Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schrieb ich Ihnen: Behalten Sie die Reaktionen aus Washington im Auge. Die Antwort kam keine 24 Stunden später – und sie war spektakulär widersprüchlich.
Am Montagabend trat Donald Trump vor die Mikrofone, erklärte den Krieg für „sehr weit fortgeschritten“ und sprach davon, dass es „ziemlich schnell“ gehen könnte. Wenig später, vor republikanischen Abgeordneten, forderte er den „endgültigen Sieg“ und machte unmissverständlich klar: Die Kampfhandlungen sind längst nicht vorbei. Zwei Sätze, zwei Signale, ein einziger Abend.
Was folgte, war eine der schärfsten Intraday-Korrekturen der jüngeren Börsengeschichte. Brent und WTI verloren jeweils mehr als 9 Prozent, Brent fiel zeitweise unter 90 US-Dollar. Der DAX, der am Montag noch fast 3 Prozent eingebüßt und unter die 23.000er-Marke gerutscht war, eröffnete heute Morgen bei knapp 23.943 Punkten. Der südkoreanische Kospi sprang um über 4 Prozent – nach einem Verlust von rund 7 Prozent am Vortag.
Die Erleichterung ist greifbar. Doch sie steht auf einem Fundament aus reiner Rhetorik.
Die Öl-Illusion und der Venezuela-Joker
Hinter dem Preissturz beim Rohöl steckt mehr als ein Telefonat zwischen Trump und Putin. Washington schafft in atemberaubendem Tempo neue Versorgungsrealitäten. Bereits Anfang des Jahres hatte Trump angekündigt, Venezuela werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel Öl an die USA liefern – weitere Tranchen sollen folgen. Um den Ausfall am Golf zu kompensieren, werden alte Sanktionen pragmatisch aufgeweicht. Manche würden sagen: zynisch.
Denn gleichzeitig eskaliert die Lage am Persischen Golf weiter. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte für heute den „intensivsten Tag“ der Angriffe auf den Iran an. Teheran droht ganz offen damit, „keinen einzigen Liter Öl“ mehr aus der Region exportieren zu lassen. Zur Erinnerung: Durch die Straße von Hormus fließen knapp 20 Prozent des weltweiten Öls. Rund zehn Schiffe wurden dort bereits angegriffen. Der Irak hat seine Förderung um 70 Prozent auf 1,3 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt, die größte Raffinerie der Vereinigten Arabischen Emirate steht still.
Das fundamentale Angebotsproblem? Keineswegs gelöst. Die Märkte preisen derzeit einen Frieden ein, den es nicht gibt.
Europas Inflationsfront und das schärfste Schwert der IEA
Für Europa bedeutet der vorläufige Preisrückgang ein kurzes Durchatmen – keine Entwarnung. Die strukturellen Schäden der vergangenen Tage fressen sich bereits durch die Prognosemodelle. Das britische Office for Budget Responsibility hat soeben seine Inflationsprognose für das Jahresende von 2 auf 3 Prozent nach oben korrigiert. Die Gaspreise sind um 50 bis 55 Prozent gestiegen. UK-Finanzministerin Rachel Reeves warnt vor „Preiswucher“ an den Tankstellen – ein Szenario, das auch der deutsche Tankstellenverband mit Spritpreisen von bis zu 2,50 Euro skizziert.
Die Nervosität in den westlichen Hauptstädten ist so groß, dass G7 und IEA eine Sondersitzung einberufen haben. Auf dem Tisch liegt die koordinierte Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel aus den nationalen Ölreserven – die größte Intervention in der 52-jährigen Geschichte der Internationalen Energieagentur. Dass dieses schärfste Schwert der Energiepolitik nun ernsthaft gezückt wird, sagt mehr über die reale Bedrohungslage als jede Aktienrally.
Wolfsburgs bittere Bilanz, Stuttgarts stille Kapitulation
Abseits der geopolitischen Schlagzeilen offenbarte sich heute, wie tief die Krise in der deutschen Autoindustrie reicht. Der Volkswagen-Konzern meldete für das abgelaufene Jahr einen operativen Gewinn von 8,9 Milliarden Euro – ein Rückgang um 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr. US-Zölle, Währungseffekte und der teure Konzernumbau fordern ihren Tribut.
