US-Jobdaten lösen Rohstoff-Beben aus — Silber stürzt, Öl hält dagegen

Starke US-Beschäftigungszahlen lassen Gold und Silber einbrechen, während die Hormuz-Krise den Ölpreis stützt. Kupfer leidet unter Zollängsten.

Eduard Altmann ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Silber verliert über acht Prozent
  • Gold fällt auf tiefsten Stand seit März
  • Brent-Öl durch Hormuz-Krise gestützt
  • Kupfer unter Druck durch Zollunsicherheit

Ein einziger Datenpunkt, fünf verschiedene Reaktionen: Der Mai-Arbeitsmarktbericht aus den USA hat am Freitag den gesamten Rohstoffkomplex durchgeschüttelt. Überraschend starke Beschäftigungszahlen ließen den Dollar anspringen, die Anleiherenditen nach oben schießen — und die Rohstoffpreise reihenweise einbrechen. Silber erwischte es mit einem Tagesverlust von über acht Prozent am härtesten. Nur der Ölmarkt zeigte sich in der Wochenbilanz widerstandsfähig, getragen von der ungelösten Hormuz-Krise.

Gold taumelt Richtung 4.300 Dollar

Die robusten Jobdaten trafen Gold ins Mark. Am Freitagnachmittag in London sank die Feinunze auf rund 4.347 US-Dollar — das tiefste Niveau seit Ende März. Im Wochenverlauf summierte sich der Verlust auf knapp fünf Prozent.

Der Mechanismus ist bekannt, aber diesmal besonders schmerzhaft: Stärkere Beschäftigung nährt Erwartungen auf Leitzinsanhebungen. Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 48 Prozent für eine Zinserhöhung bis Jahresende. Für ein Edelmetall, das keine laufende Rendite abwirft, ist das Gift.

Auch die Bestandsentwicklung beim SPDR Gold Shares — dem weltgrößten physisch besicherten Gold-ETF — signalisiert nachlassenden Appetit. Die Abflüsse haben sich in den letzten Tagen spürbar beschleunigt. Aus markttechnischer Sicht rutscht der Preis unter die viel beachtete 200-Tage-Durchschnittslinie. Marktstratege Elias Haddad von Brown Brothers Harriman warnt: Ein nachhaltiger Bruch dieser Linie birgt das Risiko weiterer Verluste.

Das übergeordnete Bild bleibt allerdings intakt. Gold hat 2026 mit dem Allzeithoch bei 5.598 Dollar einen historischen Meilenstein gesetzt. Die aktuelle Korrektur wäre eine gesunde Konsolidierung, solange die Unterstützungszone zwischen 4.000 und 4.200 Dollar hält. Der Abstand zum Jahrestief bei 3.901 Dollar beträgt noch rund zwölf Prozent.

Silber Preis: Brutaler Freitag mit acht Prozent Minus

Silber traf es deutlich härter als Gold. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 67,96 US-Dollar — ein Tagesverlust von 8,32 Prozent. Damit hat das Edelmetall binnen einer Woche über zehn Prozent eingebüßt und notiert tief unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 76,37 Dollar.

Die Erklärung liegt in der Positionierung der Marktteilnehmer. Große Spekulanten hielten in COMEX-Silber-Futures netto 23.926 Long-Kontrakte — mehr als in der Vorwoche. Sie setzten also auf steigende Kurse, genau bevor der Markt kippte. Als der starke Dollar und steigende Renditen auf zehnjährige US-Treasuries bei 4,53 Prozent die Richtung vorgaben, lösten sich diese Positionen in einer Kettenreaktion auf. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 59 Prozent unterstreicht, wie extrem die Ausschläge im Silbermarkt derzeit ausfallen.

An der strukturellen Angebotsgeschichte ändert der Freitag nichts. Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste Defizitjahr in Folge. Zwischen 2021 und 2026 summiert sich der Angebotsfehlbetrag auf 820 Millionen Unzen. Eine Reuters-Umfrage sieht den Jahresdurchschnitt bei rund 79,50 Dollar je Unze — deutlich über dem aktuellen Niveau.

