Valneva Aktie: Strategie im Umbau

Valneva übernimmt volle Kontrolle über Chikungunya-Impfstoff, ordnet Vertrieb neu und sichert langfristige Finanzierung. Die Aktie hängt von den Phase-3-Daten des Lyme-Kandidaten VLA15 im Jahr 2026 ab.

Kurz zusammengefasst:
  • Vollständige Rechte am Chikungunya-Impfstoff zurückerlangt
  • Neue Kreditfazilität verschiebt Rückzahlungen bis 2030
  • Phase-3-Ergebnisse für Lyme-Impfstoff 2026 erwartet
  • Umsatz wächst, Unternehmen bleibt jedoch im Verlust

Valneva richtet sein Geschäft konsequent auf eigene Vermarktung und künftige Pipeline-Erträge aus. Mit dem Ende der Indien-Partnerschaft, einer neuen Vertriebsstruktur in Europa und der umfassenden Refinanzierung stellt sich der Impfstoffspezialist neu auf. Entscheidend ist dabei eine Frage: Reicht diese Kombination aus strategischen und finanziellen Maßnahmen, um die Durststrecke bis zu möglichen Lyme-Erlösen zu überbrücken?

Am Markt spiegelt sich der Umbau bisher nur teilweise wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 4,05 US‑Dollar, rund 21 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber fast doppelt so hoch wie das Jahrestief. Der 12-Monats-Anstieg von gut 73 % zeigt, wie stark die Erwartungen an die Pipeline bereits eingepreist sind.

Valneva

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Chikungunya: Volle Kontrolle statt Lizenzmodell

Mit der einvernehmlichen Auflösung des Lizenzvertrags mit dem Serum Institute of India holt sich Valneva die vollständigen Rechte am Einzeldosis-Chikungunya-Impfstoff zurück. Damit verabschiedet sich das Unternehmen von einem reinen Lizenzmodell und setzt auf direkte Steuerung.

Im Fokus stehen nun:

  • Direkte Kontrolle der gesamten Lieferkette
  • Eigene Kommerzialisierung in endemischen Hochrisikoländern
  • Schnellere Verfügbarkeit in besonders betroffenen Regionen

Parallel ist der Zugang für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen über eine separate Vereinbarung weiterhin abgesichert. Grundlage ist ein Fördervertrag mit der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), der zusätzlich von der Europäischen Union mitfinanziert wird.

Hintergrund: Chikungunya hat sich seit 2004 weltweit stark ausgebreitet. Über 110 Länder in Asien, Afrika, Europa und Amerika sind betroffen, in Amerika wurden zwischen 2013 und 2023 mehr als 3,7 Millionen Fälle gemeldet. Die WHO stuft das Virus als relevantes Gesundheitsproblem ein – genau in diesem Umfeld will Valneva den Impfstoff nun selbst steuern und monetarisieren.

Vertrieb in Europa neu geordnet

Auch in Europa stellt Valneva die Weichen neu. Seit Januar 2026 vertreibt CSL Seqirus die drei proprietären Impfstoffe exklusiv in Deutschland. Der bisherige Partner Bavarian Nordic wird damit ersetzt.

Deutschland ist der größte Reiseimpfstoffmarkt Europas. Die Kooperation mit CSL Seqirus soll den Marktauftritt bündeln und die Reichweite im Vertrieb verbessern. Für Valneva bedeutet das: weniger eigener Vertriebsaufwand, aber Zugang zu einem schlagkräftigen Partner in einem Kernmarkt.

Refinanzierung verschiebt Druck nach hinten

Finanziell hat Valneva 2025 einen wichtigen Schritt gemacht. Im Oktober wurde eine Kreditfazilität über bis zu 500 Millionen US‑Dollar mit Pharmakon Advisors abgeschlossen. Aus der ersten Tranche von 215 Millionen US‑Dollar wurden die Verbindlichkeiten bei Deerfield Management und OrbiMed vollständig zurückgezahlt.

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Kernpunkte der neuen Struktur:

  • Vollständige Ablösung der bisherigen Kreditgeber
  • Verschiebung der Rückzahlungsverpflichtungen von Q1 2026 auf Q4 2030
  • In den kommenden Jahren keine Tilgungszahlungen fällig

Damit gewinnt das Unternehmen erheblichen Spielraum, um die erwartete Markteinführung des Lyme-Borreliose-Impfstoffs zu erreichen, ohne kurzfristig unter Rückzahlungsdruck zu geraten.

Charttechnisch notiert die Aktie leicht über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 3,85 US‑Dollar und spürbar über der 200‑Tage-Linie bei 3,53 US‑Dollar. Der 14-Tage-RSI von 18,9 signalisiert kurzfristig ein überverkauftes Niveau – trotz der starken 12-Monats-Performance.

Geschäftszahlen: Wachstum, aber weiter Verluste

Die Neun-Monats-Zahlen 2025 zeichnen ein gemischtes Bild. Auf der einen Seite wächst der Umsatz, auf der anderen Seite bleibt das Unternehmen klar in der Verlustzone:

  • Gesamtumsatz: 127,0 Mio. Euro (Vorjahr: 116,6 Mio. Euro)
  • Produktumsätze: 119,4 Mio. Euro
  • Nettoverlust: 65,2 Mio. Euro
  • Barmittel: 143,5 Mio. Euro per Ende September 2025

Die im Oktober angepasste Jahresprognose sieht Produktumsätze zwischen 155 und 170 Mio. Euro vor, die Gesamterlöse sollen bei 165 bis 180 Mio. Euro liegen. Das bestätigt ein moderates Wachstum, aber auch, dass Valneva bis auf Weiteres von der Pipeline und der neuen Finanzierungsstruktur abhängig bleibt.

Pipeline als zentrale Wette: Lyme im Fokus

Wesentlicher Treiber der Investmentstory bleibt der Lyme-Borreliose-Impfstoffkandidat VLA15, der gemeinsam mit Pfizer entwickelt wird. Das Projekt befindet sich in fortgeschrittener klinischer Phase:

  • Phase‑3‑Studie VALOR läuft
  • Ergebnisse werden im ersten Halbjahr 2026 erwartet
  • Pfizer plant bei positiven Daten die Einreichung bei FDA und EMA im Jahr 2026
  • Ein Marktstart wird für die zweite Jahreshälfte 2027 angepeilt

Damit ist klar: Die Jahre 2026 und 2027 werden für die Bewertung von Valneva entscheidend. Bis dahin muss das Unternehmen mit den bestehenden Produkten, der Chikungunya-Neuausrichtung und der erweiterten Finanzierungsbasis auskommen.

Fazit: Hoher Spielraum, hohe Erwartungen

Strategisch hat Valneva in kurzer Zeit mehrere Hebel bewegt: volle Kontrolle über den Chikungunya-Impfstoff, ein neuer Vertriebspartner in einem Schlüsselmarkt und eine deutlich entspanntere Rückzahlungsstruktur. Gleichzeitig zeigen die Neun-Monats-Zahlen, dass das operative Geschäft allein den Kapitalbedarf noch nicht deckt.

Für die Aktie bedeutet das: Die Basis für die kommenden Jahre ist gelegt, doch der eigentliche Bewertungshebel bleibt der Erfolg von VLA15. Entscheidend wird, wie die Phase‑3‑Daten im ersten Halbjahr 2026 ausfallen und ob der anvisierte Marktstart ab 2027 den aktuell hohen Erwartungen gerecht werden kann.

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