Uber Aktie: Vergleich vor Gericht?
Die Einigung verhindert ein Geschworenenurteil im Musterverfahren und nimmt vorerst Druck aus rund 5.000 weiteren Klagen.

Kurz zusammengefasst
- Vergleich nach Auswahl der Jury erzielt
- Rund 5.000 Klagen weiterhin anhängig
- Niederlande verhängen Bußgeld von 825 Millionen Euro
- Bank of America bewertet Uber mit Buy
Uber Technologies hat kurz vor dem Beginn eines dreiwöchigen Prozesses in Texas einen Vergleich in einem richtungsweisenden Musterverfahren wegen sexueller Übergriffe erzielt. Die vertrauliche Einigung verhindert ein unberechenbares Geschworenenurteil in Austin und entschärft vorübergehend den juristischen Druck aus rund 5.000 anhängigen Klagen. An der Börse legte das Papier heute um 0,7 Prozent auf 62,35 Euro zu.
Wende in der juristischen Abwehrstrategie
Die Einigung erfolgte am Freitag unmittelbar nach der Auswahl der Jury und noch vor den Eröffnungsplädoyers. Zuvor hatte der Fahrdienstvermittler zwei bundesweite Musterverfahren verloren. Im Februar sprach eine Jury in Arizona einer Klägerin 8,5 Millionen US-Dollar zu, im April folgte ein Urteil über 5.000 US-Dollar in North Carolina.
Richter Charles Breyer hatte den Konzern bereits am 8. September dazu gedrängt, seine bisherige Strategie zu überdenken. Zudem untersagte das Gericht Uber kurz vor Verhandlungsbeginn, bestimmte Entlastungsbeweise zur militärischen Hintergrundprüfung des verurteilten Fahrers vorzulegen. Mit dem Vergleich wendet der Konzern nun ein Urteil ab, das Signalwirkung für das gesamte Verfahren hätte entfalten können.
Behörden und Fahrer erhöhen den Druck
Auch außerhalb der US-Gerichtssäle steht der Plattformkonzern vor rechtlichen Auseinandersetzungen. Im Sommer verhängte die niederländische Datenschutzbehörde ein Bußgeld von 825 Millionen Euro wegen automatisierter Kontosperren ohne ausreichende menschliche Aufsicht. Parallel dazu reichte die Organisation Worker Info Exchange in den Niederlanden eine Sammelklage für rund 240.000 europäische Fahrer ein.
Die Rechtsstreitigkeiten fallen in eine Phase betrieblicher Anpassungen. Die Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals ist für Mittwoch, den 4. November, angesetzt.
Zuversicht bei Analysten und Management
Die Analysten von Bank of America sehen das Unternehmen ungeachtet der regulatorischen Risiken gut positioniert. Das Institut stuft die Aktie mit Buy und einem Kursziel von 101 US-Dollar ein. Nach Einschätzung der Experten preist die Bewertung mögliche Belastungen durch künftige Roboterflotten bereits weitgehend ein.
Die Aktie notiert aktuell 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der jüngste juristische Vergleich verschafft dem Konzern vor den Quartalszahlen jedoch eine wichtige Atempause.
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