US-Arbeitsmarkt trotzt Kriegsangst

Der US-Arbeitsmarkt schuf im März überraschend viele Jobs, doch der eskalierende Nahost-Konflikt und steigende Energiepreise belasten die wirtschaftlichen Aussichten erheblich.

Felix Baarz ·
US-Arbeitsmarkt trotzt Kriegsangst

Kurz zusammengefasst

  • Überraschend starke Jobzahlen trotz Kriegsangst
  • Energiepreisschock belastet Konsum und Inflation
  • Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr unwahrscheinlich
  • Aussichten für das zweite Quartal deutlich getrübt

Der März-Jobbbericht überrascht positiv — doch die Erleichterung ist trügerisch. Mit 178.000 neu geschaffenen Stellen übertraf der US-Arbeitsmarkt die Erwartungen der Ökonomen deutlich. Dabei hatten viele Analysten angesichts des schwelenden Krieges im Nahen Osten lediglich mit 60.000 neuen Jobs gerechnet. Hinter den starken Zahlen verbergen sich jedoch wachsende Risiken, die den Aufschwung schnell wieder ausbremsen könnten.

Starke Zahlen, trügerische Oberfläche

Der Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,3 % klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte. Der Februar hatte mit einem revidierten Stellenminus von 133.000 noch düster ausgesehen — ein Ende des Streiks bei Kaiser Permanente in Kalifornien und Hawaii sowie milderes Wetter sorgten nun für die Gegenbewegung. Rund 31.000 streikende Krankenschwestern kehrten im späten Februar an ihre Arbeitsplätze zurück und trieben vor allem das Gesundheitssektorwachstum an.

Doch die Aufhellung täuscht. JPMorgan warnt, dass „negative Payroll-Zahlen in einzelnen Monaten häufiger werden könnten“ — selbst wenn das Beschäftigungswachstum insgesamt ausreicht, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten. Der Grund: Durch Massenabschiebungen unter der Trump-Regierung schrumpft das Arbeitskräfteangebot rapide, was letztlich auch die Güter- und Dienstleistungsnachfrage drückt. Ökonomen schätzen, dass unter diesen Bedingungen weniger als 50.000 neue Stellen pro Monat genügen, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten — manche gehen sogar von null oder negativen Schwellenwerten aus.

Der Nahe Osten überschattet alles

Was den März-Bericht fast zur Nebensache macht, ist der makroökonomische Hintergrund: der nun seit über einem Monat andauernde Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran. Öl der Sorte WTI überstieg am Donnerstag die Marke von 110 Dollar pro Barrel, nachdem die Rohstoffpreise im März bereits um rekordverdächtige 60 % gestiegen waren. Der US-Durchschnittspreis für Benzin überschritt erstmals seit mehr als drei Jahren die Schwelle von 4 Dollar pro Gallone.

Diese Energiepreisschocks wirken wie ein stiller Steuererheher für Millionen von Haushalten. Höhere Benzinpreise fressen Lohnzuwächse auf und bremsen den privaten Konsum — ausgerechnet die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft. Der Aktienmarkt hat das bereits honoriert: Allein im März wurden rund 3,2 Billionen Dollar Börsenwert vernichtet.

Präsident Trump drohte am Donnerstag auf Truth Social mit noch schwereren Angriffen: „Bridges next, then Electric Power Plants.“ Teheran reagiert mit der Befestigung seiner Ölinfrastruktur — insbesondere der strategisch wichtigen Kharg-Insel — und dem Aufbau unterirdischer Tunnelnetze. Die Lage eskaliert, während Trump gleichzeitig erklärt, der Konflikt sei „fast beendet.“

Inflation als nächster Stresstest

Der Jobmarkt liefert also ein widersprüchliches Bild: stark genug, um keine Panik auszulösen, aber fragil genug, um Warnzeichen zu setzen. Für die Finanzmärkte wird der nächste große Test am 10. April kommen: Der Verbraucherpreisindex für März. BNP Paribas rechnet mit einem monatlichen Anstieg von 0,9 % — dem stärksten seit 2022. „Die erste Welle der Öl-Preisübertragung dürfte im März über die Kraftstoffpreise angekommen sein“, schreiben die Analysten.

Die Federal Reserve ließ ihren Leitzins zuletzt unverändert im Korridor von 3,50 % bis 3,75 %. Eine Zinssenkung in diesem Jahr gilt mittlerweile als weitgehend ausgeschlossen — zu stark ist das Inflationsrisiko durch den Energiepreisanstieg, zu unklar der Ausgang des Konflikts. Matthew Miskin von Manulife John Hancock Investments bringt die Stimmung auf den Punkt: „Es wird schwer sein, die Aufmerksamkeit der Märkte vom Nahen Osten und den Ölpreisen wegzubekommen.“

Hormuz-Passage und globale Wellen

Mitten in diese Gemengelage platzte eine bemerkenswerte Meldung: Ein Containerschiff des französischen Konzerns CMA CGM durchquerte als erstes westlich verbundenes Schiff seit Kriegsbeginn die Straße von Hormus. Die „CMA CGM Kribi“ navigierte unter Angabe ihrer französischen Eigentümerschaft entlang der iranischen Küste — ein vorsichtiges Aufflackern kommerzieller Aktivität in einem Seeweg, durch den normalerweise 20 % der weltweiten Öllieferungen fließen.

Die symbolische Bedeutung ist kaum zu überschätzen. Trump hatte NATO-Verbündete aufgefordert, die Verantwortung für die Sicherung der Meerenge zu übernehmen — Frankreichs Präsident Macron wies das scharf zurück. „Das ist keine Show. Wir reden über Krieg und Frieden und das Leben von Menschen“, sagte Macron. Der Ton zwischen Washington und Paris ist vergiftet.

Japan wiederum kämpft derweil an einer anderen Front: Der Yen nähert sich der psychologisch kritischen Marke von 160 je Dollar, angetrieben von der sicheren Dollar-Nachfrage in Krisenzeiten. Finanzministerin Satsuki Katayama warnte Devisenhändler offen vor möglichen Interventionen. „Die Volatilität hat erheblich zugenommen“, sagte sie. Ob Tokyo tatsächlich eingreift, hängt wohl auch vom Ausgang des Bank-of-Japan-Treffens Ende April ab.

Ausblick: Das zweite Quartal entscheidet

Der März-Arbeitsmarktbericht spiegelt noch eine Welt vor dem vollen Einschlag des Krieges wider. Brian Bethune, Ökonomieprofessor am Boston College, erwartet, dass sich Unternehmen im April und Mai zurückziehen werden: „Die Aussichten für das zweite Quartal sind einfach nicht gut.“ Ähnlich sieht es Sophia Kearney-Lederman von FHN Financial: Unsicherheit lähmt Einstellungsentscheidungen — so wie im vergangenen Jahr die Zollunsicherheit, diesmal ist es der Krieg.

Ob der positive Impuls aus dem März in die nächsten Monate getragen werden kann, bleibt offen. Die Kombination aus eskalierendem Konflikt, steigenden Energiepreisen, einbrechenden Stellenangeboten und schwächerem Konsumklima lässt wenig Spielraum für Optimismus. Die wirklich harte Bewährungsprobe für den US-Arbeitsmarkt steht erst noch bevor.

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