UniCredit Aktie: Barclays-Wette auf Gewinne?
Barclays erwartet bis 2028 höhere Gewinne; UniCredits Geschäftsrückholung und angestrebte Commerzbank-Kontrolle sind noch nicht abgeschlossen.

Kurz zusammengefasst
- Gewinnschätzungen bis 2028 um 16 Prozent erhöht
- Kursziel steigt auf 102,60 Euro
- Rückkauf des Wertpapiergeschäfts vereinbart
- Commerzbank-Kontrolle bis Jahresende angestrebt
Barclays setzt bei UniCredit auf höhere Gewinne: Analystin Paola Sabbione hob am Mittwoch ihre Ergebnisprognosen bis 2028 um 16% an. Zugleich erhöhte das Haus sein Kursziel und bestätigte die Empfehlung „Overweight“. Die optimistischere Einschätzung trifft auf einen Konzern, der sein Wertpapierdienstleistungsgeschäft zurückholen und bei der Commerzbank die Kontrolle erreichen will.
Höheres Kursziel braucht operative Bestätigung
Die Anhebung betrifft damit nicht allein den Bewertungsmaßstab für die Aktie. Barclays erwartet auch eine stärkere Gewinnentwicklung als zuvor. Für Anleger liegt darin die wesentliche Aussage der Analystenaktion: Das höhere Ziel geht mit veränderten Ergebniserwartungen einher.
Konkret stieg das Kursziel von EUR 94,50 auf EUR 102,60. Die bestätigte Einstufung „Overweight“ unterstreicht die positive Haltung des Hauses. Eine Prognose bleibt allerdings eine Erwartung und ist kein bereits erzieltes Ergebnis.
Den nächsten Anlass zur Überprüfung der operativen Entwicklung liefern die angekündigten Geschäftszahlen. UniCredit will am 8. November die Ergebnisse des dritten Quartals und der ersten neun Monate 2026 veröffentlichen. Dieser Termin richtet den Blick auf die Frage, wie gut das tatsächliche Geschäft die gestiegenen Gewinnerwartungen stützt.
Rückholung des Geschäfts noch nicht vollzogen
Parallel arbeitet UniCredit an Veränderungen innerhalb des Konzerns. Dabei geht es nicht nur um Expansion durch Beteiligungen, sondern auch darum, Tätigkeiten wieder selbst zu übernehmen.
Am Dienstag vereinbarte UniCredit den Rückerwerb ihres italienischen Wertpapierdienstleistungsgeschäfts von Société Générale. Vorgesehen ist der Wechsel von 54 spezialisierten Beschäftigten in Mailand und Turin. Der Übergang wird frühestens im Januar 2027 erwartet und steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Verfahren.
Nach Angaben von UniCredit unterstützt der Schritt die Internalisierung von Tätigkeiten und das Transformationsprogramm. Die Vereinbarung bedeutet damit noch keinen abgeschlossenen Übergang des Geschäfts.
Das Transformationsprogramm soll nach Unternehmensangaben mehr als 200 Stellen schaffen. Für die Einordnung der höheren Gewinnprognosen ist wichtig, zwischen solchen angekündigten Veränderungen und bereits gemeldeten Geschäftsergebnissen zu unterscheiden.
Commerzbank bleibt ein Vorhaben unter Vorbehalt
Eine weitere strategische Weichenstellung betrifft die Beteiligung an der Commerzbank. Auch hier liegen die aufsichtsrechtliche Erlaubnis und die angestrebte Umsetzung nicht auf derselben Stufe.
Am 15. Oktober wurde bekannt, dass die Europäische Zentralbank UniCredit das Überschreiten der Beteiligungsschwelle von 30% ohne Obergrenze erlaubt hat. UniCredit erwartet, bis Jahresende etwa 50% der Stimmrechte zu erreichen und die Kontrolle zu übernehmen. Dies bleibt von den noch ausstehenden Verfahren abhängig.
Die höheren Analystenerwartungen treffen somit auf mehrere noch nicht abgeschlossene Vorhaben. Für Anleger sind die kommenden Ergebnisse der unmittelbare Prüfstein; die Rückholung des Dienstleistungsgeschäfts und der angestrebte Kontrollerwerb bleiben davon getrennte Umsetzungsschritte.
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