – Ölpreise geben nach
Brent fällt zeitweise auf 102,93 Dollar je Barrel, während Gespräche und Risiken für den Öltransport fortbestehen.
Kurz zusammengefasst
- Brent sinkt auf 102,93 Dollar
- Trump schließt Angriff vorerst aus
- Teheran prüft US-Antwort auf Sieben-Tage-Plan
- Hurrikan legt 1,3 Millionen Barrel Tagesförderung still
Die Furcht vor einer unmittelbaren Eskalation im Nahen Osten weicht vorerst aus dem Ölmarkt. Nachdem US-Präsident Donald Trump Berichte über geplante Angriffe auf iranische Ziele vor den US-Zwischenwahlen am 3. November zurückwies, gaben die Notierungen am Freitag nach. Die Entspannung drückte den Preis für die Nordseesorte Brent am Morgen zeitweise auf 102,93 Dollar je Barrel, während das US-Öl West Texas Intermediate auf 90,97 Dollar fiel.
Diplomatischer Austausch statt neuer Schläge
Tags zuvor war der Brent-Ölpreis in der Spitze noch bis auf fast 106 Dollar geklettert. Berichte über eine unmittelbar bevorstehende Ausweitung der US-Militäreinsätze hatten die Märkte aufgeschreckt. Trump trat diesen Spekulationen am Abend entgegen: Die Vereinigten Staaten würden den Iran zu keinem Zeitpunkt vor dem Urnengang im November angreifen.
Stattdessen gebe es konstruktive Gespräche zwischen beiden Regierungen. Irans Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte den diplomatischen Kanal. Teheran prüfe eine Antwort der Gegenseite auf einen übermittelten Sieben-Tage-Plan, der unter anderem eine Öffnung der Straße von Hormus vorsieht. Eine iranische Rückmeldung soll in wenigen Tagen folgen.
Risiken auf den Transportrouten bleiben hoch
Trotz der politischen Signale bleibt die Lage für die Versorgung fragil. Der Konflikt dauert inzwischen acht Monate an. Zwar sprach Trump davon, dass in der vergangenen Nacht 22 Millionen Barrel Rohöl die strategisch wichtige Meerenge von Hormus passiert hätten. Angriffe auf Tankschiffe und stark gestiegene Frachtraten halten die Nervosität im Handel dennoch aufrecht.
Parallel dazu halten die wirtschaftlichen Daumenschrauben der USA den Druck aufrecht. Erst am Donnerstag verhängte Washington neue Sanktionen gegen Netzwerke und 17 Schiffe, die am Transport iranischen Öls beteiligt sind.
Hinzu kommen witterungsbedingte Ausfälle auf der anderen Seite des Atlantiks: Im Golf von Mexiko hat der herannahende Hurrikan Isaias die US-Förderung empfindlich getroffen. Dort mussten Produzenten vorübergehend Anlagen mit einem Volumen von 1,3 Millionen Barrel pro Tag herunterfahren.
Ob der Rückgang der Ölpreise von Dauer ist, entscheidet sich in den kommenden Tagen an der diplomatischen Front. Reagiert Teheran mit konkreten Schritten auf die US-Vorschläge zur Entspannung an der Straße von Hormus, dürfte der geopolitische Risikoaufschlag weiter abschmelzen. Bleibt eine Einigung aus, stehen die Märkte vor den Zwischenwahlen am 3. November vor einer erneuten Zuspitzung.