UniCredit, Wolfram und der Ölpreis: Die stillen Signale abseits des Index

Abseits des DAX dominieren UniCredit-Commerzbank-Pläne, ein Wolfram-Boom, eine Energiekontor-Warnung und steigende Ölpreise die Märkte.

Eduard Altmann ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • UniCredit plant milliardenschwere Commerzbank-Einsparungen
  • Almonty profitiert von explodierenden Wolfram-Preisen
  • Energiekontor senkt Gewinnprognose drastisch
  • Ölpreis steigt wegen Golfkrise

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

der DAX schrammte in der vergangenen Woche nur knapp an einer neuen Bestmarke vorbei – doch genau das lenkte den Blick auf die falschen Stellen. Die eigentlich entscheidungsrelevanten Bewegungen spielten sich woanders ab: im Ringen um die Zukunft der Commerzbank, in einer Rohstoffkette, die über Chip- und Rüstungsproduktion mitentscheidet, und in einer Gewinnwarnung, die einem Nebenwert binnen eines Handelstages ein Achtel seines Wertes kostete. Wer sein Depot nur nach Indexständen ausrichtet, übersieht solche Verschiebungen leicht.

Commerzbank: Der Umbau beginnt, bevor die Aufsicht zugestimmt hat

UniCredit hält inzwischen 48 Prozent der Commerzbank-Anteile nach dem Aktientauschangebot. Die eigentliche Nachricht der Woche war jedoch der Ausblick von CEO Andrea Orcel: Ab Januar 2026 will er die Kostenbasis der Commerzbank um 1,3 Milliarden Euro senken – rund ein Fünftel der Gesamtkosten – und bis 2030 eine Cost-Income-Ratio von 37 Prozent erreichen. Zum Vergleich: UniCredit selbst liegt aktuell bei 34 Prozent, nachdem Orcel diese Kennziffer von 52 Prozent gedrückt hat; die Commerzbank kommt derzeit auf etwa 50 Prozent. Ambitioniert ist das Ziel also – aber nicht unrealistisch, wenn man weiß, wer es formuliert.

Die EZB sieht das nüchterner. Sie warnt vor einem „komplexen Integrationsprozess“ und gravierenden Risiken; ihre Zustimmung zur Übernahme steht weiterhin aus. Parallel wird eine bewertungsrechtliche Frage relevant: Der neue IDW-Bewertungsstandard S1 sowie jüngere EuGH- und BGH-Urteile schwächen den reinen Börsenkurs als alleinigen Übernahme-Maßstab. Das könnte Minderheitsaktionären zusätzlichen Hebel geben, sollten Verbundvorteile nicht fair verteilt werden. Auch politisch bleibt das Thema heikel: Italiens Ministerpräsidentin Meloni drängt auf einen konstruktiven Dialog zwischen UniCredit und den deutschen Behörden, verlangt aber zugleich den Erhalt der italienischen Wurzeln des Instituts. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei rund 39,74 Euro – ein Kurs, der noch nicht abbildet, was ein Bewertungsstreit vor Gericht am Ende kosten könnte. Volatilität bis zur EZB-Entscheidung ist damit so gut wie programmiert.

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Während sich die Commerzbank-Übernahme zu einem Prüfstein für die künftige Kräfteverteilung im europäischen Bankensektor entwickelt, rückt eine größere Frage in den Fokus: Steht der Kontinent insgesamt vor einer wirtschaftlichen Wiederbelebung? Ein aktueller Report analysiert, wohin Kapital in Europa derzeit strömt und welche Branchen von diesem Aufschwung profitieren könnten. Jetzt die Analyse zu Europas Comeback sichern

Almonty: Wolfram wird zum handelbaren Krisenschutz

Während in Frankfurt über Bankenfusionen verhandelt wird, hat in Südkorea die Sangdong-Mine die Produktion aufgenommen – und die Almonty-Aktie sprang zuletzt um 9,53 Prozent. Dahinter steckt mehr als ein Produktionsstart: Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 43,0 Millionen kanadische Dollar, ein Plus von 498 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer Bruttomarge im Bergbaugeschäft von 60,7 Prozent. Der langfristige Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders wurde auf 490 Millionen US-Dollar jährliche Einnahmen über 21 Jahre erweitert – eine Größenordnung, die man in Relation zur aktuellen Marktkapitalisierung von rund 3,83 Milliarden US-Dollar setzen sollte. Ein Analyst nennt inzwischen ein Kursziel von 20 US-Dollar je Aktie.