Für die kommenden Tage zeichnen Marktbeobachter folgende Orientierungsmarken:

  • Widerstand: 71–72 Dollar, darüber der 50-Tage-Durchschnitt bei 76,17 Dollar und die 78-Dollar-Marke
  • Unterstützung: 66 Dollar und 65 Dollar, darunter 61 Dollar und 60 Dollar

Brent Crude: Hormuz-Krise stützt trotz Freitagsschwäche

Während Edelmetalle unter den Jobdaten litten, zeigte Brent Crude eine gespaltene Persönlichkeit. Am Freitag gab die Nordseesorte zwar auf 92,89 US-Dollar nach — ein Minus von 2,36 Prozent. Im Wochenverlauf steht dennoch ein Plus von gut einem Prozent zu Buche. Der Grund: die ungelöste Krise rund um die Straße von Hormuz.

Anfang Juni feuerte der Iran erneut Raketen und Drohnen auf Kuwait und Bahrain ab. Zwischen den USA und dem Iran kam es zu den intensivsten Raketengefechten seit Beginn der Waffenruhe. Teheran macht die Waffenruhe im Libanon zur Bedingung für weitere Gespräche — Fortschritte sind nicht in Sicht. Präsident Trump bezeichnete die Gespräche zwar als vielversprechend, gleichzeitig lehnte die vom Iran unterstützte Hisbollah einen US-vermittelten Waffenstillstandsvorschlag ab.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gold?

Goldman Sachs nannte die Risiken für seine Brent-Prognose von 90 Dollar je Barrel im vierten Quartal „zweiseitig“. Anhaltende Lieferstörungen im Nahen Osten könnten die Preise weiter treiben. Gleichzeitig schaffe schwächelnde Nachfrage erhebliche Abwärtsrisiken. Die Bandbreite möglicher Szenarien bleibt damit ungewöhnlich groß — von reduzierten Quartalsprognosen nach etwaigen Waffenruhen bis hin zu Warnungen vor deutlich höheren Extrempreisen.

Rohöl WTI: Kampf um die 90-Dollar-Marke

Der US-Ölbenchmark WTI schloss am Freitag bei 91,34 Dollar — ein Rückgang von 1,83 Prozent, der den Verlust von 3,1 Prozent aus der Vorsitzung verlängerte. Die Wochenbilanz fällt mit einem Plus von gut vier Prozent dennoch positiv aus. Seit Jahresanfang hat WTI fast 60 Prozent zugelegt.

Der Iran-Krieg ab Ende Februar 2026 hat die Preisstruktur des Marktes fundamental verschoben. WTI sprang bis auf 119 Dollar, bevor die am 9. April vereinbarte Waffenruhe den Preis zurück in den 80-Dollar-Bereich drückte. Rund 20 Prozent der weltweiten Rohöl- und Flüssiggasversorgung flossen vor dem Krieg durch Hormuz. Die Internationale Energieagentur warnte jüngst, dass die globalen Öllagerbestände in Rekordtempo schrumpfen, solange die Meerenge geschlossen bleibt. „Rapide schwindende Puffer inmitten anhaltender Störungen könnten künftige Preisspitzen ankündigen“, so die IEA.

Saudi Aramco-CEO Amin Nasser formulierte es unmissverständlich: Selbst wenn Hormuz heute öffne, werde es Monate dauern, bis sich der Markt wieder ins Gleichgewicht gebracht habe. Eine Normalisierung vor 2027 hält er für unrealistisch. Die wahrscheinliche Preisspanne für den Rest des Jahres liegt bei 90 bis 100 Dollar je Barrel — auch im Szenario einer baldigen Wiedereröffnung.

Kupfermarkt: Zwischen Zollangst und Rekord-Engpass

Kupfer-Futures gaben am Freitag auf 6,28 Dollar je Pfund nach — ein Tagesverlust von 3,89 Prozent. Noch am 4. Juni hatte der Preis 6,50 Dollar erreicht. Die Jobdaten drehten diese Bewegung komplett um.

Zwei Unsicherheiten lähmen den Markt gleichzeitig:

  • Geldpolitik: Die Aussicht auf straffere Zinsen als Reaktion auf den energiegetriebenen Inflationsschock belastet die Nachfrageaussichten.
  • Zollpolitik: Trump unterzeichnete Anfang der Woche eine Anpassung der Metallzölle, behandelte das umfassendere Kupferthema aber nicht. Händler warten auf eine US-Entscheidung später im Juni, ob Zölle auf raffinierte Kupferimporte verhängt werden. Vorsorglich steigen bereits die Lieferungen in US-Häfen.

