TSMC- vs. ASML-Aktie: Giganten-Kampf um die Chip-Vorherrschaft

TSMC meldet historische Umsatzrekorde, während ASML von Analysten-Euphorie getragen wird. Der Artikel vergleicht die beiden Halbleiter-Schwergewichte in Bezug auf Wachstum, Bewertung und Technologieführerschaft.

Kurz zusammengefasst:
  • TSMC verzeichnete 2025 ein Umsatzplus von 31,6 Prozent
  • ASML-Aktie erreicht neue Höchststände nach Kurszielerhöhung
  • Vergleich von Bewertung, Risiken und technologischen Trümpfen
  • Entscheidende Quartalsberichte beider Firmen stehen im Januar an

Der Halbleitersektor startet mit einem echten Paukenschlag in das Jahr 2026. Es ist gerade einmal 48 Stunden her, dass die Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) ihre finalen Umsatzzahlen für das abgelaufene Jahr präsentierte – und die haben es in sich. Getrieben von einem schier unersättlichen Hunger nach Künstlicher Intelligenz zementierten die Taiwaner ein absolutes Rekordjahr. Doch auch im fernen Europa knallen die Sektkorken: Die ASML Holding reitet derzeit auf einer frischen Welle der Analysten-Euphorie. Erst letzte Woche durchbrach die Aktie neue 52-Wochen-Höchststände, beflügelt durch massive Kurszielanhebungen.

Während sich Anleger nun für die heiße Phase der Berichtssaison zum vierten Quartal in Stellung bringen – der Startschuss fällt am kommenden Donnerstag, den 15. Januar, mit den TSMC-Zahlen –, verschiebt sich der Fokus an der Börse. Die Frage lautet längst nicht mehr nur, ob Wachstum vorhanden ist. Es geht vielmehr um Bewertung und Monopolmacht. Bietet der Foundry-Gigant mit seiner Marktkapitalisierung von 1,7 Billionen US-Dollar aktuell den besseren Einstiegswert? Oder hält der niederländische Ausrüstungs-Monopolist (490 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung) die entscheidenden Schlüssel für das nächste Jahrzehnt in der Hand?

TSMC

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Marktreaktion: Sell the News oder neuer Schub?

Das Börsenjahr 2026 begann für beide Titel explosiv, doch die Treibstoffe dieser Rally könnten unterschiedlicher kaum sein.

TSMC (Ticker: TSM)
Am Freitag, den 9. Januar, legte TSMC die Karten auf den Tisch und veröffentlichte den Umsatzbericht für den Dezember 2025. Die Zahlen waren atemberaubend: 335,0 Milliarden NT$ (ca. 10,6 Milliarden US-Dollar) standen allein für diesen Monat zu Buche – ein sattes Plus von 20,4 Prozent im Jahresvergleich. Damit kletterte der Gesamtjahresumsatz 2025 auf historische 3,81 Billionen NT$ (+31,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Doch wie reagierte die Börse auf dieses Feuerwerk? Überraschend verhalten. Die Aktie handelte kaum verändert bis leicht schwächer im Bereich von 324 US-Dollar. Der Markt scheint in eine klassische „Wait-and-see“-Haltung verfallen zu sein. Investoren warten nervös auf den vollständig geprüften Quartalsbericht am 15. Januar. Die Sorge ist greifbar, dass die hohen Erwartungen bereits vollständig im Kurs eingepreist sind und positive Überraschungen kaum noch Zündstoff bieten.

ASML (Ticker: ASML)
Ganz anders die Stimmungslage bei den Niederländern. ASML genießt derzeit einen echten Ausbruchsmoment. Die Aktie schoss in der vergangenen Woche dynamisch nach oben und markierte am 6. Januar ein neues 52-Wochen-Hoch bei rund 1.246 US-Dollar. Der Katalysator für diesen Kurssprung war eine mutige Analyse von Aletheia Capital. Die Experten verdoppelten ihr Kursziel glatt auf 1.500 US-Dollar und verwiesen auf eine sich beschleunigende Nachfrage nach den hochmodernen High-NA-EUV-Systemen. Im Gegensatz zu TSMC, das sich täglich den harten Realitäten der Produktion stellen muss, wird ASML derzeit von der Fantasie getragen: Das Auftragsbuch für 2026 und 2027 verspricht den massiven Infrastrukturausbau, der für die nächste Generation von KI-Chips zwingend erforderlich ist.

