UniCredit Aktie: Die Commerzbank-Keule!
Die EZB erlaubt UniCredit eine höhere Beteiligung; weitere Behördenprüfungen und Gespräche mit der Bundesregierung stehen noch aus.
Kurz zusammengefasst
- EZB genehmigt Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle
- Unicredit kontrolliert 49,65 Prozent der Stimmrechte
- Tatsächliche Kontrolle gegen Jahresende erwartet
- Weitere Genehmigungen und Garantien noch offen
Die Europäische Zentralbank hat den Weg für eine faktische Beherrschung der Commerzbank durch UniCredit frei gemacht. Die Aufsichtsbehörde gestattete dem italienischen Bankkonzern, die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent ohne festgelegte Obergrenze zu überschreiten. Damit rückt UniCredit-Chef Andrea Orcel seinem Ziel näher, das Frankfurter Institut schrittweise unter das Dach der Mailänder Großbank zu bringen. An den Märkten notiert das UniCredit-Papier bei 75,81 Euro und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von 6,7 Prozent.
Zugriff auf fast die Hälfte der Stimmrechte
Die Entscheidung der Aufsicht ermöglicht es UniCredit, die im Sommer über ein Tauschangebot gesicherten Commerzbank-Anteile vollständig einzubinden. Die Italiener halten direkt 26,77 Prozent des Kapitals und können über Finanzinstrumente auf weitere 3,22 Prozent zugreifen.
Zusammen mit den angedienten Papieren aus dem Tauschangebot kontrolliert die Großbank 47,59 Prozent des Kapitals, was unter Berücksichtigung eigener Aktien der Commerzbank einem Stimmrechtsanteil von 49,65 Prozent entspricht.
Vorbehaltlich noch ausstehender behördlicher Zustimmungen rechnet das Management in Mailand damit, gegen Jahresende die tatsächliche Kontrolle über das Frankfurter Geldhaus zu übernehmen. Eine vollständige gesellschaftsrechtliche Verschmelzung, zu der auch eine Verbindung mit der Münchner Tochtergesellschaft HypoVereinsbank gehören könnte, peilt UniCredit nach derzeitigem Stand für den Zeitraum zwischen 2029 und 2030 an.
Politische Forderungen aus Berlin
Parallel zur regulatorischen Weichenstellung verhandelt die Bank mit der Bundesregierung, die gut 13 Prozent an der Commerzbank hält. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bezeichnete den direkten Austausch mit Vertretern der italienischen Bank als konstruktiv. Zugleich pocht die Regierung auf verbindliche Garantien für den Heimatmarkt.
Zu den Kernforderungen Berlins gehören neben der Sicherung des Hauptsitzes in Frankfurt am Main der Fortbestand der eigenständigen Börsennotierung und die verlässliche Kreditvergabe an den deutschen Mittelstand. Zudem fordert die Bundesregierung einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Beim Commerzbank-Konzern mit seinen weltweit rund 40.000 Vollzeitkräften waren zuvor Befürchtungen über einen Abbau tausender Arbeitsplätze laut geworden.
Ausstehende Prüfungen internationaler Behörden
Bevor die Stimmrechte voll wirksam ausgeübt werden können, müssen weitere Regulierungsstellen zustimmen. Neben der laufenden Fusionskontrolle durch die Europäische Kommission, deren vorläufige Prüfphase am 16. November endet, stehen formelle Genehmigungen der US-Notenbank Federal Reserve sowie der polnischen Finanzaufsicht bezüglich der Commerzbank-Tochter mBank aus.
Mit einem Abstand von zwölf Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 86,41 Euro spiegelt die UniCredit-Aktie derzeit die noch offenen Genehmigungsschritte wider. Gelingt die Übernahme wie von Orcel geplant, entstünde einer der führenden Bankkonzerne im Euroraum. Bis zur vollständigen Vollzugsmeldung bestimmen vor allem die Brüsseler Kartellprüfung und die Verhandlungen über Beschäftigungsgarantien das Geschehen.
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