VanEck Seltene Erden ETF: Westen braucht drei bis fünf Jahre
Chinas Anteil an Spezialmagneten bleibt hoch; Exportdaten schwanken, während Energy Fuels eine bedingte Finanzierung erhält.

Kurz zusammengefasst
- Unabhängigkeit könnte drei bis fünf Jahre dauern
- Magnetfertigung gilt als möglicher Engpass
- September-Exporte sanken gegenüber August
- Donald-Projekt erhält bedingte Kreditfazilität
Die Seltene-Erden-Branche steht trotz der laufenden Aussetzung chinesischer Exportkontrollen vor einem strukturellen Problem: Der Westen könnte sich nach Einschätzung des französischen Rohstoffbeauftragten Benjamin Gallezot erst in drei bis fünf Jahren spürbar von chinesischen Lieferungen unabhängig machen.
Laut Reuters sprach Gallezot am Mittwoch von einem möglichen Ende der Abhängigkeit von Chinas rund 90-prozentigem Anteil an der Produktion spezialisierter Seltene-Erden-Magnete – vorausgesetzt, geplante Projekte kommen schneller voran. Die Magnetfertigung selbst bleibe dabei der wahrscheinlichste Engpass.
Für den VanEck Seltene Erden ETF (ISIN IE0002PG6CA6) ist diese Einschätzung mehr als eine Randnotiz. Der Fonds bündelt Unternehmen, deren Geschäftsmodell direkt von genau dieser Verschiebung der globalen Lieferketten abhängt – und die Nachrichtenlage der vergangenen Tage zeigt, wie widersprüchlich diese Verschiebung aktuell verläuft.
Lieferkettenbruch bei GM belastet Stimmung
Erst am Freitag hatte Reuters berichtet, dass General Motors seinen langfristigen Liefervertrag mit eVAC Magnetics, der US-Tochter des deutschen Unternehmens Vacuumschmelze, aufgekündigt hat. Die Parteien befinden sich inzwischen in einem Schiedsverfahren.
Die Meldung belastete die gesamte Branche der Seltene-Erden-Aktien zusätzlich, da Energy Fuels über eine geplante Übernahme des Eigentümers der betroffenen Magnetfabrik mit dem Fall verknüpft ist.
Gleichzeitig suchen große Abnehmer nach Alternativen: Taiwan Semiconductor Manufacturing Company fragte laut einem Reuters-Bericht vom Donnerstag bei Ausrüstungslieferanten gezielt nach Fabrikautomatisierungsmotoren, die keine seltenen Erden benötigen.
Exportkontroll-Risiken hätten die Sorge um die Versorgungssicherheit erhöht. Das Beispiel zeigt: Industriekunden bereiten sich auf Lieferausfälle vor, unabhängig davon, ob China seine Exportbeschränkungen tatsächlich dauerhaft lockert.
Exportdaten aus China liefern gemischtes Bild
Auch die aktuellen Handelszahlen aus China sprechen keine eindeutige Sprache. Nach Angaben der chinesischen Zollbehörde, von Reuters ausgewertet, stiegen die Seltene-Erden-Exporte im September auf 4.269,8 Tonnen – ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber ein Rückgang von 9,8 Prozent gegenüber August.
Für die ersten neun Monate des Jahres summierten sich die Exporte auf 43.711 Tonnen, 9,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Bild einer schrittweisen, aber keineswegs linearen Öffnung passt zu der Einschätzung, dass echte Diversifizierung Jahre braucht.
Der Kurs des ETF notiert aktuell bei 9,54 Euro und damit nur noch 7,1 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 8,91 Euro, das Ende Oktober markiert wurde. Die Nähe zu diesem Tief unterstreicht, wie stark die jüngste Nachrichtenkette aus gekündigten Verträgen, gemischten Exportdaten und Substitutionsversuchen der Industrie auf die Stimmung drückt.
Finanzierungszusagen als Gegengewicht
Nicht alle Meldungen der vergangenen Tage waren negativ. Export Finance Australia und die National Reconstruction Fund Corporation genehmigten am Mittwoch vorbehaltlich weiterer Bedingungen eine Kreditfazilität von bis zu 180 Millionen australischen Dollar für die erste Phase des Seltene-Erden-Projekts Donald von Energy Fuels, innerhalb einer geplanten Gesamtfazilität von 200 Millionen australischen Dollar.
Solche Finanzierungszusagen für neue Förderprojekte sind genau jene langfristigen Investitionen, die laut Gallezot nötig sind, um die Abhängigkeit von China überhaupt zu verringern – nur eben mit einem Zeithorizont, der deutlich über das aktuelle Marktgeschehen hinausreicht.
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