Valneva Aktie: Klage trifft Kursruine
Der Biotechkonzern Valneva sieht sich nach dem Fehlschlag der Lyme-Borreliose-Studie mit einer Sammelklage und massiven Kursverlusten konfrontiert. Die Zulassung des Impfstoffs bleibt ungewiss.

Kurz zusammengefasst
- Sammelklage wegen möglichen Wertpapierbetrugs
- Kurseinbruch von über 37 Prozent an einem Tag
- Primärer Studienendpunkt nicht erreicht
- Zulassungseinreichung trotzdem für 2026 geplant
Ein gescheiterter Impfstoff-Endpunkt, ein Kurseinbruch von mehr als 37 Prozent an einem einzigen Tag — und jetzt auch noch eine Klage. Für Valneva häufen sich die Belastungen.
Die US-Anwaltskanzlei Pomerantz LLP untersucht den Biotechkonzern wegen möglichen Wertpapierbetrugs. Auslöser ist die Veröffentlichung der Phase-3-Studiendaten für den Lyme-Borreliose-Impfstoff, der gemeinsam mit Pfizer entwickelt wird. Am 23. März 2026 hatten beide Unternehmen bekanntgegeben, dass der Impfstoffkandidat zwar eine sekundäre Wirksamkeit von 73,2 bis 74,8 Prozent erreichte — den primären statistischen Endpunkt jedoch verfehlte. Begründung: Die Erkrankungsfälle während der Studienlaufzeit lagen unter den Erwartungen.
Kursverlust ohne Boden
Die Reaktion an den Märkten war brutal. Die in den USA gehandelten ADRs brachen am Tag der Bekanntmachung um 37 Prozent ein. Seitdem hat sich die Aktie kaum erholt. Auf Euronext Paris notiert das Papier aktuell bei 2,67 Euro — rund 44 Prozent unter dem Niveau vor einem Monat. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt fast 33 Prozent, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 108 Prozent. Das sind Werte, die eher an eine Krisenaktie erinnern als an ein Unternehmen mit laufenden Zulassungsplänen.
Zulassung trotz Rückschlag?
Pfizer und Valneva wollen die VALOR-Daten trotz des Endpunktfehlers bei FDA und EMA einreichen — noch im Laufe des Jahres 2026. Die Unternehmen verweisen auf die klinische Bedeutsamkeit der Ergebnisse. Ob die Behörden das ähnlich sehen, ist offen. Reicht eine sekundäre Wirksamkeit von rund 74 Prozent für eine Zulassung, wenn der primäre Endpunkt formal nicht erreicht wurde?
Die Kanzlei Pomerantz untersucht, ob Investoren vor der Datenveröffentlichung ausreichend über mögliche Studienrisiken informiert wurden. Das ist der eigentliche Kern des Verfahrens — und er könnte teuer werden, unabhängig vom Ausgang der Zulassungsverfahren.
Am 7. Mai 2026 legt Valneva seine Quartalszahlen für Q1 vor. Das wird der nächste Moment sein, an dem das Management Stellung beziehen muss — zur Klage, zur Zulassungsstrategie und zur Frage, wie das Unternehmen finanziell durch diesen Gegenwind kommt.
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