Trumps Apple-Bombe zündet — Intel, Micron und TSMC am Limit

Intel-Aktie springt nach Trump-Ankündigung einer Chip-Fertigung mit Apple. Micron vor Rekordquartal, ASML weist Spionagevorwurf zurück.

Andreas Sommer ·
Micron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Intel mit Kurssprung durch Apple-Kooperation
  • Micron vor Quartalszahlen mit Rekordgewinn
  • ASML weist Spionagevorwürfe aus Washington zurück
  • TSMC-Kapazitätsengpass treibt Konkurrenz an

Ein einziger Social-Media-Post hat den Chipsektor durchgeschüttelt. Präsident Trump verkündete am Donnerstag, Apple habe sich bereit erklärt, gemeinsam mit Intel Chips in den USA zu fertigen. Intel schoss um mehr als zehn Prozent nach oben, der Philadelphia Semiconductor Index markierte ein Rekordhoch — und mittendrin kämpft ASML mit einem brisanten Spionagevorwurf aus Washington. Fünf Chipwerte, fünf grundverschiedene Geschichten.

Knappheit als Dauerzustand im Halbleitersektor

Die globale Chipindustrie steckt in einem Paradoxon: Die Nachfrage war nie höher, die Kapazitäten reichen trotzdem nicht. TSMCs führende Fertigungsstufen — 3 nm und 2 nm — sind bis 2028 vollständig ausgebucht. Das treibt Kunden wie Google, AMD, BYD und Tesla zu Samsung als Alternative und verleiht Intels Foundry-Ambitionen plötzlich strategisches Gewicht.

Die Konsequenzen ziehen sich durch die gesamte Wertschöpfungskette:

  • Kapazitätsengpass bei TSMC zwingt Abnehmer zur Diversifikation
  • Intels Foundry-Geschäft gewinnt durch den Apple-Deal an Glaubwürdigkeit
  • Speichernachfrage für KI-Anwendungen übersteigt das Angebot bei DRAM, NAND und HBM
  • ASMLs Monopolstellung bei EUV-Lithografie wird geopolitisch zum Risikofaktor
  • Nvidia dominiert weiter beim KI-Training, sieht aber wachsende Konkurrenz bei Inferenz

Intel: Apple-Deal als Ritterschlag für die Foundry-Strategie

Der Kurssprung hatte es in sich. Intels Aktie legte am Donnerstag über zehn Prozent zu, ausgelöst durch Trumps Ankündigung einer Apple-Intel-Kooperation für die US-Chipfertigung. Eine offizielle Bestätigung beider Unternehmen steht noch aus — Berichte über entsprechende Gespräche kursierten allerdings bereits seit Mai.

Für Intel ist die Signalwirkung enorm. Jahre und zig Milliarden Dollar hat der Konzern investiert, um vom reinen Produkthersteller zum Auftragsfertiger im TSMC-Stil zu werden. Apple als externen Kunden zu gewinnen, wäre der überzeugendste Beweis, dass die 18A-Prozesstechnologie wettbewerbsfähig ist. Erst am Mittwoch gab Intel bekannt, dass die weiterentwickelte 18A-P-Variante in die Risikoproduktion eingetreten ist.

Bank of America hatte Intel am 11. Juni doppelt hochgestuft — von Underperform direkt auf Buy — und das Kursziel auf 135 Dollar angehoben. Die Sichtbarkeit im Server-CPU-Geschäft und bei externen Foundry-Aufträgen habe sich spürbar verbessert. An der Börse in Frankfurt notiert die Aktie bei 116,18 Euro, ein Plus von knapp 246 Prozent seit Jahresbeginn. Trump deutete zudem an, bei der Vermittlung weiterer Foundry-Aufträge — unter anderem von Nvidia und für Elon Musks geplante TeraFab — geholfen zu haben.

Micron: Rekordkurs vor dem großen Quartalsbericht

Micron steuert auf seinen wichtigsten Termin des Quartals zu. Am 24. Juni legt der Speicherchiphersteller seine Zahlen für das dritte Fiskalquartal vor — und die Erwartungen sind gewaltig. Analysten rechnen mit einem Gewinn pro Aktie von 18,97 Dollar, ein Anstieg um fast 1.000 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die Grundlage für diese Erwartung lieferte das zweite Fiskalquartal. Der Umsatz erreichte 23,9 Milliarden Dollar, ein Plus von 196 Prozent im Jahresvergleich und der vierte Rekord in Folge. Für das laufende Quartal hat Micron selbst rund 33,5 Milliarden Dollar Umsatz bei einer Bruttomarge von etwa 81 Prozent in Aussicht gestellt.

Die KI-getriebene Nachfrage nach High Bandwidth Memory bleibt der zentrale Treiber. Nvidia hat Micron neben Samsung und SK Hynix als HBM4-Lieferanten für seine Vera-Rubin-Plattform zertifiziert. Rosenblatt hat das Kursziel auf 1.200 Dollar verdoppelt und hält an der Kaufempfehlung fest. Die Aktie notiert bei 983,50 Euro — knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.002,80 Euro. Die Umsatzschätzungen für das dritte Quartal reichen von 33,7 bis 40,9 Milliarden Dollar, eine ungewöhnlich breite Spanne, die zeigt, wie schwer das Tempo der KI-Investitionen einzuschätzen ist.

Nvidia: Marktführer in der Konsolidierungsphase

Während Intel und Micron Schlagzeilen machten, bewegt sich Nvidia seitwärts. Die Aktie notiert bei 182,00 Euro, rund zehn Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und im Monatsvergleich leicht im Minus. Der RSI von 50,6 signalisiert eine neutrale technische Verfassung — nach der Rally der vergangenen Monate eine Phase des Durchatmens.

Die Fundamentaldaten bleiben beeindruckend. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Nvidia einen Umsatz von knapp 216 Milliarden Dollar, ein Plus von über 65 Prozent. Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt das Management rund 91 Milliarden Dollar in Aussicht — ohne dabei Rechenzentrumsumsätze aus China einzukalkulieren.

Die Bewertung ist mit einem Forward-KGV von rund 24 für einen Wachstumswert dieser Größenordnung nicht überzogen. 62 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Zwölfmonatsziel von knapp 299 Dollar. Kein Wunder bei prognostizierten 24 Prozent Umsatz- und Gewinnwachstum pro Jahr über die nächsten drei Jahre. Die steigende Konkurrenz durch Custom-Silicon von Google, Amazon und Meta sowie AMD und Intel im Inferenz-Bereich bleibt allerdings ein Thema, das Anleger im Blick behalten sollten.

ASML: Spionagevorwurf überschattet starkes Geschäft

ASML geriet am Donnerstag unter Druck — aber nicht wegen der eigenen Zahlen. US-Handelsminister Howard Lutnick konfrontierte die ASML-Führung mit dem Vorwurf, eine EUV-Lithografieanlage könnte trotz Exportbeschränkungen nach China gelangt sein. ASML wies die Anschuldigung kategorisch zurück und bezeichnete sie als rufschädigend. Die Aktie gab rund zwei Prozent nach.

Der niederländische Konzern hat gute Argumente auf seiner Seite. EUV-Maschinen werden in begrenzter Stückzahl produziert, wiegen bis zu 180 Tonnen und benötigen permanente Wartung durch ASML-Personal. Im Dezember war bekannt geworden, dass chinesische Forscher mit Hilfe ehemaliger ASML-Mitarbeiter einen EUV-Prototyp entwickelt hatten — ein Hinweis darauf, dass Washingtons Sorgen eher dem chinesischen Ingenieursfortschritt gelten als einer Compliance-Lücke bei ASML.

Operativ läuft das Geschäft rund. Im ersten Quartal 2026 erreichte der Umsatz 8,8 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 53 Prozent. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben. Chinas Anteil am Systemumsatz sank von 36 Prozent im vierten Quartal 2025 auf 19 Prozent — der Verlust wird durch margenstarke EUV-Aufträge aus Taiwan, Korea und den USA kompensiert. Bei 1.674,60 Euro notiert die Aktie knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Ein regulatorisches Risiko bleibt der im April eingebrachte MATCH Act. Der Gesetzentwurf würde auch den Export von DUV-Immersionsmaschinen und die Wartung bestehender Anlagen in China verbieten — deutlich schärfer als die bisherige Regelung. Bis 2030 peilt ASML 44 bis 60 Milliarden Euro Umsatz an, getragen vom High-NA-EUV-Hochlauf und der zusätzlichen Nachfrage durch HBM-Speicher.

TSMC: Ausgebucht bis 2028

TSMC ist gleichzeitig der größte Profiteur und das größte Nadelöhr des KI-Booms. Die Auftragsbücher sind mit Nvidia, Apple, AMD, Broadcom und weiteren Schwergewichten prall gefüllt. Für Neukunden gibt es kurzfristig kaum Platz.

Genau diese Knappheit treibt Kunden zu Alternativen. Samsung Foundry profitiert, und Intel könnte Apples M7-Chipproduktion ab 2027 auf dem eigenen 18A-P-Prozess übernehmen. Auch ein Google-Auftrag über mehr als drei Millionen TPUs für 2028 ging an Intel Foundry. Die Kapazitätsgrenze von TSMC ist damit zum indirekten Wachstumstreiber für die Konkurrenz geworden.

Die Zahlen sprechen für sich: Im ersten Quartal stieg der Gewinn um 58 Prozent auf 18,2 Milliarden Dollar, die Bruttomarge liegt bei 66,2 Prozent. Für 2026 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von über 30 Prozent. Die Aktie hat seit Jahresbeginn knapp 50 Prozent zugelegt und notiert bei 408,00 Euro nahe am 52-Wochen-Hoch. Auf TipRanks liegt das durchschnittliche Kursziel bei 465 Dollar, was rund neun Prozent Aufwärtspotenzial impliziert.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte der Hochlauf der Arizona-Fabriken die Marge um zwei bis vier Prozentpunkte verwässern. Das hohe Investitionsvolumen von 56 Milliarden Dollar und die geopolitische Exponierung gegenüber Taiwan bleiben die Achillesferse einer ansonsten makellosen Wachstumsstory.

Geopolitik und Kapazitäten bestimmen den Takt

Der Chipsektor wird derzeit weniger von Produktzyklen als von physischen Fertigungsgrenzen und politischer Geografie getrieben. TSMCs Kapazitätsobergrenze erzwingt eine Neuverteilung der globalen Chipfertigung — mit Intel als aufstrebendem dritten Pol neben TSMC und Samsung. Microns Quartalsbericht am 24. Juni wird zeigen, ob das KI-Investitionstempo in den Rechenzentren weiter anzieht oder erste Ermüdungserscheinungen auftreten.

ASMLs Auseinandersetzung mit Washington geht über einen einzelnen Vorfall hinaus. Sie wirft die grundsätzliche Frage auf, ob der Westen den wichtigsten Engpass in der Halbleiterfertigung — die EUV-Lithografie — dauerhaft kontrollieren kann. Das Rekordhoch des Philadelphia Semiconductor Index vom Donnerstag spiegelt beide Seiten dieser Medaille: außergewöhnliches Wachstum auf der einen, geopolitische Fragilität auf der anderen Seite.

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Micron Aktie

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