Fundamentaldaten: Wer hat die besseren Zahlen?

Beide Unternehmen sind ohne Zweifel unverzichtbare Säulen des globalen KI-Ökosystems. Doch ein Blick unter die Motorhaube zeigt, dass ihre finanziellen Antriebe völlig unterschiedlich funktionieren.

TSMC: Die unermüdliche Wachstumsmaschine

  • Umsatzkraft: TSMC generiert mittlerweile über 120 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Das beeindruckende Wachstum von 31,6 Prozent im Jahr 2025 ist der ultimative Beweis: Der KI-Boom durch Kunden wie Nvidia, AMD und Apple gleicht die Schwäche in den Automobil- und Industriesektoren mehr als aus.
  • Margen: Die Bruttomargen stabilisieren sich im Bereich von 58 bis 60 Prozent. Das ist umso bemerkenswerter, da bereits die kostenintensive Hochlaufphase für die 2-Nanometer-Produktion begonnen hat. Eine solche Effizienz bei diesen gigantischen Volumina sucht in der Geschichte der Fertigungsindustrie ihresgleichen.
  • Bewertung: Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 22 bleibt TSMC – gemessen an seiner Dominanz und Wachstumsrate – wohl die „günstigste“ Wette auf den KI-Sektor.

ASML: Die Monopol-Prämie

  • Umsatzdynamik: Bei ASML fließen die Einnahmen unregelmäßiger („lumpier“). Sie hängen von der Auslieferung gewaltiger Systeme ab, die jeweils über 350 Millionen US-Dollar kosten. Während das Wachstum 2025 solide war (erwartet ca. 15 Prozent), spielt die Musik im Auftragsbestand für 2026.
  • Burggraben: ASML hält ein 100-prozentiges Monopol auf die Extreme Ultraviolett (EUV) Lithografie. Ohne ASML gibt es keinen Nvidia Blackwell und keinen Apple A19 Chip. Diese absolute Unverzichtbarkeit rechtfertigt den höheren Preisaufschlag an der Börse.
  • Bewertung: Anleger zahlen hier ein erwartetes KGV von 35 bis 40. Das ist der Preis für Sicherheit und Monopolstatus. Die Aktie ist jedoch „priced for perfection“ – technische Verzögerungen bei der Einführung von High-NA darf es hier nicht geben.
KennzahlTSMC (TSM)ASML (ASML)
Marktkapitalisierung~1,7 Bio. $~490 Mrd. $
KGV (Erwartet)~22x~38x
Umsatzwachstum 2025+31,6% (Bestätigt)~15% (Geschätzt)
HauptrisikoGeopolitik (China/Taiwan)Exportkontrollen (China/USA)
Dividendenrendite~1,0%~0,6%
Schlüsseltermin15. Jan. (Q4 Zahlen)28. Jan. (Q4 Zahlen)

Technologie: 2nm-Massenproduktion oder High-NA?

Das Schlachtfeld für das Jahr 2026 wird durch zwei technologische Schlagworte definiert: 2-Nanometer-Chips (2nm) und High-NA EUV.

TSMCs Trumpfkarte: 2nm Massenproduktion
TSMC hat offiziell die Risikoproduktion für seinen 2nm-Knoten (N2) in den Werken in Hsinchu und Kaohsiung gestartet. Berichten zufolge stehen Apple und Nvidia bereits Schlange, um die ersten Chargen zu ergattern. Die am Freitag bestätigten Umsatzdaten zeigen zudem, dass selbst die aktuelle 3nm-Fertigung voll ausgelastet ist. TSMC profitiert nicht nur vom KI-Trend; das Unternehmen ist das einzige Nadelöhr. Wenn TSMC hustet, bekommt die gesamte globale KI-Wirtschaft eine Lungenentzündung.

ASMLs Trumpfkarte: High-NA EUV
ASMLs neue High-NA-Maschinen sind der physikalisch einzige Weg, um die Schaltkreise für 2nm und noch kleinere Strukturen effektiv zu drucken. Die jüngste Analysten-Aufstufung unterstreicht, dass die Bestellungen wahrscheinlich stärker ausfallen als befürchtet. Sorgen über Investitionskürzungen bei Intel oder Samsung scheinen unbegründet. ASML agiert in diesem Krieg als der sprichwörtliche „Waffenhändler“: Egal ob TSMC, Samsung oder Intel das Rennen um die beste Foundry gewinnen – sie alle müssen ihren Tribut an ASML entrichten.

