Unilever Aktie: Bestes Quartal seit Jahren
Unilever verzeichnet das stärkste organische Wachstum seit Jahren, der Aktienkurs legt deutlich zu. Analysten sehen Potenzial für eine Neubewertung.

Kurz zusammengefasst
- Aktie springt um 6,5 Prozent nach oben
- Stärkstes Mengenwachstum seit über zehn Jahren
- Operative Marge verbessert sich leicht
- Konzern hebt Umsatzprognose für 2026 an
Unilever meldet ein Halbjahr mit zwei Gesichtern: Der ausgewiesene Gewinn sinkt, das Kerngeschäft wächst so kräftig wie seit Jahren nicht mehr. An der Börse zählt an diesem Dienstag eindeutig Letzteres.
Die Aktie sprang kurz nach Handelsbeginn um sechseinhalb Prozent auf 4.927,50 Pence und verließ damit die seit Ende Juni bestehende Handelsspanne. Für das laufende Jahr steht der Titel damit wieder im Plus.
Volumenwachstum treibt die Erholung
Der Umsatz kletterte organisch um 4,8 Prozent, im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum sogar auf 5,8 Prozent – nach eigenen Angaben das stärkste Mengenwachstum des Konzerns seit über einem Jahrzehnt. Nominal stieg der Umsatz nur leicht auf 25,6 Milliarden Euro, da Währungseffekte gegensteuerten. Die Power Brands, die 78 Prozent des Umsatzes stellen, wuchsen mit 6,0 Prozent noch schneller als der Konzern insgesamt – Indien, Indonesien und Lateinamerika lieferten dabei die stärksten Impulse.
Auf Segmentebene zeigte sich ein gemischtes Bild: Personal Care legte um 4,2 Prozent zu, Beauty & Wellbeing wuchs moderat, während das Foods-Geschäft um 4 Prozent schrumpfte – ein Segment, das ohnehin vor der Abspaltung steht.
Margen stabil, Gewinn je Aktie rückläufig
Die operative Marge verbesserte sich leicht auf 20,3 Prozent, gestützt durch ein mittlerweile abgeschlossenes Produktivitätsprogramm im Volumen von 800 Millionen Euro. Der den Aktionären zurechenbare Gewinn fiel dennoch auf 3,316 Milliarden Euro von 3,512 Milliarden Euro im Vorjahr – bereinigt um Sondereffekte stieg der Gewinn hingegen auf 3,508 Milliarden Euro. Der Vorstand erhöhte die Quartalsdividende um 3 Prozent auf 0,4664 Euro je Aktie, zahlbar am 18. September. Parallel dazu schloss Unilever ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Euro ab.
JPMorgan-Analystin Celine Pannuti sieht in der Stärke des Kerngeschäfts einen Treiber für eine Neubewertung der Aktie. Barclays-Experte Warren Ackerman spricht von hervorragenden Ergebnissen, die belegten, dass Unilever schneller wachsen könne als der Wettbewerb – überraschend sei dabei vor allem das Ausmaß der Beschleunigung in den Schwellenländern.
Die geplante Abspaltung des Foods-Geschäfts kommt derweil voran: McCormick hatte am 23. Juli das künftige Betriebsmodell sowie eine geplante Zweitnotierung in London für das kombinierte Unternehmen vorgestellt.
Für das Gesamtjahr hebt Unilever die Erwartung an: Statt am unteren Ende der langfristigen Zielspanne soll das organische Umsatzwachstum nun irgendwo zwischen 4 und 6 Prozent liegen, im zweiten Halbjahr getragen vor allem durch Preiserhöhungen. Die operative Marge soll sich gegenüber dem Vorjahreswert von 20,0 Prozent weiter moderat verbessern.
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