UniCredit Aktie: EZB entscheidet bald über Commerzbank-Kontrolle
UniCredit hält knapp 50 Prozent der Commerzbank; die EZB prüft die Kontrollübernahme, während beide Banken den Zusammenschluss vorbereiten.

Kurz zusammengefasst
- EZB-Votum wird in Kürze erwartet
- Unicredit hält knapp 50 Prozent
- Bilanzintegration für 2026 oder 2027 vorbereitet
- Bank of America bestätigt Kaufempfehlung
Die Übernahmepläne der italienischen Großbank UniCredit für die Commerzbank erreichen die entscheidende Phase. Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp rechnet nach eigenen Angaben mit einer Entscheidung der Europäischen Zentralbank über die Kontrollübernahme durch UniCredit in den kommenden Tagen oder Wochen. Die Italiener haben sich bereits knapp 50 Prozent der Anteile an dem Frankfurter Geldhaus gesichert.
Eine Genehmigung durch die Aufsicht wäre die formelle Voraussetzung für den italienischen Konzern, die faktische Führung bei der Commerzbank zu übernehmen. Weitere Genehmigungen von Behörden werden noch im laufenden Jahr oder spätestens Anfang 2027 erwartet. Zudem soll die EU-Kommission laut Reuters bis zum 16. November 2026 eine erste kartellrechtliche Prüfung abschließen.
Vorbereitungen für die Bilanzkonsolidierung laufen
Hinter den Kulissen bereiten sich beide Institute bereits auf den Zusammenschluss vor. Die Konsolidierung der Commerzbank-Finanzzahlen in die Bilanz von UniCredit wird für den Jahresabschluss 2026 oder das erste Quartal 2027 vorbereitet. Nach Angaben von Orlopp prüfen die Geldhäuser gemeinsame Ansätze bei der Beschaffung, den IT-Kosten, digitalen Vermögenswerten sowie den Produktplattformen.
Gleichzeitig zeichnen sich strategische Differenzen ab. Während UniCredit plant, das internationale Geschäft der Commerzbank zurückzufahren, hält die Commerzbank-Chefin dieses für kundenrelevant. Auch über personelle Weichenstellungen wird spekuliert: UniCredit-CEO Andrea Orcel hat Medienberichten zufolge eine mögliche Ablösung Orlopps nach erfolgter Kontrollübernahme angesprochen. Der Vertrag der Managerin läuft regulär bis 2029.
Analystenlob und anstehende Kapitalentscheidungen
An den Finanzmärkten sorgten die Aussagen zur Wochenmitte für Zurückhaltung. Die Aktie von UniCredit notiert bei 76,33 Euro, was einem Tagesverlust von 1,4 Prozent entspricht. Trotz dieser jüngsten Konsolidierung verzeichnet das Papier im Zwölfmonatsvergleich ein Plus von 21 Prozent.
Rückendeckung erhält das Mailänder Bankhaus von der US-Investmentbank Bank of America. Die Analysten bestätigten im Vorfeld der anstehenden Quartalszahlen ihre Kaufempfehlung mit der Einstufung als „Top Pick“ und nannten ein Kursziel von 113 Euro je Aktie.
Neben der Expansion steht für Aktionäre in Kürze eine Kapitalausschüttung im Fokus: UniCredit plant für das Geschäftsjahr 2026 einen Abschlagsbetrag auf die Dividende von geschätzt rund 2,8 Milliarden Euro, was etwa der Hälfte der erwarteten Jahres-Bardividende entspricht. Die endgültige Summe soll am 21. Oktober festgelegt werden.
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