Von der Angebotsseite kommen unterdessen alarmierende Signale. Chile, der weltweit größte Produzent, meldete die schwächste Aprilproduktion seit 23 Jahren. Das nährt Sorgen über die eingeschränkte globale Verfügbarkeit.

Die Analysehäuser sind gespalten. Goldman Sachs erwartet, dass die Kupferpreise gegenüber den jüngsten Rekordhochs zunächst etwas nachgeben und erst Ende 2026 wieder anziehen. JP Morgan prognostiziert für das zweite Quartal einen Preis von 12.500 Dollar je Tonne und im Jahresdurchschnitt rund 12.075 Dollar. Kritiker wenden ein, die Rallye sei weniger durch tatsächliche Knappheit getrieben als durch Absicherungsgeschäfte gegen Zölle und Investmentstrategien rund um Elektromobilität, KI und Energiewende.

Rohstoffkomplex vor der nächsten Bewährungsprobe

Die Bilanz des Freitags offenbart, wie unterschiedlich der gleiche Makroimpuls auf verschiedene Rohstoffsegmente wirkt. Gold und Silber teilen ihre Zinssensitivität, doch Silber verstärkt jede Bewegung um ein Vielfaches — ein Spiegel der spekulativen Hebelwirkung in diesem Markt. Öl folgt seiner eigenen geopolitischen Logik. Kupfer steckt in einer doppelten Zwickmühle aus Zins- und Zollsorgen fest.

Der Blick richtet sich nun auf den kommenden Mittwoch, wenn die nächste Runde geldpolitischer Signale erwartet wird. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack ließ bereits durchblicken, dass die Fed zu Zinserhöhungen gezwungen sein könnte, falls der Inflationsdruck weiter zunehme. Für den Ölmarkt bleibt Hormuz der alles entscheidende Hebel. Und für Kupfer könnte die ausstehende US-Zollentscheidung die Handelsströme auf Monate hinaus verzerren. Ein ruhiger Juni sieht anders aus.

Gold: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gold-Analyse vom 6. Juni liefert die Antwort:

Die neusten Gold-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gold-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gold: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Gold Rohstoff

4.364,00 USD

– 138,40 USD -3,07 %
KGV
Sektor
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung
ISIN: XC0009655157 WKN: 965515

Community Forum zu Gold

Ähnliche Artikel

Solana: 624.000 SOL-Unlock am 7. Juni

Solana: 624.000 SOL-Unlock am 7. Juni

Ethereum & Altcoins ·
Allianz Aktie: 370-Euro-Marke unter Druck

Allianz Aktie: 370-Euro-Marke unter Druck

Banken & Versicherungen ·
Silber Preis: 8 Prozent Crash auf 67,96 Dollar

Silber Preis: 8 Prozent Crash auf 67,96 Dollar

Forex ·
DroneShield Aktie: ASIC-Verfahren belastet

DroneShield Aktie: ASIC-Verfahren belastet

Cyber Security ·
Friedrich Vorwerk Aktie: 15,47% Minus trotz 75% EBITDA-Wachstum

Friedrich Vorwerk Aktie: 15,47% Minus trotz 75% EBITDA-Wachstum

Industrie ·

Weitere Artikel zu Gold

Alle Artikel anzeigen
Gold: NFP-Bericht um 14:30 Uhr entscheidend

Gold: NFP-Bericht um 14:30 Uhr entscheidend

Gold & Edelmetalle ·
Gold: 13 Prozent Minus seit Iran-Konflikt

Gold: 13 Prozent Minus seit Iran-Konflikt

Gold & Edelmetalle ·
Gold: 27 Prozent der Reserven vor Treasuries

Gold: 27 Prozent der Reserven vor Treasuries

Forex ·
Gold: Unterstützung bei 4.500 Dollar gerissen

Gold: Unterstützung bei 4.500 Dollar gerissen

Gold & Edelmetalle ·
Gold: 4.520 Dollar zwischen Hormus-Blockade und Zinsangst

Gold: 4.520 Dollar zwischen Hormus-Blockade und Zinsangst

Gold & Edelmetalle ·