Charttechnik: Ausbruch oder Rücksetzer?

TSMC Analyse:
* Trend: Ein starker Aufwärtstrend dominiert, mit einem Plus von über 50 Prozent in den letzten 12 Monaten.
* Unterstützung: Das Niveau um 318 US-Dollar hat sich während der jüngsten Konsolidierungen als solider Boden erwiesen.
* Widerstand: Das Allzeithoch nahe 333 US-Dollar bleibt der Deckel, den es zu sprengen gilt. Ein überzeugender Quartalsbericht am Donnerstag könnte den nötigen Impuls liefern, um in den Bereich der Preisfindung Richtung 350 US-Dollar vorzustoßen.
* Indikator: Der RSI (Relative Strength Index) kühlt sich derzeit ab. Das deutet darauf hin, dass die Aktie vor den Zahlen nicht überkauft ist – ein gesundes Setup für potenzielle Käufer.

ASML Analyse:
* Trend: Wir sehen einen frischen Ausbruch. Der Sprung über die Marke von 1.200 US-Dollar war technisch signifikant und räumte die Widerstände aus dem späten Jahr 2025 aus dem Weg.
* Ziel: Technische Analysten haben nun die Marke von 1.300 US-Dollar als nächsten psychologischen Halt im Visier, wobei das Analystenziel von 1.500 US-Dollar wie ein Magnet auf Momentum-Trader wirkt.
* Risiko: Die Kurslücke (Gap) der letzten Woche hat nach unten ein Vakuum hinterlassen. Jede Enttäuschung beim Ausblick am 28. Januar könnte dazu führen, dass diese Lücke bis auf 1.150 US-Dollar schnell wieder geschlossen wird.

Fazit für Anleger: Wer hält die Trümpfe?

Das Szenario für TSMC (Value & Wachstum):
Anleger, die Sichtbarkeit bevorzugen, sollten TSMC favorisieren. Die Umsätze sind verbucht, das Wachstum ist mit 31,6 Prozent für 2025 bestätigt und die Bewertung ist mehr als vernünftig. Der einzige Grund, warum diese Aktie nicht mit dem 30-fachen Gewinn gehandelt wird, ist der „China-Malus“. Wer darauf wettet, dass der geopolitische Status quo hält, findet in TSMC wahrscheinlich das beste Chance-Risiko-Verhältnis im gesamten Halbleitersektor.

Das Szenario für ASML (Burggraben & Momentum):
Wer Sicherheit durch Monopolstellung sucht, kommt an ASML nicht vorbei. Die Aktie ist zwar teuer, aber immun gegen den Wettbewerb der Auftragsfertiger. Selbst wenn Samsung Marktanteile von TSMC erobern sollte (kurzfristig unwahrscheinlich), gewinnt ASML. Der jüngste Ausbruch deutet darauf hin, dass sich die Wall Street auf einen „Investitions-Superzyklus“ (Capex Supercycle) im Jahr 2026 einstellt, in dem Big Tech unbegrenzte Milliarden in die Infrastruktur pumpt.

Zusammenfassung

Während wir auf die entscheidenden Berichtswochen im Januar 2026 zusteuern, ist die Divergenz klar erkennbar. TSMC ist die Aktie für Fakten-Liebhaber („Show me the money“) – das Unternehmen liefert hier und jetzt massive Cashflows (allein 10,6 Mrd. $ im Dezember). ASML hingegen ist die Wette auf die „Infrastruktur der Zukunft“ – gehandelt auf der Basis der Unausweichlichkeit der Physik und der nächsten Lithografie-Generation.

Kurzfristig (1-3 Monate): TSMC dürfte bereit sein, direkt auf die Zahlen am 15. Januar zu reagieren. Fällt der Ausblick auf das erste Quartal 2026 stark aus, könnte sich die Bewertungslücke schließen.
Langfristig (1-3 Jahre): ASMLs Monopol auf High-NA EUV garantiert, dass sich die Niederländer ein massives Stück vom globalen Investitionskuchen sichern werden – völlig egal, welche Foundry am Ende dominiert.

Kommende Katalysatoren: Achten Sie am Donnerstag, den 15. Januar, genau auf TSMCs Prognose zu den Investitionsausgaben (Capex) für 2026. Eine Erhöhung des Budgets bei TSMC wäre ein direktes Kaufsignal für ASML.

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