TSMC und Micron liefern Rekorde – die Börse straft trotzdem ab

Trotz Rekordgewinnen bei TSMC und Micron reagieren die Aktienkurse verhalten. Nvidia expandiert in Japan, AMD bereitet den Zen-6-Launch vor.

Dieter Jaworski ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • TSMC meldet fünften Rekordquartalsgewinn
  • Micron mit Rekordumsatz trotz Kursverlusten
  • AMD kündigt Zen-6-Vorstellung für Juli an
  • Ams Osram fokussiert sich auf Photonik

Eigentlich müssten Rekordgewinne für Kursfeuerwerk sorgen. Bei TSMC passierte am Donnerstag das Gegenteil: Der weltgrößte Auftragsfertiger meldete den fünften Rekordquartalsgewinn in Folge – und die Aktie gab trotzdem nach. Der Halbleitersektor zeigt gerade eindrucksvoll, dass in diesem KI-getriebenen Markt Zahlen allein nicht mehr reichen, um Anleger zu überzeugen.

Während TSMC mit seinen Milliardenzahlen für Schlagzeilen sorgte, schrieben Nvidia, Micron, AMD und Ams Osram eigene Kapitel. Nvidia balanciert zwischen China-Restriktionen und einer Japan-Offensive, Micron kämpft trotz Rekordergebnissen mit einem nervösen Chart, AMD steuert auf einen entscheidenden Produktlaunch zu, und Ams Osram treibt seine Verwandlung in einen reinen Photonik-Spezialisten voran.

Nvidia: Japan-Expansion trifft auf triviale China-Lieferungen

Nvidia baut sein Standbein in Japan aus. Führende japanische Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen entwickeln branchenspezifische KI-Modelle auf Basis der offenen Nemotron-Modelle des Konzerns. Mitsubishi Heavy Industries erweiterte zudem seine Kooperation, um Kühl- und Stromversorgungstechnik für Nvidias KI-Fabrikplattform DSX zu entwickeln. Auch die Partnerschaft mit Toyota wächst – Ziel sind KI-Anwendungen für Smart Cities, Verkehrsmanagement und Fertigungsanlagen.

Beim Thema China bleibt die Lage vertrackt. Ein hochrangiger US-Handelsbeamter bezeichnete die bislang nach China verschifften Mengen des H200-Chips als „trivial“. Die Umsatzabhängigkeit von chinesischen Kunden ist ohnehin drastisch gesunken – von rund 9,66 Milliarden auf 4,55 Milliarden Dollar binnen eines Jahres. Der Gesamtumsatz kletterte im gleichen Zeitraum trotzdem auf einen Rekordwert von 81,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent.

Die Stimmung unter Privatanlegern hat sich leicht eingetrübt, bleibt aber konstruktiv. Cantor-Fitzgerald-Analyst C.J. Muse hob sein Kursziel von 300 auf 350 Dollar an und verweist auf eine Nachfrage, die das Angebot übersteigt – ein Vorteil gegenüber AMD, Intel und der wachsenden Zahl kundenspezifischer KI-Chips. Aktuell notiert die Aktie bei 182,90 Euro, nach einem Rückgang von 1,26 Prozent im heutigen Handel. Zum bisherigen Jahreshoch von 202,50 Euro fehlen noch knapp zehn Prozent.

Micron: Rekordzahlen, aber ein nervöser Chart

Micron bleibt das Sinnbild des Speicherbooms – auch wenn die Rally zuletzt spürbar abgekühlt ist. Binnen 30 Tagen verlor die Aktie über 13 Prozent, allein in der laufenden Woche geht es um mehr als 11 Prozent nach unten. Sorgen um die Nachhaltigkeit der KI-Nachfrage und geopolitische Risiken belasten die Stimmung.

Fundamental sieht das Bild komplett anders aus. Im dritten Fiskalquartal erzielte der Speicherchip-Hersteller einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden Dollar, getragen von der explodierenden Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory für KI-Infrastruktur. Die HBM-Kapazitäten sind bis 2027 ausverkauft, vertraglich gesicherte Mehrjahresumsätze belaufen sich auf rund 100 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie übertraf die Erwartungen um fast ein Viertel, während sich die Bruttomarge von 37,7 auf 84,6 Prozent mehr als verdoppelte.

