Trump-Zölle erschüttern Weltmärkte – Nvidia glänzt dennoch

Während Nvidia erneut starke Quartalszahlen liefert, belasten Trumps aggressive Handelspolitik und Zollankündigungen die globalen Finanzmärkte und verursachen regionale Turbulenzen.

Kurz zusammengefasst:
  • US-Dollar verliert nach vagen Zollandrohungen
  • Nvidia übertrifft Erwartungen, Aktie reagiert verhalten
  • Japanische Yen-Politik sorgt für Verunsicherung
  • Grönland verschärft Kontrollen für US-Investoren

Die globalen Finanzmärkte befinden sich im Spannungsfeld zwischen geopolitischer Unsicherheit und technologischer Innovation. Während US-Präsident Donald Trump seine aggressive Handelspolitik verschärft und Investoren weltweit in Alarmbereitschaft versetzt, sorgt Chipgigant Nvidia mit Rekordergebnissen für einen Hoffnungsschimmer. Doch die Erleichterung ist trügerisch: Die Unsicherheit über Zölle, militärische Interventionen und währungspolitische Weichenstellungen lässt Anleger zwischen Euphorie und Vorsicht pendeln.

Zollchaos belastet Dollar und verunsichert Märkte

Der US-Dollar geriet am Donnerstag unter Druck, nachdem Handelsbeauftragter Jamieson Greer ankündigte, die Zollsätze für einige Länder auf mindestens 15 Prozent anzuheben – ohne konkrete Details zu nennen. Der Dollar-Index fiel auf 97,592 Punkte, während Investoren vergeblich auf Klarheit warteten. Trumps jüngste Rede zur Lage der Nation hatte kaum neue Informationen geboten, nachdem der Oberste Gerichtshof am 20. Februar seine Notfall-Zölle für verfassungswidrig erklärt hatte.

Die Auswirkungen der Handelspolitik zeigen sich bereits in verschobenen Lieferketten. Länder wie Ungarn, Tschechien und Polen profitieren überraschend von der Abkehr von chinesischen Exporten, insbesondere bei KI-relevanten Produkten wie Servern und Prozessoren. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hob ihre Wachstumsprognose für 40 Schwellenländer auf 3,6 Prozent für 2026 und 3,7 Prozent für 2027 an – jeweils 0,2 Prozentpunkte mehr als im Herbst erwartet.

„Die Turbulenzen zwingen politische Entscheidungsträger, sich auf wöchentliche, wenn nicht tägliche Schocks zu konzentrieren“, warnte EBRD-Chefökonomin Beata Javorcik. Die andauernde Unsicherheit drohe langfristige Herausforderungen wie demografische Probleme in den Hintergrund zu drängen.

Nvidia liefert ab – aber reicht das noch?

Inmitten der Handelswirren präsentierte Nvidia Quartalszahlen, die Analysten übertrafen: Der Umsatz im Januar-Quartal übertraf Erwartungen, die Prognose für das laufende Quartal lag über den Marktschätzungen. Dennoch reagierte die Aktie des weltweit wertvollsten Unternehmens nach Handelsschluss verhalten – ein flacher Kursverlauf nach einem kurzen Aufwärtsimpuls zeigte die Ernüchterung der Investoren.

Nach 14 aufeinanderfolgenden Quartalen mit Umsatzrekorden haben sich Anleger an Spitzenleistungen gewöhnt. „Gute Zahlen reichen nicht mehr aus“, kommentierten Marktbeobachter. Die anfängliche Erleichterungsrally in Asien wurde durch fallende US- und Europa-Futures wieder eingetrübt.

Die Diskussion um Renditen von KI-Investitionen und disruptive Kosten hat den Sektor in den vergangenen Wochen belastet. Analysten betonen zunehmend, dass der KI-Boom nicht mehr alle Technologiewerte gleichermaßen nach oben ziehen wird – die Gewinner und Verlierer der künstlichen Intelligenz werden sich klarer voneinander absetzen.

Großbritannien: Zweigeteilte Wirtschaft

Während sich die Stimmung im britischen Geschäfts- und Dienstleistungssektor deutlich aufhellte, bleiben konsumentennahe Unternehmen pessimistisch. Der vierteljährliche Stimmungsindex der Confederation of British Industry (CBI) kletterte für professionelle Dienstleister auf minus 3 Punkte – der höchste Wert seit August 2024. Bei Konsumdienstleistern verharrte die Stimmung hingegen bei trostlosen minus 45 Punkten.

„Ohne Verbesserung bei den Verbraucherdienstleistungen dürfte die Gesamtdynamik schwach bleiben und Investitionen sowie Beschäftigungsaussichten belasten“, warnte Charlotte Dendy von der CBI. Die Bank of England hatte ihre Wachstumsprognose für 2026 kürzlich auf 0,9 Prozent gesenkt, während Finanzministerin Rachel Reeves am kommenden Dienstag neue Haushaltsprognosen vorlegen wird.

Unternehmen beklagen vor allem neue Arbeitsmarktgesetze, die Kündigungen erschweren und Teilzeitbeschäftigten garantierte Arbeitsstunden zusichern. Die im Oktober 2024 angekündigte Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung belastet die Stimmung zusätzlich.

Japan: Takaichis Griff nach der Geldpolitik

In Tokio sorgte Premierministerin Sanae Takaichi für Unruhe, als sie zwei als geldpolitische Tauben bekannte Akademiker für den Vorstand der Bank of Japan nominierte. Die Ernennung von Toichiro Asada und Ayano Sato – beide Befürworter expansiver Geld- und Fiskalpolitik – löste einen Yen-Rutsch aus und warf Fragen über künftige Zinserhöhungen auf.

„Wenn die Regierung versucht, die Bank of Japan zu politisieren, könnte Japan dasselbe erleben wie die USA: Anleihen- und Währungsverkäufe“, warnte Yusuke Miyairi, Währungsstratege bei Nomura Securities. Takaichi hatte das Finanzministerium bewusst aus dem Auswahlprozess ausgeschlossen und ihre Kandidaten unter Verschluss gehalten.

Beide Nominierten gehören einer Gruppe von Reflationisten an, die die expansiven Vorschläge der Regierungschefin unterstützen. Die Ernennung signalisiert Takaichis Abneigung gegen weitere Zinserhöhungen – eine Botschaft, die angesichts ihres jüngsten Wahlsiegs besonderes Gewicht hat.

BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda versuchte zu beschwichtigen: Er lasse die Möglichkeit einer kurzfristigen Zinserhöhung offen und werde Daten bei den Sitzungen im März und April prüfen. Der Yen erholte sich daraufhin leicht auf 156,045 je Dollar, nachdem er zuvor auf ein Zweiwochentief gefallen war.

Grönland wehrt sich gegen US-Investoren

Fernab der Finanzzentren spielt sich auf Grönland ein bemerkenswertes Drama ab. Nachdem Trump Anfang 2025 sein Interesse an der Arktis-Insel erneuerte, erhielten Anwälte und Immobilienfirmen in der Hauptstadt Nuuk plötzlich zahlreiche Anfragen von US-Käufern. „Die aggressivsten wollten alles kaufen, was auf dem Markt verfügbar war“, berichtete ein anonymer Anwalt.

Die Parlamentarier reagierten alarmiert: Bis Februar 2025 hatte die Regierung die Kontrollen für ausländische Immobilienkäufe verschärft. Ein seit Oktober vorliegendes Gesetz zur Überprüfung ausländischer Investitionen, ursprünglich als Schutz vor unerwünschten chinesischen Investitionen konzipiert, wurde nun auf US-Investoren fokussiert.

„Wir sind sehr interessiert an amerikanischen Investoren, aber nicht, wenn sie politische Ziele durchsetzen wollen“, erklärte Parlamentsabgeordneter Aqqalu Jerimiassen. Das für April erwartete Gesetz verpflichtet ausländische Investoren zur Offenlegung ihrer Geldquellen und erlaubt Behörden, Deals bei Sicherheitsbedenken abzulehnen.

Kritische Infrastruktur, IT-Systeme, Rohstoffe, Bergbau, Wasserkraft und staatliche Unternehmen unterliegen künftig einer obligatorischen Prüfung. Die Nominierung von Drew Horn – einem ehemaligen Trump-Mitarbeiter, der ein milliardenschweres Rechenzentrum plant – unterstreicht für viele Abgeordnete die Notwendigkeit klarer Regeln. Horn versicherte, sein Projekt habe keine politischen Verbindungen.

Hedgefonds kämpfen mit Volatilität

Die Turbulenzen an den Märkten spiegeln sich in den Ergebnissen der Hedgefonds wider. Die britische Man Group vermeldete zwar einen Rekordanstieg der verwalteten Vermögen um 35 Prozent auf 227,6 Milliarden Dollar, doch der Gewinn vor Steuern sank um 14 Prozent auf 407 Millionen Dollar. Die Aktie verlor über 2,5 Prozent.

„Das erste Halbjahr war ein harter Kampf bergauf, das zweite Halbjahr sehr stark“, erklärte CEO Robyn Grew. Besonders systematische Hedgefonds, die algorithmusbasiert auf Markttrends setzen, litten unter Trumps erratischen Entscheidungen. Diese Fonds verzeichneten bis Ende Mai durchschnittlich minus 11 Prozent, erholten sich aber bis Jahresende auf plus 2,4 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen eine klare Trennlinie zwischen flexiblen, diskretionären Strategien und starren, algorithmischen Ansätzen. Mehrere AHL-Flaggschiff-Fonds der Man Group schlossen das Jahr mit über 5 Prozent Plus ab, während der Multi-Strategie-Fonds Man Strategies 1783 mit 14 Prozent glänzte.

Ausblick: Permanente Unsicherheit als neue Normalität

Die Finanzmärkte stehen vor einer Phase anhaltender Volatilität. Während Nvidia beweist, dass technologische Exzellenz weiterhin belohnt wird, zeigen die divergierenden Entwicklungen in Großbritannien, Japan und den Schwellenländern: Die Auswirkungen von Trumps Politik sind komplex und regional höchst unterschiedlich.

Die Fed wird bei ihrer nächsten Sitzung am 18. März mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Zinsen unverändert lassen. Derweil könnten die anstehenden US-Iran-Verhandlungen in Genf neue geopolitische Unsicherheit bringen – Trump hatte in seiner Rede erklärt, er bevorzuge diplomatische Lösungen, werde aber keine iranische Atomwaffe dulden. Die Ölpreise blieben entsprechend erhöht.

Für Anleger gilt: In Zeiten permanenter Krisenmodi und täglicher Schocks wird Flexibilität zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wer ausschließlich auf KI-Werte oder traditionelle Strategien setzt, könnte in diesem Umfeld schnell ins Hintertreffen geraten.

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