US-Jobschock treibt Gold und Silber, Öl und Kaffee tanzen aus der Reihe

Schwache US-Arbeitsmarktdaten treiben Edelmetalle, während Öl und Kaffee anderen Faktoren folgen.

Andreas Sommer ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis erholt sich nach vier Wochen
  • Silber mit stärkstem Wochenplus
  • Brent und WTI bleiben stabil
  • Kaffee von Wetter in Brasilien abhängig

Ein einziger Konjunkturbericht, fünf völlig unterschiedliche Reaktionen: Während Gold und Silber am Wochenende kräftig zulegten, blieben Brent und WTI trotz identischer Datenlage auffallend gelassen. Und der Kaffeepreis? Der interessierte sich ohnehin für ganz andere Themen.

Ein Jobbericht bewegt den gesamten Rohstoffmarkt

Der Auslöser der jüngsten Bewegungen war eindeutig. Die US-Wirtschaft schuf im Juni lediglich 57.000 neue Stellen, deutlich weniger als im Mai und weit unter den von Dow-Jones-Analysten erwarteten 115.000. Diese Enttäuschung schlug binnen Stunden auf die Zinserwartungen durch.

Anleger senkten daraufhin ihre Prognosen für eine Zinserhöhung der US-Notenbank auf der bevorstehenden Sitzung im September. Für Edelmetalle bedeutete das Rückenwind, da zinslose Anlagen wie Gold und Silber typischerweise von sinkenden Realrenditen profitieren.

Bei Öl und Kaffee dominierten dagegen andere Kräfte. Am Ölmarkt standen Entspannungssignale zwischen Washington und Teheran im Vordergrund, beim Kaffeepreis gaben brasilianische Erntedaten den Ton an. Diese Gemengelage sorgt derzeit für ein selten uneinheitliches Bild innerhalb der Rohstoffwelt.

Gold: Vierwöchige Talfahrt gestoppt

Der Goldpreis hat nach vier Wochen mit rückläufigen Kursen wieder Tritt gefasst. Zum Wochenschluss notierte das Edelmetall bei 4.187,30 US-Dollar, ein Tagesplus von 1,23 Prozent und auf Wochensicht ein Zuwachs von 2,04 Prozent.

Bemerkenswert war die Schwankungsbreite innerhalb der Woche. Zwischenzeitlich war der Kurs unter die 4.000-Dollar-Marke gerutscht, erholte sich dann aber nach Fortschritten in den US-Iran-Verhandlungen, während fallende Ölpreise gleichzeitig die Inflationssorgen dämpften. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein Minus von 6,16 Prozent stehen, seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 3,56 Prozent zu Buche.

Die Stimmung an der Wall Street hat sich zuletzt spürbar aufgehellt. In der jüngsten wöchentlichen Goldumfrage von Kitco News prognostizierten elf von sechzehn befragten Analysten – rund 69 Prozent – einen weiteren Anstieg, nur zwei rechneten mit fallenden Kursen. Mit einem RSI von 46,6 ist der Markt weder überkauft noch überverkauft, was Raum für beide Richtungen lässt.

Silber Preis: Kräftigster Sprung unter den Edelmetallen

Silber reagierte noch heftiger auf die schwachen Jobdaten als Gold. Das Edelmetall schloss am Freitag bei 62,72 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesplus von 2,06 Prozent und auf Wochensicht ein Sprung von 5,09 Prozent.

Fundamental bleibt der Markt angespannt. Seit Jahren übersteigt die Nachfrage das Angebot, für 2026 rechnen Marktbeobachter mit einer Unterdeckung von 46,3 Millionen Unzen. Trotz der jüngsten Erholung fällt die Jahresbilanz aber nüchtern aus – mit einem Minus von 13,21 Prozent seit Jahresbeginn und einem Abstand von 12,49 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt bei 71,67 Dollar bleibt der Silberpreis deutlich unter seinem mittelfristigen Trend.

Institutionelle Häuser bleiben trotzdem zuversichtlich. JP Morgan rechnet für das laufende Jahr mit einem Durchschnittspreis von 81 US-Dollar, die Commerzbank sieht bei fallenden Zinsen sogar Potenzial bis 90 Dollar. Die hohe Schwankungsbreite von aktuell über 50 Prozent auf Jahresbasis zeigt aber, wie nervös der Markt derzeit gehandelt wird.

Brent Crude: Stabilisierung nahe Vorkriegsniveau

Während die Edelmetalle jubelten, zeigte sich Brent Crude vergleichsweise ruhig. Das Barrel notierte zuletzt bei 72,13 US-Dollar, ein moderates Tagesplus von 0,77 Prozent, während auf Wochensicht sogar ein leichtes Minus von 1,96 Prozent zu Buche steht.

Der Ölpreis bewegt sich damit nahe den Niveaus, die vor dem Ausbruch des Nahost-Konflikts Ende Februar zu beobachten waren. Der kommerzielle Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz macht weiterhin Fortschritte, ein Signal für nachlassende geopolitische Risikoprämien.