Die Wall Street bleibt größtenteils euphorisch. Melius-Analyst Ben Reitzes hält mit 2.200 Dollar das höchste Kursziel am Markt – ein implizites Kurspotenzial von fast 135 Prozent. Nicht jeder teilt diesen Optimismus: Eine Analyse auf Seeking Alpha empfiehlt angesichts einer Bewertung von über 1,1 Billionen Dollar Gewinnmitnahmen, da das zyklische, rohstoffnahe Geschäftsmodell die aktuelle Bewertung kaum rechtfertige. Zum aktuellen Kurs von 768,80 Euro steht ein Minus von 2,73 Prozent im heutigen Handel zu Buche.

AMD: Countdown zu Zen 6 Venice

Bei AMD hat sich der Kurs deutlich zurückgezogen – ausgerechnet vor einem entscheidenden Produktereignis. Die Aktie büßte in den vergangenen sieben Tagen gut 6 Prozent ein und notiert aktuell bei 449,10 Euro. Der Blick der Anleger richtet sich auf den 22. Juli: Beim Advancing-AI-2026-Event will CTO Mark Papermaster die sechste CPU-Generation vorstellen.

Der EPYC-Venice-Chip basiert auf der Zen-6-Architektur, unterstützt bis zu 256 Kerne und soll laut Unternehmensangaben 1,7-mal so leistungsstark sein wie sein Vorgänger, bei einer Speicherbandbreite von 1,6 Terabyte pro Sekunde. Venice ist zudem AMDs erstes High-Performance-Computing-Produkt, das auf TSMCs 2-Nanometer-Verfahren gefertigt wird. Der Chip bildet die CPU-Hälfte des Helios-Racksystems, das mit den Instinct-MI455X-Beschleunigern gepaart wird.

Die Erwartungshaltung vor dem Event ist hoch. Stifel hob sein Kursziel um 41 Prozent an und rechnet mit einem starken zweiten Quartal samt angehobener Prognose. Im ersten Quartal war der Umsatz bereits um 38 Prozent auf 10,25 Milliarden Dollar gestiegen, das Rechenzentrumsgeschäft legte sogar um 57 Prozent zu. Für das zweite Quartal peilt AMD rund 11,2 Milliarden Dollar Umsatz an, die Zahlen folgen am 4. August.

TSMC: Fünftes Rekordquartal, verhaltene Reaktion

TSMC lieferte, was der Markt seit Wochen erwartet hatte – und übertraf die Erwartungen dennoch deutlich. Der Nettogewinn stieg gegenüber dem Vorquartal um 23,4 Prozent, der Umsatz kletterte auf umgerechnet 39,45 Milliarden Dollar, ein Plus von 36 Prozent zum Vorjahresquartal. Fortschrittliche Fertigungstechnologien mit 7 Nanometern und darunter machten 77 Prozent des gesamten Wafer-Umsatzes aus.

Auch der Ausblick wurde angehoben: Für das dritte Quartal erwartet der Konzern einen Umsatz von mindestens 44,6 Milliarden Dollar, das Wachstum für das Gesamtjahr 2026 soll nun mehr als 40 Prozent betragen statt der zuvor prognostizierten über 30 Prozent.

Die Kursreaktion fiel trotzdem verhalten aus – die Aktie gab vorbörslich nach, nachdem sie im Vorfeld bereits deutlich gestiegen war. Die Marktbewertung liegt bei rund 2,19 Billionen Dollar, fast doppelt so hoch wie bei Samsung Electronics. Bank of America hob ihr Kursziel im Juni von 490 auf 590 Dollar an, Susquehanna von 500 auf 575 Dollar. Parallel investiert TSMC 165 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Chipfabriken in Arizona. Aktuell notiert die Aktie bei 350,50 Euro, nach einem Rückgang von 4,37 Prozent im heutigen Handel – der größte Tagesverlust unter den fünf betrachteten Werten.