Noch dramatischer die Lage bei der einstigen Ertragsperle Porsche. Seit dem Börsengang 2022 hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert, die Margen sind kollabiert, im wichtigsten Markt China verliert man massiv Boden. Der neue CEO reagiert mit einer Strategie, die Bände spricht: harte Kostensenkungen und eine stärkere Rückbesinnung auf den Verbrennungsmotor. Es ist das stille Eingeständnis, dass die reine Elektro-Offensive im aktuellen globalen Umfeld an ihre wirtschaftlichen Grenzen stößt. Wer vor drei Jahren „all in“ auf Batterie setzte, korrigiert nun den Kurs.
Nukleare Renaissance und ein Abschied in Mainz
Während die deutsche Autoindustrie mit der Transformation ringt, formiert sich auf europäischer Ebene eine energiepolitische Kehrtwende von historischer Tragweite. Auf dem Nuklear-Gipfel in Paris machte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heute unmissverständlich klar, Europa habe einen „strategischen Fehler“ begangen, als es sich von der Kernenergie abwandte. Die kaum verhüllte Kritik an der deutschen Entscheidung, seine Reaktoren abzuschalten, war unüberhörbar. Deutschland steht in dieser Frage zunehmend isoliert da – und die aktuelle Energiekrise dürfte die Debatte hierzulande erneut anfachen.
Einen echten Einschnitt gibt es derweil am deutschen Biotech-Standort: Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Köpfe hinter dem Corona-Impfstoffwunder, werden BioNTech spätestens Ende 2026 verlassen, um ein neues Unternehmen für die nächste Generation von mRNA-Medikamenten zu gründen. Für Serienunternehmer ein logischer Schritt. Für den Konzern, der ihnen seinen Weltruf verdankt, dennoch ein symbolischer Verlust.
Was das für Sie bedeutet
Die Finanzmärkte spielen derzeit ein riskantes Spiel. Sie kaufen politische Rhetorik und blenden militärische Realitäten aus. Die Flucht in Risikoanlagen – die paradoxerweise auch Bitcoin in Richtung der 71.000-Dollar-Marke trieb – steht auf wackeligem Grund.
Gestern warnte ich Sie: Preissetzungsmacht und robuste Bilanzen werden entscheidend. Die heutigen Zahlen aus Wolfsburg und Stuttgart bestätigen das auf schmerzhafte Weise. Solange die Straße von Hormus ein Nadelöhr der Angst bleibt und Verteidigungsminister Hegseth den „intensivsten Tag“ ausruft, ist die Volatilität nicht verschwunden. Sie holt nur Luft.
Für Ihr Portfolio stellt sich in einem solchen Umfeld eine entscheidende Frage: Wie handeln Sie strukturiert, wenn der Markt täglich die Richtung wechselt? Trader und Analyst Jörg Mahnert hat dafür eine konkrete Methode entwickelt, die auf der bewährten Point-&-Figure-Technik basiert und gezielt auf starke Kursbewegungen setzt – unabhängig davon, ob der Markt steigt oder fällt. Mit dieser Methode erzielte er nachweisbar +68 Prozent mit Renk in 62 Tagen, +108 Prozent mit Rheinmetall in 60 Tagen und +26 Prozent mit Aurubis in 58 Tagen. Das Prinzip: Jeder Trade hat vor dem Einstieg ein klar definiertes Kursziel und einen festen Stop-Loss – kein Rätselraten, sondern binäre Entscheidungslogik. In seiner Live-Konferenz zeigt Mahnert, wie Sie mit diesem Ansatz aus 1.000 Euro schrittweise bis zu 25.000 Euro aufbauen können – mit ein bis zwei Trades pro Woche. Zur Methode von Jörg Mahnert: Der Absahnplan im Detail
Ich wünsche Ihnen einen klaren Blick auf die Märkte und einen erfolgreichen restlichen Dienstag.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann
