USA und Iran nähern sich an: Ölpreis fällt unter 100 Dollar
Diplomatische Kontakte zwischen Washington und Teheran drücken Brent auf 99,22 Dollar. Ein Abkommen bleibt wegen strittiger Bedingungen offen.

Kurz zusammengefasst
- Verhandlungen in New York fortgesetzt
- Brent sinkt an fünf Handelstagen
- Ölpreis bleibt 37 Prozent erhöht
- Hormus-Öffnung an Bedingungen geknüpft
Gespräche am Rande der UN-Vollversammlung in New York nähren Hoffnungen auf ein Ende des monatelangen Konflikts zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump sprach von Fortschritten bei den Verhandlungen und stellte ein baldiges Abkommen in Aussicht. Die Aussicht auf eine diplomatische Lösung drückte den Preis für Rohöl der Sorte Brent wieder unter die Marke von 100 Dollar je Barrel. Eine dauerhafte Entspannung am Energiemarkt ist damit allerdings noch nicht besiegelt, denn die zentralen Forderungen beider Lager klaffen weiterhin weit auseinander.
Annäherung unter harten Bedingungen
US-Gesandte trafen sich in New York mit iranischen Vertretern zu längeren Beratungen. Es ist der erste direkte Kontakt seit einem 60-tägigen Waffenstillstand im Juni, der im August nach erneuten militärischen Auseinandersetzungen endete. Parallel dazu liefen Kontakte über katarische Vermittler.
Teheran knüpft eine Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus an strenge Bedingungen. Gefordert werden das sofortige Ende der US-Sanktionen, die Aufhebung der Seeblockade sowie die Freigabe aller eingefrorenen iranischen Vermögenswerte. Washington wiederum verlangt Garantien, dass der Iran keine Atomwaffen entwickelt. Trump selbst dämpfte die kurzfristigen Erwartungen etwas: Er hält einen formellen Vertragsabschluss erst nach den US-Zwischenwahlen im November für wahrscheinlich.
Zinsdruck trifft auf fallende Rohstoffpreise
Die Rohstoffmärkte reagierten unmittelbar auf die diplomatischen Signale. Der Preis für Brent-Rohöl sank an fünf aufeinanderfolgenden Handelstagen und fiel auf 99,22 Dollar je Barrel. Zusätzliche Entlastung brachte Saudi-Arabien, das Rohöl unerwartet schnell über seine Ost-West-Pipeline umleitet.
Trotz des jüngsten Rücksetzers liegt der Ölpreis noch immer 37 Prozent über dem Niveau vor Ausbruch der Kampfhandlungen Ende Februar. Für die Notenbanken bleibt die Lage heikel. Die hohen Energiepreise hatten die Inflationssorgen weltweit angefacht und Spekulationen über weitere Leitzinsanhebungen befeuert. Ein dauerhafter Preisrückgang beim Rohöl könnte diesen Zinserhöhungsdruck spürbar mindern.
Am Mittwoch richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Rede des iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian vor der UN-Vollversammlung in New York. Die Marktteilnehmer achten dabei vor allem darauf, ob Teheran den Verhandlungskurs bestätigt oder Signale für direkte Gespräche mit der US-Führung aussendet.