Ams Osram: Alles auf digitale Photonik

Während die US-amerikanischen und taiwanischen Schwergewichte die KI-Schlagzeilen dominieren, arbeitet Ams Osram im Hintergrund an einem fundamentalen Umbau. Der Konzern hat den Verkauf seines nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäfts an Infineon für 570 Millionen Euro in bar abgeschlossen. CEO Aldo Kamper bezeichnete den Schritt als bewussten Fokus auf das Kerngeschäft der digitalen Photonik.

Die Transaktion ist Teil einer umfassenderen Bilanzsanierung. Die pro-forma Verschuldungsquote sank durch den Deal auf 2,5. Freigesetztes Kapital fließt nun in Wachstumsfelder wie hochauflösende EVIYOS-Scheinwerferlösungen, Mikro-Emitter-Arrays für AR-Brillen sowie optische Interconnects für KI-Rechenzentren.

Der Kurs hat sich von seinen Tiefständen eindrucksvoll erholt – seit Jahresbeginn steht ein Plus von 130,59 Prozent zu Buche. Analysten bleiben dennoch zurückhaltend: Der Konsens-Kursziel-Durchschnitt liegt spürbar unter dem aktuellen Niveau, die vorherrschende Einstufung lautet „Halten“. Aktuell notiert die Aktie bei 19,60 Euro, nach einem Minus von 3,92 Prozent im heutigen Handel und mit einem Abstand von rund 27 Prozent zum 52-Wochen-Hoch.

Sektordynamik: Fünf Unternehmen, fünf unterschiedliche Zyklen

Die fünf Werte zeigen, wie ausdifferenziert der aktuelle KI-Chipzyklus mittlerweile ist:

  • TSMC bildet das Fundament – die fortschrittlichen Fertigungsknoten liefern sowohl Nvidias GPUs als auch AMDs kommende Venice-Chips.
  • Nvidia bleibt der Taktgeber der Branche, dessen China-Politik-Schlagzeilen die gesamte Gruppe bewegen können.
  • Micron repräsentiert die Speicherseite des KI-Ausbaus, wobei SK Hynix bei HBM-Chips für Nvidias Flaggschiffprodukte weiterhin die Führungsposition hält, Samsung folgt auf Platz zwei, Micron gewinnt aber zunehmend Qualifizierungen hinzu.
  • Ams Osram besetzt eine kleinere, spezialisierte Nische in optischen Halbleitern – die Entwicklung hängt stärker von der Bilanzsanierung und der schmaleren Photonik-Strategie ab als vom Capex-Zyklus der Hyperscaler.
  • Die Volatilität bleibt hoch: Wechselnde China-Exportregeln, Ergebnisvorfreude und Gewinnmitnahmen nach der langen KI-Rally sorgen branchenweit für ausgeprägte Kursschwankungen, bei Speicherwerten zusätzlich verstärkt durch Preis- und Kapazitätsmeldungen aus Korea und Taiwan.

Ausblick: Diese Termine entscheiden die nächsten Wochen

Die kommenden zwei Wochen sind dicht getaktet. Am 22. und 23. Juli stellt AMD auf dem Advancing-AI-Event offiziell Zen 6 Venice vor und liefert Updates zur Helios-Plattform – die Erwartungshaltung an „branchenprägende Ankündigungen“ ist hoch. Am 4. August folgen dann die eigentlichen Quartalszahlen.

Bei Nvidia bleibt die China-Lizenzfrage ungelöst; ob sich die H200-Lieferungen ausweiten, hängt sowohl von US-Behördenprüfungen als auch von Pekings Haltung zu heimischen KI-Chip-Alternativen ab. Micron muss beweisen, dass sich die Preismacht bei HBM-Chips halten lässt, während SK Hynix und Samsung ihre Kapazitäten ausbauen. TSMCs angehobene Jahresprognose setzt für den Rest von 2026 die Messlatte hoch. Und bei Ams Osram entscheidet sich der Weg zur Profitabilität daran, wie schnell sich Design-Gewinne in der Photonik – von KI-Rechenzentren bis zu AR-Brillen – tatsächlich in Umsatzwachstum verwandeln lassen.

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Nvidia Aktie

183,22 EUR

– 2,02 EUR -1,09 %
KGV 31,15
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 5,13 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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