Der wesentliche Treiber bleibt die diplomatische Entspannung zwischen Washington und Teheran. Vermittler aus Katar und Pakistan führten zuletzt separate Gespräche mit US- und iranischen Vertretern in Doha, laut denen die Verhandlungen gut vorankommen. Parallel normalisiert sich das regionale Angebot: Saudi-Arabiens Rohölexporte liegen bereits wieder bei rund 90 Prozent ihres Vorkriegsniveaus, auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Exporte vollständig wiederhergestellt. Auf Monatssicht schlägt sich diese Angebotsnormalisierung deutlich nieder – Brent verlor binnen 30 Tagen 26,29 Prozent und notiert mit einem RSI von 29,2 bereits im überverkauften Bereich.

Rohöl WTI: Gefangen zwischen Waffenruhe und Nachfragesorgen

Die US-Sorte WTI bewegt sich in ähnlich ruhigem Fahrwasser knapp unter der 70-Dollar-Marke. Der Preisabstand zu Brent bleibt dabei typisch für die aktuelle Marktlage und spiegelt vor allem regionale Angebotsunterschiede wider.

Der diplomatische Fortschritt zwischen den Konfliktparteien bleibt auch für WTI der zentrale Kurstreiber. Zum vor zwei Wochen vereinbarten Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Konflikts seien nach Angaben aus Doha „positive Fortschritte“ erzielt worden, die Gespräche sollen fortgesetzt werden. Die Marktstimmung bleibt gespalten: Rund 68 Prozent der von wallstreetONLINE befragten Nutzer erwarten fallende Notierungen, nur 32 Prozent rechnen mit einem Anstieg.

Kaffeepreis: Regenverzögerte Ernte trifft auf hohe Notierungen

Beim Kaffeepreis dominiert weiterhin die brasilianische Erntesaison das Geschehen, unabhängig von den US-Zinsdaten. Der Markt zeigt sich gespalten zwischen den beiden Hauptsorten: Der Robusta-Kontrakt für Juli legte um 1,62 Prozent auf 3.817 Dollar pro Tonne zu, während Arabica-Futures um 0,71 Prozent auf 286,75 Cent je Pfund nachgaben.

Der Grund für die Verzögerungen liegt im Wetter. Cooxupé beziffert den Erntefortschritt in Brasilien auf 20,1 Prozent, im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 24,3 Prozent. Analysten führen die Verzögerung auf anhaltende Regenfälle zurück, die die Ernte-Logistik ausbremsen.

Trotz einer prognostizierten Rekordernte von rund 75,3 Millionen Säcken bleibt das kurzfristige Angebot knapp. Die Arabica-Lagerbestände liegen bei 382.084 Säcken – der tiefste Stand seit über zwei Jahren. Auf Jahressicht bleibt der Preisrückgang trotzdem deutlich: Arabica notiert 23,33 Prozent unter dem Jahresanfangswert, das 52-Wochen-Hoch von 437,95 Dollar liegt in weiter Ferne.

Sektordynamik: Ein Impuls, fünf Reaktionen

Die vergangenen Handelstage zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich Rohstoffe auf denselben makroökonomischen Auslöser reagieren:

  • Gold und Silber profitierten unmittelbar von gesunkenen Zinserwartungen, da beide Edelmetalle keine laufenden Erträge abwerfen und besonders sensibel auf fallende Realrenditen reagieren
  • Silber verstärkte diesen Effekt durch sein strukturelles Angebotsdefizit, das seit Jahren für ein knappes physisches Angebot sorgt
  • Brent und WTI ließen sich vom Zinseffekt kaum beeindrucken, hier überlagerten geopolitische Entwicklungen wie die US-Iran-Annäherung und die Rückkehr der Golf-Exporte auf Normalniveau alle anderen Einflüsse
  • Kaffee bewegt sich in einer eigenen Sphäre, getrieben von Wetterereignissen in Brasilien und Lagerbeständen an der ICE, makroökonomische Zinsimpulse spielen hier kaum eine Rolle

Rohstoffmarkt zwischen Zinsfantasie und Geopolitik

Für die kommenden Wochen bleiben mehrere Fixpunkte entscheidend. Bei Gold und Silber richten sich die Blicke auf weitere US-Konjunkturdaten sowie die Fed-Kommunikation vor der Septembersitzung, da diese die Zinserwartungen erneut verschieben könnten. Am Ölmarkt dürfte der Fortgang der Doha-Gespräche maßgeblich bleiben – jede weitere Entspannung würde die Angebotsnormalisierung aus der Golfregion untermauern und könnte Brent sowie WTI zusätzlich unter Druck setzen.

Beim Kaffeepreis bleibt das Wetter in den brasilianischen Anbaugebieten der entscheidende Faktor, insbesondere mit Blick auf die kommende Blütezeit. Der Rohstoffmarkt dürfte damit auch in den nächsten Handelstagen von einem Nebeneinander unterschiedlicher Treiber geprägt bleiben, statt sich an einem gemeinsamen Trend zu orientieren.

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