Der Hintergrund ist ebenso einfach wie brisant: Internationale Wolfram-Preise haben sich binnen eines Jahres versechsfacht, nachdem die USA Exportbeschränkungen für Wolfram-Schrott und Batterie-„Black Mass“ verhängt haben. Dass Rheinmetall für seine Ausweitung der Artilleriemunitions-Kapazität auf 1,5 Millionen Geschosse bis 2030 auf genau diesen Rohstoff angewiesen ist, zeigt, wie eng Rüstungs- und Rohstoffgeschichte inzwischen verzahnt sind. Wer diese Abhängigkeit spielen will, muss nicht zwingend den teuren Rüstungswert selbst kaufen – er kann auch dort ansetzen, wo der Engpass tatsächlich entsteht.

Energiekontor: Wenn eine Prognosekorrektur den Jahresgewinn pulverisiert

Ganz anders die Lektion aus Bremen: Der Windpark-Projektierer senkte seine EBT-Prognose für 2026 von 40 bis 60 Millionen Euro auf nur noch 5 bis 10 Millionen Euro. Die Reaktion fiel entsprechend hart aus – am Freitag rutschte das Papier um 12 Prozent auf 26,50 Euro und markierte dabei ein neues 52-Wochen-Tief bei 26,05 Euro. Über zwölf Monate hat die Aktie damit rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Der Fall erinnert daran, wie stark projektbasierte Erträge in der grünen Energiebranche vom Timing einzelner Verkäufe abhängen – ein Risiko, das Anleger bei vermeintlich stabilen Erneuerbaren-Werten regelmäßig unterschätzen.

Ölpreis und Gold: Die Golf-Krise bekommt einen Preis

Die Ölpreise zogen am Freitag deutlich an, Brent kletterte über die Marke von 88 Dollar. Gold profitierte parallel von nachlassenden Zinserhöhungssorgen und der Nahost-Risikoprämie – binnen eines Monats ein Anstieg von rund 9 Prozent. Wer Öl- oder Gold-ETCs als Absicherung im Depot hält, wurde für diese Position in den vergangenen Wochen belohnt, unabhängig davon, wie sich die politische Lage am Golf im Detail weiterentwickelt.

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Der Sprung der Wolframpreise zeigt, wie schnell Rohstoffengpässe abseits der bekannten Standardwerte zu handfesten Chancen werden – ähnliche Verschiebungen zeichnen sich derzeit auch in Energie- und Hightech-Sektoren ab. Ein Spezial-Report von Analyst Mike Rückert stellt fünf Aktien aus Energie, Gesundheit und Hightech vor, die von solchen Trends profitieren könnten. Hier den Spezial-Report herunterladen

Bitcoin: ETF-Abflüsse trüben das Bild, die institutionelle Basis bleibt

Am Mittwoch flossen 131,1 Millionen Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs ab, allein aus ARKB und FBTC zusammen fast 114 Millionen Dollar, während der Bitcoin-Kurs auf rund 62.900 bis 63.900 Dollar zurückfiel. Trotzdem bleibt der August-Saldo mit 521 Millionen Dollar Nettozufluss insgesamt positiv – ein Hinweis darauf, dass einzelne Abflusstage weniger über den Trend aussagen als das Monatsbild. Strukturell bauen große Adressen ihre Positionen ohnehin weiter aus: JPMorgan erhöhte seinen IBIT-Bestand zum 30. Juni auf 10,4 Millionen Anteile im Wert von 355,7 Millionen Dollar und stieg zusätzlich über einen Ether-ETF ein, Harvard Management hielt zum selben Stichtag IBIT-Anteile im Wert von 101 Millionen Dollar. Die institutionelle Basis wächst also weiter, selbst wenn kurzfristige Fondsflüsse schwanken.

Unterm Strich

Vier Linien prägten die vergangene Woche, und keine davon zeigt sich im DAX-Stand: die Commerzbank, wo ein Übernahme-Plan schon konkrete Kostenziele nennt, während die eigentliche Genehmigung noch fehlt; Wolfram, wo ein Rohstoff-Engpass eine Nebenwert-Aktie handelbar macht, ohne dass Anleger den teuren Rüstungssektor direkt kaufen müssen; die grüne Energiebranche, wo eine einzelne Prognosekorrektur zeigt, wie fragil projektbasierte Erträge sein können; und Öl sowie Gold, die als Preisschild einer Krise fungieren, die sich politisch noch nicht gelöst hat. Die kommende Woche dürfte zeigen, ob sich diese vier Linien fortsetzen: Am Montag liefern der NY Empire State Manufacturing Index und der NAHB-Hausmarktindex erste frische US-Konjunktursignale, nachdem schwächere Einzelhandelsdaten die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Fed-Zinserhöhung bereits gedämpft haben. Für die Commerzbank bleibt die EZB-Entscheidung der eigentliche Prüfstein, für Energiekontor die Frage, ob sich die Prognosekorrektur als Einzelfall oder als Muster erweist.

Das Wochenende neigt sich dem Ende zu – nutzen Sie den Sonntagabend, um diese vier Linien im Kopf zu sortieren. Am Montag zeigt sich, welche davon Bestand haben.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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